Wie die Brände in Australien für eine Desinformationskampagne genutzt werden

Sind Brandstifter*innen Schuld an den Feuern in Australien? Einige Medien und Twitter-Accounts verbreiten diese Behauptung. Forscher einer australischen Universität haben nun herausgefunden, dass dahinter Trolle und Bots stecken.

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Eine groß angelegte Desinformationskampagne soll Menschen davon überzeugen, dass die Brände in Australien nichts mit der Klimakrise zu tun haben. Foto: © Saeed Khan / AFP via Getty Images

Seit Monaten berichten Medien weltweit über die Feuerkatastrophe in Australien. Während Feuerwehrleute und selbst Reservist*innen gegen die Brände vor Ort versuchen anzukämpfen, Menschen evakuieren und Tiere in Sicherheit bringen, kursieren im Netz verschiedene Behauptungen über die Ursache der Feuer. Unter anderem, dass sie nichts mit dem Klimawandel zu tun hätten, sondern von Menschen gelegt wären. Auf Twitter wurde der entsprechende Hashtag #ArsonEmergency unzählige Male geteilt. Zahlreiche Medien übernahmen dieses Narrativ.

Ob Umweltkatastrophen eindeutig auf die Klimakrise zurückzuführen sind, ist schwer zu beurteilen. Tatsache ist, dass laut der australischen Meteorologie-Behörde 2019 das wärmste und trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1910 war. Noch nie zuvor habe es in einem Jahr so wenig Niederschlag und so extreme Dürren gegeben. In der Wissenschaft ist zudem längst zweifelsfrei belegt, dass die Erderwärmung Waldbrandrisiken stark erhöht. Auch ein aktueller Bericht des Weltklimarates IPCC bestätigt erneut, dass schon eine globale Erwärmung von weniger als einem Grad Celsius die Waldbrandsaison ausdehnt. Die Annahme, dass die Feuer in Australien klimakrisenbedingt sind, liegt für Expert*innen daher mehr als nahe.

Über Bots und Trolle bis zur Wahrheit?

Woher kommen also gegenteilige Meldungen? Medienforscher der Technischen Universität Queensland haben hunderte Twitterprofile ausgewertet und versucht, die Herkunft des Hashtags #ArsonEmergency nachzuvollziehen. Die beiden Autoren Timothy Graham und Tobias R. Keller argumentieren in ihrem Bericht, dass das Verhalten der Twitter-Konten, die den Hashtag nutzten, dem koordinierten Verhalten russischer Trolle während der US-Präsidentschaftswahlen 2016 ähnelte. Sie bezeichnen die Verbreitung des Hashtags als gezielte Desinformationskampagne. Ihre genaue Forschungsmethode ist im Bericht nachzulesen.

Die Forscher konnten sowohl Bot- als auch Troll-Accounts ausfindig machen, die auf  Twitter Fehlinformationen über die Brände in Australien verbreiteten. Während sich hinter Trollen Menschen verstecken, die bewusst Konflikte anfeuern und gesunde Debatten verhindern wollen, sind Bots automatisierte Accounts – so genannte Propaganda-Bots. Sie sind so programmiert, dass sie simple Funktionen alleine ausführen können, unter anderem Beiträge teilen oder bestimme thematische Inhalte anstoßen. Beide seien laut Autoren der effektivste Wege, politische Diskurse zu infiltrieren und Narrative in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Augen auf und kritisch bleiben

Herausfinden, wer hinter den Fake-Accounts steckt, konnten Graham und Keller nicht. Sie appellieren allerdings an Internet-User*innen und insbesondere an Journalist*innen, dringend auf der Hut zu sein. Es sei schwierig, Desinformationen zu entlarven, weil meisten ein Körnchen Wahrheit dahinterstecke und sie sich Überzeugungen und Vorurteile der Menschen zunutze machen. Vor allem in Notlagen wie in Australien und bei divers diskutierten Themen wie der Klimakrise seien Menschen besonders anfällig für Desinformationen. „Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, dass wir sachliche Nachrichten aus zuverlässigen Quellen priorisieren – und Desinformationen identifizieren und bekämpfen. Die Zukunft der Erde könnte davon abhängen“, schließen die Forscher ihren Bericht.

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