„We’re going to Ibiza“: Wie die Vengaboys zum Sound des politischen Protests in Österreich wurden

Ibizagate hat die österreichische Regierung zerbrechen lassen. Aber es ist auch Grund für das Comeback einer 90er-Jahre-Hymne. ze.tt hat mit den Vengaboys gesprochen.

Comeback-Konzert der 90er-Jahre-Ikone Blümchen

We're going to Ibizaaaa. Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Vengaboys sind auf Europatournee. Vier Mitglieder hat die niederländische Eurodance-Band aus den 90ern und der selbst ernannte Europe’s #1 Party Act. Ursprünglich war kein Auftritt in Wien geplant – doch jetzt machen Cowboy Donny, Captain Kim, Partygirl D’Nice und Sailorboy Robing doch einen Zwischenstopp in der österreichischen Hauptstadt. Denn die Band ist in Österreich gerade so beliebt wie lange nicht. „Uns erreichten tausende Anfragen auf allen unseren Social-Media-Kanälen, auf unserer Website und von unserem neuen besten Freund Jan Böhmermann“, sagten sie zu ze.tt. Am Donnerstag treten sie aufgrund des hohen Interesses in Wien vor dem Bundeskanzleramt auf und singen ihren zum Protestsong mutierten Hit We’re going to Ibiza. „Wir waren schon oft in Österreich und sind mehrmals im Jahr hier. Aber wir waren noch nie vor dem Kanzleramt, wir freuen uns sehr!“

Ein längst vergessenes Lied und sein Comeback

Angefangen hat alles auf der spanischen Mittelmeerinsel Ibiza. Genauer: Mit einem dort heimlich gefilmten Vorfall, der in einen politischen Skandal münden und Österreichs Regierung auseinanderbrechen sollte. Weil bis heute nicht klar ist, welche Person hinter dem Ibiza-Video steckt, wurde die Insel selbst zum Inbegriff des Skandals. Regierungsgegner*innen nutzten sie aus Freude über den Zerfall als Ausdrucksform des Protests, schrieben „Danke, Ibiza“ oder „I love Ibiza“ auf ihre Plakate, Zeitungen verlosten Reisen nach Ibiza in dieselbe Villa, in der Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus ihre Bereitschaft zur Korruption gezeigt hatten. Und sie tanzten und feierten zu dem 1999 veröffentlichten Hit der Vengaboys We’re going to Ibiza.

Es hat 20 Jahre und eine Regierungskrise gebraucht, aber nun bekommt das Lied ein verdientes Comeback. Innerhalb weniger Tage erreichte es in Österreich den Platz 1 in den Apple Music Streaming Charts und stieg auch in den Spotify-Charts schnell nach oben. „In den letzten sieben Tagen sehen wir einen Anstieg von über 60 Prozent beim Vengaboys-Song We’re going to Ibiza!“, sagt Spotify dem österreichischen Onlinemagazin futurezone. Für Österreich allein seien die Streamingaufrufe des Songs um 228 Prozent gestiegen. Auch auf Google und Youtube suchen die Österreicher*innen vermehrt nach Band- und Songnamen.

Im Wikipedia-Eintrag zum Lied wird die Ibiza-Affäre unter dem Punkt Popularity in Austria eigens erwähnt: „Nach der Enthüllung der Ibiza-Affäre im Mai 2019, die zum Rücktritt des österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache führte, nutzten Demonstranten in Wien das Lied als Protestlied. In Folge wurde der Song wieder so populär, dass er es schaffte, wieder in die österreichischen Charts einzusteigen und sie sogar anzuführen.“

Jan Böhmermann postete das Musikvideo auf zum Lied auf Twitter und wünschte sich in einem weiteren Tweet einen Auftritt der Vengaboys in Wien, damit „Österreich 30 Jahre nach dem Mauerfall endlich auch seinen ganz persönlichen David-Hasselhoff-Moment bekommt“.

Die Vengaboys werden bei der kommenden Donnerstagsdemo in Wien auftreten. Die wöchentlichen Donnerstagsdemos vor dem Bundeskanzleramt in Wien waren ursprünglich gegen die ÖVP-FPÖ-Regierung gerichtet, werden nun aber als Freudenfeier über den Regierungszusammenbruch weitergeführt. Die Vengaboys freuen sich auf ihren Besuch in Wien: „We’re Going To Ibiza! Als Protestsong in Österreich! Sie hätten auch jeden Bob-Dylan-Song nehmen können“, äußerte sich Captain Kim vergangene Woche. Das beweise, dass die Österreicher nicht nur „einen fantastischen Musikgeschmack“, sondern darüber hinaus „einen fantastischen Sinn für Humor“ hätten.

Wenn sie dürften, würden die Vengaboys übrigens selbst den Kanzler für Österreich machen, sagen sie. Das wirft eine Frage auf: Haben sie womöglich Ibizagate selbst eingefädelt, um ihr großes Comeback zu feiern? „Hahaha! Unser Anwalt sagt: ‚kein Kommentar'“.


Du willst keine unserer Österreich-Geschichten verpassen? Dann abonniere unseren Newsletter und du bekommst ihn alle zwei Wochen in den Postfach – inklusive Österreich-Nachhilfe.

Außerdem auf ze.tt