Wie diese Kaffeebäuerin davon profitiert, wenn du Fair-Trade-Kaffee trinkst

Fair-Trade-Kaffee im Supermarkt ist gerne mal doppelt so teuer wie der konventionelle. Kaffeebäuerin Olga erzählt warum sie dank Fair-Trade mit ihrem kleinen Kaffeefeld in Honduras überleben kann.

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Nach acht Jahren in den USA zurück in ihrer Heimat Honduras: Olga Alvarado. Foto: © Sean Hawkey / TransFair e.V.

Sie ist gerade einmal 18 Jahre alt, als sie sich entscheidet, in die USA zu gehen. In ihrer Heimat Honduras sieht Olga Alvarado keine Möglichkeit, zu überleben. Sie hat einen kleinen Sohn, ihre Eltern und Brüder betreiben eine kleine Kaffeefarm. Aber der schlechte Weltpreis für Kaffee macht es unmöglich, die ganze Familie von den Erträgen der Farm zu ernähren. Also entschließt sich die junge, alleinerziehende Mutter, auszuwandern. Ihren Sohn lässt Olga bei ihrer Familie, denn die Flucht gilt als hart, für Kinder besonders. Schlepper bringen die Honduranerin über den Grenzfluss Rio Grande und durch die Wüste.

„Anfangs war das Leben in den USA schwierig für mich, ich habe kein Englisch gesprochen“, sagt Olga. Trotzdem findet sie gleich zwei Jobs: Bei McDonald’s und bei Wendy’s, zwei US-amerikanischen Schnellrestaurantketten. Sie arbeitet jeden Tag bis spät in die Nacht, einen Teil ihres Gehalts spart sie. Acht Jahre lang ist das Olgas Alltag. Bis sie vor vier Jahren nach Honduras zurückkehrt und sich von ihrem Ersparten ein Stück Land in ihrer Heimat Intibucá kauft.

Heute baut sie dort, genau wie ihre Familie, ihren eigenen Kaffee an. Anders als ihre Eltern und ihre Brüder schloss Olga sich einer Fairtrade-Kooperative an. Das ermöglicht der 31-Jährigen etwas, was bis heute für viele kleine Kaffeebäuer*innen kaum denkbar ist: Obwohl ihr Kaffeefeld nur drei Hektar groß ist, kann sie von dem Ertrag leben.

Olga verdient durch den festgelegten Kaffeepreis 5.300 US-Dollar im Jahr – der Mindestlohn liegt zwischen 3.130 und 3.740

„Ich verdiene 190 Dollar für 46 Kilogramm Kaffee“, sagt Olga. „Das ist ungefähr das Doppelte von dem, was ich auf dem freien Markt bekommen würde.“ 46 Kilogramm entsprechen 100 Pfund, der in Süd- und Mittelamerika genutzten Maßeinheit für Kaffee. Das Land, das die 31-Jährige sich gekauft hat, bietet ideale Bedingungen für einen guten Anbau von Arabica-Bohnen: Es liegt 1.700 Meter über dem Meeresspiegel, dort herrscht ausgewogenes Klima und der Boden ist locker. Das ist gut für die Kaffeepflanzen. „Außerdem liegt es in der Nähe der Kaffeefarm meiner Familie, so können wir uns gegenseitig aushelfen und müssen niemanden einstellen“, sagt sie. Auf ihrem Kaffeefeld arbeitet Olga weitestgehend alleine, nur zur Erntezeit holt sie sich ein paar Helfer*innen dazu.

In unserer Kultur ist es ungewöhnlich, dass Frauen auf eigenen Beinen stehen.

Olga Alvarado

Pro Jahr produziert Olga etwa 2.800 Pfund, also knapp 1.300 Kilogramm. Durch den festgelegten Kaffeepreis in der Fairtrade-Organisation verdient sie immerhin um die 5.300 Dollar. Außerdem erhält sie für hohe Qualität Prämien von Fairtrade. Was hierzulande nicht nach viel klingt, ist im Vergleich zum in Honduras üblichen Gehalt tatsächlich ein gutes Einkommen. Der Mindestlohn in der Agrarindustrie liegt zwischen 3.130 und 3.740 Dollar im Jahr. „Auf dem freien Markt hätte ich kaum eine Überlebenschance“, sagt Olga. „Dort zahlen sie dir höchstens 100 Dollar für 46 Kilogramm Kaffee.“ Bei Olgas Ertrag wären das 2.800 Dollar für das ganze Jahr. Damit hätte die Honduranerin Schwierigkeiten, sich selbst und ihre beiden kleinen Kinder zu ernähren, geschweige denn, ihr Kaffeefeld instand zu halten.

