Wie Cole mit Videospielen neun Sprachen lernte

Cole fand übers Onlinegaming deutsche Freund*innen und begann, Deutsch zu lernen. Heute spricht der Kanadier neun Sprachen – und hat so einige Tipps fürs Lernen auf Lager.

Bild Cole

Um sich die verschiedenen Sprachen zu erschließen, schaffte sich Cole jeweils eine eigene sogenannte Immersion. Foto: © Privat

Jede*r kann zu Hause Sprachen lernen. Man muss dafür auch nicht sprachbegabt sein, das bin ich ja auch nicht.

Cole lacht, als er das sagt. Was man dazu wissen sollte: Der gebürtige Kanadier spricht mittlerweile neun Sprachen. „Oder zehn – ich weiß nie, ob ich Dänisch wirklich dazu zählen soll.“

Nicht sprachbegabt sein, aber fast zehn Sprachen sprechen. Wie geht das?

Mit einem Weltkriegsspiel fing alles an

Mit Sprachen hatte Cole eigentlich nie viel am Hut. Zwar wuchs er in Kanada auf und kam am Französischunterricht in der Schule nicht vorbei. Auch an Deutsch und Spanisch hat er sich mal probiert, schnell aber wieder aufgegeben. „Mein Deutsch war lange Zeit sehr beschränkt: Ich kannte Schimpfwörter und Sätze wie: Gib mir Deckung! Feindliche Truppen!“ Das gängige Basisvokabular? Nicht wirklich. Aber Cole spielte als Jugendlicher gerne Call of Duty auf der X-Box.

Das Ego-Shooter-Game spielt im Zweiten Weltkrieg, man muss gegen deutsche Soldaten kämpfen. Eines Tages freundete er sich im Onlinemodus mit einem Jungen aus Deutschland an. „Er wollte Englisch lernen, und ich hatte nach wie vor großes Interesse an der deutschen Sprache.“ Ein offizielles Sprachtandem bildeten die zwei nie. „Wir haben nie richtig geübt, sondern beim Zocken einfach versucht, irgendwie miteinander zu kommunizieren“, erzählt der 24-Jährige.

Schließlich stellte der Deutsche Cole seinen Freunden vor, die auch Call of Duty spielten. „Einer von denen konnte nur Deutsch – also war ich wirklich gezwungen, Deutsch zu sprechen.“ Und so erweiterte er sein Vokabular bald über Kriegsbefehle hinaus.

Immersion hausgemacht: Die Fremdsprache in den Alltag tragen

„Ich habe mir zu Hause meine eigene Immersion gebaut“, erklärt der Kanadier. Immersion – in der Sprachwissenschaft bezieht sich das auf eine Situation, in der sich eine Person in ein fremdsprachiges Umfeld versetzt sieht und daher, oft beiläufig, die fremde Sprache erlernt. Normalerweise also, wenn man im Ausland lebt. Cole fing an, auf der Nachrichtenseite OE24 nebenbei Artikel zu lesen, las Sprachbücher und hörte deutschsprachige Podcasts. Die dabei neu erlernten Wörter probierte er dann beim Zocken mit seinen Freunden direkt aus. „Und das ganze Prozedere dann wieder von vorne.“

Mit Deutsch war bei Cole der Damm gebrochen. Er begann, mehr und mehr Sprachen zu lernen. Welche spricht er mittlerweile? „Englisch und Französisch, klar. Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch, Chinesisch, Holländisch, Italienisch. An Dänisch knabbere ich nach wie vor herum“, sagt er. Entwickelt man da irgendwann ein Muster, wenn man eine neue Sprache lernt? „Man muss an jede Sprache ein bisschen anders herangehen, aber klar, es gibt ein Muster. Das muss allerdings jede*r für sich selbst finden. Denn der erste Schritt ist, zu lernen, wie man am besten lernt“, stellt Cole fest.

Ein paar Tipps fürs Sprachenlernen hat er trotzdem auf Lager:

  • „Ignoriert am Anfang die Grammatik!“
  • „Eignet euch per App oder mit Büchern einen Basis-Wortschatz an.“
  • „Wichtig ist außerdem, dass ihr Audio dazunehmt. Durch das Hören lernt man die richtige Aussprache.“

Sobald man sich in der Lage fühle, ein kurzes Gespräch zu führen, sollte man damit auch direkt loslegen. „Ich suche mir direkt Leute, mit denen ich reden kann. Klar, ich mache viele Fehler, manchmal ist es für meinen Gegenüber sicher schwer, mich zu verstehen. Aber mit der Zeit wird der Wortschatz natürlicher.“ Und wenn es so weit sei: zurück zu den Büchern und neue Wörter lernen.

Change it up“ – und vergiss nicht, warum du die Sprache lernen willst

Für Cole funktioniert die Immersion, die er im Deutschen geschaffen hat: „Ich umgebe mich eine Zeit lang nur mit der jeweiligen Sprache, lese Artikel, höre Podcasts, schaue Netflix. Und suche mir dann Gesprächspartner*innen.“ Mittlerweile macht er das auch nicht mehr unbedingt über die X-Box, sondern über Webseiten. Zum Beispiel über conversationexchange.com. Die Webseite bietet eine Suchfunktion mit einfachem Fragebogen und findet auf Grundlage dessen eine*n passende*n Tandempartner*in.

Gibt denn auch jemand wie Cole beim Lernen mal auf? „Mich packt ständig die Langeweile, mit vielen Sprachen habe ich nach kurzer Zeit wieder aufgehört: Koreanisch, Hebräisch, Hindi, Swahili. Zu den meisten kehre ich irgendwann aber auch wieder zurück.“ Bei Dänisch ist er mittlerweile im vierten Versuch.

Sein Tipp gegen Langeweile oder Lustlosigkeit: „Change it up – versuch, die Sprache anders zu lernen. Wenn man normalerweise mit Büchern lernt, sollte man mal auf Internetseiten wechseln. Mein Geheimtipp: Musik“, sagt der Kanadier. Ganz wichtig laut Cole außerdem: „Sich immer wieder daran zu erinnern, warum man die Sprache lernen will. Da sollte man allerdings auch einen Grund haben – ohne ist es wirklich schwer, nicht aufzugeben.“

Cole gibt auf seinem YouTube-Kanal Tipps rund ums Sprachen lernen, außerdem hat er einen Blog: thepolyglotgrind.com.