Wie du 2019 endlich im Job durchstartest

Neues Jahr, neues Glück. Zeit, innezuhalten und zu schauen, was im Job gut und was nicht so gut gelaufen ist – und neue Pläne zu schmieden. Hier verraten zwei Beraterinnen, wie’s klappt.

Expertinnen erklären, wie 2019 der Karrieresprung gelingt.

Expertinnen erklären, wie 2019 der Karrieresprung gelingt. Foto: rawpixel / Unsplash | CC0

Na, schon heimlich einen Blick ins Jahreshoroskop 2019 geworfen und nach Liebe direkt geschaut, was im Job so geht? Verständlich, aber natürlich nicht nötig. Denn deine berufliche Weiterentwicklung steht selbstverständlich nicht in den Sternen, sondern liegt – zumindest größtenteils – in deinen eigenen Händen.

Der Jahresanfang ist ein guter Zeitpunkt, um Rückschau zu halten, ein Fazit zu ziehen und dir zu überlegen, wie das kommende Jahr beruflich idealerweise so laufen soll. „Die meisten Karriereschritte werden in der Tat zu Jahresbeginn bewältigt“, sagt auch die Karriereberaterin Nadine Pfeiffer. „Im Januar gibt es auch wieder viele neue Stellen, denn der Stellenmarkt war im Dezember im Winterschlaf – wie jedes Jahr.“

Doch nicht jede*r will oder muss im neuen Jahr extern oder intern auf zu neuen beruflichen Ufern und Großes erreichen, sagt Diplom-Psychologin und Beraterin Madeleine Leitner: „Es gibt auch Menschen, die einfach so in den Tag hinein leben und ohne Ziele zufrieden sind.“ Sie rät dazu, genau zu ergründen, was dir beruflich am Herzen liegt und warum. Nur, wer weiß, was er*sie (nicht) will, kann auch sinnvoll planen. Entscheidend sind dabei laut Leitner realistische Vorsätze: „Die meisten scheitern daran, dass sie zu hohe Ziele setzen.“

Erster Schritt: die Rückschau

Wenn du auf dein vergangenes Job-Jahr zurückblickst: Was ist besonders gut gelaufen? So eine Liste hilft, Klarheit zu gewinnen. Sie allein ist zur Weiterentwicklung aber noch nicht ausreichend. „Was hat zu den Erfolgen geführt – eine bestimmte Eigenschaft oder Kompetenz? Diese sollte öfter zum Einsatz kommen“, sagt Nadine Pfeiffer. Aufschlussreich seien hier beispielsweise Momente, in denen dir die Arbeit besonders leicht von der Hand gegangen ist – ein Hinweis darauf, was dir von Natur aus richtig gut liegt.

Auch kolossale Fails im Job sind übrigens nicht nur unangenehm, sondern ungemein hilfreich. „Man lernt ja oft leider das meiste aus den Misserfolgen“, sagt Nadine Pfeiffer. Voraussetzung dafür ist allerdings die Auseinandersetzung damit. Warum hat etwas nicht geklappt –  mangelnde Kommunikation, Unterstützung, Planung? Was hättest du besser machen können, wo stimmten die Umstände nicht? Genau hinschauen ist hier sinnvoll.

Zweiter Schritt: die aktuelle Situation

Wie geht es dir jetzt am Jahresende beruflich? Folgende Fragen können laut Nadine Pfeiffer dabei helfen, deine momentane Zufriedenheit zu untersuchen: Wie gerne redest du über deine Arbeit und was sagst du dann? Findest du dein Gehalt angemessen? Wann warst du das letzte Mal mit Leidenschaft dabei? Wann hast du echte Anerkennung für deine Leistung bekommen? Versuchst du eher, nicht zu versagen, anstatt erfolgreich zu sein? Die Antworten darauf können aufzeigen, wo es besser laufen könnte und wo es Lücken gibt.

Vielleicht gibt es aber auch ein grundsätzlicheres Problem und du siehst im Rückblick, dass du in deinem Job dauerhaft unglücklich bist. Bevor du dich entnervt für eine Kündigung entscheidest, sollte aber noch ein bewusster Blick auf alle die guten Seiten drin sein. „Meiner Erfahrung nach überschätzen die meisten Menschen die negativen Anteile ihres Jobs bei Weitem und sind subjektiv viel unglücklicher, als wenn sie bewusst den Fokus erweitern“, sagt Madeleine Leitner.

Doch wenn selbst das kein ausgewogeneres oder positiveres Ergebnis bringt, hilft nur noch der Neustart. „Es muss wirklich nicht immer alles perfekt sein im Job, aber es ergibt wenig Sinn, die Situation aus Angst vor Veränderung oder anderen Bedenken nur noch zu ertragen“, meint Nadine Pfeiffer.

Dritter Schritt: Pläne und Ziele

Dann geht’s ans Planen. Was willst du im kommenden Jahr erreichen – und vor allem: Wie? Allgemein gilt: „Kurzfristige Ziele dürfen nicht zu ambitioniert sein, sollten sich immer an Stärken orientieren. Langfristige Zeile sollen schon ein kleines bisschen Angst machen“, sagt Nadine Pfeiffer. So wahrst du die Balance zwischen realistisch oder erreichbar und ambitioniert. Wichtig ist dann auch, dass du deine Pläne für dich verbindlich notierst, sagt Karriereberaterin Pfeiffer: „Alle Ziele schriftlich festhalten, einen zeitlichen Rahmen setzen und in Unterziele aufteilen, die kurzfristiger zu erreichen sind.“

Das geht zum Beispiel so: Ein großes Ziel setzen und dann rückwärts alle kleinen Schritte durchgehen und aufschreiben, die dafür nötig sind – bis du im Jetzt ankommst. Diese Häppchen sind leichter anzugehen und vor allem leichter zu schaffen. Das tut dir und deiner Karriere gut. „Lieber ein kleines Ziel erreichen, als bei einem großen zum Scheitern verurteilt sein. So etwas geht letztlich ans Selbstwertgefühl“, sagt auch Madeleine Leitner.