Wie sich Olga für die Fairtrade-Kooperative entschied

Als sie das Land zur Kaffeeproduktion aufkaufte, wurde Olga auf die Fairtrade-Kooperative COAQUIL aufmerksam. Ihre Familie hatte all ihren Kaffee bis dahin immer direkt auf dem freien Markt verkauft, Olga kannte das nicht anders. Als sie aber von den Preisunterschieden hörte, entschied sie sich, von Anfang an der Kaffeekooperative beizutreten. COAQUIL setzt sich in Honduras vor allem auch dafür ein, Frauen stärker an der Kaffeeproduktion zu beteiligen. „In unserer Kultur ist es ungewöhnlich, dass Frauen auf eigenen Beinen stehen und Wohlstand entwickeln“, sagt Olga. Auch sie will dafür kämpfen, dass sich der Blick auf Gleichberechtigung ändert. „Wenn du als Frau oben stehst, wirst du oft kritisiert“, sagt sie. Dank der Unterstützung ihrer Familie und der Kooperative habe sie selbst damit nicht wirklich zu kämpfen.

Es gibt bei COAQUIL aber auch gewisse Vorgaben für den Kaffeeanbau: „In der Kooperative haben wir bestimmte Regeln zu befolgen: Wir müssen zum Beispiel nachhaltigen Biokaffee anbauen und dürfen keine Pestizide oder Chemiedünger verwenden“, erklärt die Kaffeebäuerin. Manchmal ist das ein Problem: Wenn ihre Kaffeepflanzen von Käfern oder Krankheiten befallen sind, kann Olga sie nur schwer retten.

„Dafür ist der Anbau auch für unsere eigene Gesundheit sicherer, wir bauen mit besserem Gewissen an. Und auf lange Sicht ist es auch besser für den Boden, er bleibt nährstoffreicher“, führt die Honduranerin die Vorteile aus. Außerdem gebe die Kooperative ihr Feedback und Tipps, was sie besser machen könne. Nach der Ernte und Weiterverarbeitung gibt Olga ihre Kaffeebohnen an die Kooperative weiter. Die überprüft die Qualität der Bohnen, zahlt der 31-jährigen Kaffeebäuerin aber erst den festen Preis für ihre Ware aus, wenn die weitere Produktion abgewickelt ist. Das ist ein weiterer Unterschied zwischen Fair Trade und dem freien Markt: Auf dem freien Markt gibt es zwar weniger Geld, dort werden die meisten Kaffeebäuer*innen allerdings sofort bezahlt. Viele bevorzugen deshalb aus der Not heraus das schnelle Geld. Hat Olga ihre Bohnen bei COAQUIL abgegeben, kümmern die sich um alles Weitere, bis Olgas Kaffee dann im Supermarktregal steht. Bisher allerdings nur im belgischen: Die Kooperative verkauft ihren Kaffee bis heute nicht in Deutschland.

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Olga Alvarado mit ihrer Tochter Genesis, ihrem Sohn Waldilmer, ihrem Ehemann Anibal und ihrer Mutter. Foto: © Sean Hawkey / TransFair e.V.

Preisunterschied von sechs bis sieben Euro pro Kilo Kaffee

Dafür aber den von anderen Kaffeebäuer*innen wie Olga, die Fair-Trade-Kaffee produzieren. Honduras ist das Land, aus dem Deutschland nach Brasilien und Vietnam am meisten Kaffee bezieht. „Die Deutschen trinken viel Kaffee“, bemerkt Olga lachend. Mit Fairtrade war sie kürzlich einige Zeit in Deutschland unterwegs und hat dort viel mit Leuten gesprochen. „Ich würde mir wünschen, dass sie noch mehr von unserem Kaffee trinken würden.“ Für die Konsument*innen unterscheidet sich fairer Kaffee durch Siegel von konventionellem. Ein paar der bekanntesten und anerkanntesten Siegel sind Fairtrade, Naturland Fair und Gepa fair+. Preislich liegt der Unterschied zwischen fairen und konventionellen Bohnen meist bei etwa sechs bis sieben Euro pro Kilo. Den Kaffee von Olgas Organisation Fairtrade bekommt man in fast jedem Supermarkt, soll es spezieller aus einer bestimmten Region wie Honduras sein, muss man diesen allerdings eher online bestellen.

Der Rest von Olgas Familie hat sich mittlerweile ebenfalls der Kooperative angeschlossen. „Durch Fairtrade bin ich um einiges glücklicher, als ich es vor meiner Ausreise in die USA war: Ich habe mein eigenes Kaffeefeld und Unabhängigkeit, kann bei meiner Familie sein und meinen Kindern ein gutes Leben bieten“, sagt die Honduranerin. Nur selten müsse sie für mehr als acht Stunden draußen auf ihrem Kaffeefeld sein.