#MeToo in China: Wie Feminist*innen die Zensur mit Emojis austricksen

In China sollte die Debatte rund um #MeToo erstickt werden, der Hashtag wurde blockiert. Die Feminist*innen im Land ließen sich davon nicht unterkriegen und fanden einen Weg, die Zensur zu umgehen.

#MeToo in China: Wie Feminist*innen die Zensur mit Emojis austricksen

Das Wort Reishase klingt ausgesprochen wie "Mi tu". © Screenshot Twitter

Kurz nach dem diesjährigen Internationalen Frauentag legte China auf dem Twitter-ähnlichen Dienst Sina Weibo eine Gruppe mit 180.000 Follower*innen still. In der Gruppe wurde vordergründig über Feminismus, Gleichberechtigung und Frauenrechte diskutiert. Die offiziellen Gründe für die Schließungen erscheinen äußerst vage, angeblich sei durch Inhalte gegen die Vorschriften verstoßen worden, wie wired berichtet. Der Kontext scheint jedoch klar: Die Zensur sollte Feminist*innen im Land zum Schweigen bringen.

Die feministische Gruppe wurde bereits einmal geschlossen. Dieses Mal scheint das Aus aber endgültig, wie Leta Hong Fincher, die Autorin des Buchs Betraying Big Brother: The Feminist Awakening in China, wired erklärt:

Dieses Mal ist die Entfernung unheimlicher, da es keinen Hinweis gibt, dass das Konto wiederhergestellt wird.“

#MeToo in China

Spätestens seit die Studentin Luo Xixi Anfang dieses Jahres in einem Brief von den sexuellen Übergriffen eines ehemaligen Professoren an der Pekinger Universität erzählt hat, ist die #MeToo-Debatte in China angekommen. Ihre Geschichte verbreitete sich schnell und machte auch anderen Studierenden Mut, über sexuelle Belästigung zu sprechen. #WoYeShi, die chinesische Bezeichnung für #MeToo, hatte in den sozialen Netzwerken schnell mehr als vier Millionen Nutzer*innen zu verzeichnen und löste eine riesige Debatte über sexuelles Fehlverhalten aus. Die Pekinger Universität zog Konsequenzen und feuerte den besagten Professor wegen „ernsthafter Verletzung“ der Schulregeln. Im Netzwerk führte das dazu, dass Weibo den Hashtag #MeToo blockierte.

Doch die Nutzer*innen akzeptierten die Zensur nicht und fanden einen Weg, sie zu umgehen. Die Menschen begannen, stattdessen den Hashtag #RiceBunny zu verwenden – zusammen mit dem Reisschalen- und dem Hasengesicht-Emoji. Das Wort für „Reishase“ wird wie „mi tu“ ausgesprochen. Dadurch konnte die Diskussion trotz der Zensur weiter stattfinden.

Chinesische Frauen stehen heute noch vor vielen Herausforderungen in Sachen Gleichberechtigung. Begriffe wie etwa Leftover Woman, eine Frau, die über 25 Jahre und unverheiratet ist, verdeutlichen den gesellschaftlichen Druck, der auf den Frauen ruht. Dazu komme die Diskriminierung sowohl im täglichen Verkehr, in der Familie als auch in Bildungsinstitutionen, wie youthreporter berichtet.

„Feminismus ist zu einem politisch sensiblen Schlüsselwort geworden“, sagt die Autorin Fincher gegenüber wired, „also müssen Aktivisten immer wieder neue Wege finden, um mit Zensur umgehen. Es ist immer das Spiel von Katz und Maus.“

Diesen Kampf scheinen die Feminist*innen gewonnen zu haben. Gemeinsam mit dem Reishasen.