Ein weiterer nützlicher Trick ist auch, dir schon im Vorfeld klarzumachen, was der Erreichung deiner Ziele im Weg stehen könnte und diesen Aspekten so gut wie möglich entgegenzuwirken. Dann gibst du auch nicht zu früh auf.

Allerdings ist es absolut entscheidend, dass du dich selbst bei aller Planung nicht vergisst und dich nicht überforderst. Oder wie Diplom-Psychologin Leitner sagt: „Wenn die Rahmenbedingungen gerade nicht stimmen, weil es zum Beispiel persönliche Baustellen gibt, besser auf einen passenderen Zeitpunkt warten. Manchmal ist es auch ein Erfolg, ein bestimmtes Level zu halten.“

Vierter Schritt: Weiterbildung?

Welche Fähigkeiten fehlen dir noch, damit du deine Ziele und Wünsche 2019 verwirklichen kannst? Weiterbildungsmaßnahmen können Lücken schließen. Doch nur, wer vorher überlegt hat, wohin die Reise gehen soll, kann laut Madeleine Leitner eine passende Maßnahme finden: „Meine Erfahrung ist, dass die meisten Leute erst eine Weiterbildung machen und hinterher immer noch nicht wissen, was sie damit eigentlich tun möchten.“ Also: Erst Bedürfnisse und Fähigkeiten untersuchen – dann Pläne und Ziele festlegen – dann Weiterbildung aussuchen.

Leider ist das nicht ganz so einfach. Nadine Pfeiffer kennt sich aus: „Der Weiterbildungsmarkt ist groß und man kann sich nicht darauf verlassen, dass die großen Anbieter auch die besten sind.“ Auch Rankings seien nur bedingt verlässlich und könnten durchaus manipuliert sein, sagt Madeleine Leitner. Sie rät: „Im Bekannten- und Freundeskreis recherchieren, wer welche Erfahrungen mit welcher Weiterbildung gemacht hat.“

Deine*n Chef*in überzeugst du nur davon, wenn er*sie einen klaren Vorteil für das Unternehmen darin sieht – Töpferkurs in der Toskana für eine*n Projektmanager*in also eher nicht so. Wenn du schlau bist, legst du dir vor dem Gespräch eine überzeugende Argumentationskette zurecht, die klarmacht, welche Leistungslücke deine Weiterbildung schließt und wie genau sie dem Unternehmen nützt. „In meiner Zeit als Personalerin habe ich es oft erlebt, dass ziemlich lustlos argumentiert wird,“ sagt Nadine Pfeiffer.

Fünfter Schritt: das Update

Wichtig ist, dass deine Präsenz im Netz stimmt und aktuell ist. Das gilt nicht nur für externe Bewerbungen, sondern auch bei internem Weiterentwicklungswunsch. Nadine Pfeiffer rät deshalb, zwischen den Jahren in Ruhe die Profile bei LinkedIn oder Xing zu aktualisieren. Aber auch das alte Blog einmal durchlüften, plattformübergreifend ein aktuelles, freundliches und seriöses Foto einstellen und Insta- und Twitter-Biografie updaten ist nützlich.

Auch immer eine gute Idee: Netzwerken. Such dir ein paar berufliche Veranstaltungen für das kommende Jahr raus, die dich interessieren und frische eingeschlafene Kontakte auf.

Zum Schluss: Mehr Gelassenheit im Job

Ob Chef*innen, Kolleg*innen, Aufgaben oder Gegebenheiten: Sich von all dem weniger stressen zu lassen ist ein gern genommener Vorsatz für das neue Jahr im Job. Wie das konkret funktionieren kann, ist allerdings weniger klar. Deshalb rät Madeleine Leitner dazu, dich und dein Umfeld genau zu beobachten und so die Auslöser für Stress zu finden: „Es gibt objektive Stressoren wie Zeitdruck, schlechtes Betriebsklima, wirtschaftlich schlechte Lage, aber auch viele selbstgemachte. Auf die hat man am ehesten Einfluss.“ Auf sich selbst zu achten, die eigene Perspektive zu ändern und die negative Gedankenspirale abzuschalten ist da ein erster Schritt.

Gutes Zeitmanagement hängt laut der Coachinnen übrigens nicht nur an einer mehrfarbigen To-do-Liste – sondern vor allem an dir und deiner Fähigkeit, ehrlich zu dir selbst zu sein. Je besser du weißt, warum du in Wahrheit prokrastinierst oder dich verzettelst, desto eher kannst du das Problem beheben. Und gelassener bleiben.

Selbstverständlich darf Erholung im neuen Job-Jahr nicht zu kurz kommen. Dabei muss es gar nicht immer der All-inclusive-Cluburlaub sein. Für Zwischendurch reicht es auch, mal ein paar Minuten achtsam und konzentriert aus dem Fenster zu schauen oder einen kleinen Spaziergang zu machen. Wichtig ist, dass du aufmerksam auf deine inneren Bedürfnisse hörst, im Großen und im Kleinen, privat und beruflich. Dann wird 2019 ein erfolgreiches Jahr im Job – pupsegal, was dein Horoskop sagt.