Wie du auf der Weihnachtsfeier die Sau rauslässt, ohne den Job zu verlieren

Weihnachtsfeier. Der Abend im Jahr, an dem der Exzess zelebriert wird – auf Firmenkosten. Hier ein paar Tipps fürs zukunftssichere Feiern.

„Hingehen, gern auch tanzen.“ Foto: Unsplash / Mitchell Orr

Keine Frage: Auf Weihnachtsfeiern werden Legenden gemacht. Geschichten, die sich Angestellte auch Generationen später noch ehrfürchtig zuraunen.

Ekstatische Tanzeinlagen, Entgleisungen am Buffet oder enthemmte Geständnisse: Wenn Menschen, die im Alltag und nicht selten unter Druck professionell miteinander umgehen müssen, über alle Maßen dem Alkohol zusprechen, dann kann es mitunter zu heftigen Entladungen aller Art kommen.

Natürlich ist es grundsätzlich okay, die Weihnachtsfeier zu genießen und mit Kolleg*innen und Vorgesetzten gemeinsam zu feiern. Schon die alten Römer*innen zelebrierten in der dunklen Jahreszeit das Fest Saturnalia und ließen es krachen; der Exzess am Jahresende gehört seit Urzeiten dazu.

Allerdings sollte er sich durchaus in einem gewissen Rahmen bewegen. Der kann zwar von Unternehmen zu Unternehmen anders gesteckt sein, dennoch gilt: Wenn gewisse Grenzen auf der Weihnachtsfeier überschritten werden, kann das nachhaltige Konsequenzen haben, die weit über den Kater aus der Hölle hinausgehen.

Regeln gelten auch auf der Weihnachtsfeier

„Die Regeln aus dem Arbeitsalltag sind zwar auf Weihnachtsfeiern etwas abgemildert, aber immer noch gültig,“ erklärt die Karriereberaterin Petra Barsch. Wer sich nicht daran hält, riskiert viel: „Das kann den Job kosten.“

Der Arbeitsrechtsexperte Michael Felser sagt: „Auch, wenn man sich nicht mehr daran erinnern kann, können Belästigungen und Beleidigungen eine fristlose Kündigung nach sich ziehen. 1,8 Promille reichen nicht aus als Entschuldigungsgrund.“

Ganz grobe Faustregel: Tue oder sage nichts, was du nicht auch in der Teeküche tun oder sagen würdest.

Und apropos grob und Faust: Lang schwelende berufliche Konflikte im Prosecco-Rausch vor der Tür auszutragen und sich in Faustkämpfe verwickeln zu lassen, ist logischerweise keine gute Idee. Und außerdem recht unbesinnlich.

„Egal, ob angetrunken oder nicht – keinesfalls beleidigend, sexuell belästigend werden oder zu Tätlichkeiten greifen“, sagt auch Expertin Petra Barsch. Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber es kann ja nicht schaden, es sich vor der Weihnachtsfeier noch mal explizit ins Hirn zu hämmern.

Zwei weitere oft unterschätzte Punkte: Nicht alle Kolleg*innen sind deine Freund*innen. Und niemand möchte Fieslingen Munition für weitere Gehässigkeiten liefern. Außerdem feiert der*die Chef*in mit. Allein deshalb ist Mäßigung angesagt.

Schnaps? Um Himmels willen!

Die Wurzel allen weihnachtsfeierlichen Übels ist, wie so oft, Teufel Alkohol. „Zu viel zu trinken ist tabu. Das Maß der eigenen Verträglichkeit darf auch hier nicht überschritten werden“, sagt Petra Barsch.

Tja, wenn das mal bloß so einfach wäre. Wo Bier, Wein und Sekt in Strömen fließen und die Stimmung glorios ist, da kann der innerliche Promillezähler schon mal aussetzen. Die Folgen dürfte jede*r schon mal erlebt haben.

Uff. Unangenehm. Wahre Weihnachtsfeierveteran*innen schaffen zunächst eine ordentliche Grundlage, immer rein mit Rotkohl und Klößen. Und halten sich dann eisern an die Dreier-Regel: ein Glas Weißweinschorle oder Bier oder ähnliches, ein Glas Wasser, eine Runde Pause. Von Schnäpsen und Spirituosen aller Art gilt es selbstverständlich dringlichst Abstand zu halten.

Außerdem muss auch auf einer Weihnachtsfeier niemand zwingend Alkohol trinken. Man kann sich, mit ein wenig Mühe, auch nüchtern wunderbar zum Obst machen.

Was du tun und lieber lassen solltest

Doch Alkohol ist nicht das einzige Verhängnis, das auf einer Weihnachtsfeier droht – obwohl er zweifelsohne eine Menge zum Untergang beiträgt. Es fängt schon beim Outfit an. Möglicherweise ist die berufliche Weihnachtsfeier nicht ganz der richtige Anlass, um im Krümelmonster-Onesie oder im bauchfreien Britney-Look aufzuschlagen. „Ein gewisser Dresscode ist in der Regel auch hier zu beachten“, sagt Petra Barsch. Es müssen ja gar nicht die paillettenbesetzte Abendrobe oder der geliehene Smoking sein; im Zweifel einfach bei den Organisator*innen nachfragen.

Und dann die Sache mit dem Essen. Nur, weil es von der Firma bezahlt und kostenlos ist, heißt das nicht, dass du das Kartoffelgratin in Tupperware abfüllen oder Kolleg*innen am Buffet mit einem beherzten Handkantenschlag von der letzten Gänsekeule fernhalten kannst. „Auf Tischmanieren achten“, sagt auch Petra Barsch. „Kein Drängeln am Buffet und den Teller nicht überladen.“

Knutschen? Kommt drauf an

Trotz minimaler Zurückhaltung lässt sich auf einer Weihnachtsfeier maximal Spaß haben. „Hingehen, gern auch tanzen“, sagt Petra Barsch. „Neulinge sollten erstmal schauen, wie das Unternehmen feiert und sich den Gepflogenheiten anpassen.“

Diese Partys sind eben genau dafür da, dass sich Kolleg*innen besser kennenlernen und sich nicht immer bloß von Schreibtisch zu Schreibtisch Arbeitsaufträge zurufen. Petra Barsch: „Weihnachtsfeiern sind auch zum Netzwerken gedacht.“

Netzwerken – das ist übrigens ausdrücklich nicht gleichbedeutend mit zügellosem Zungenhockey oder Tanzflächen-Petting. Schon gar nicht dann, wenn alle zugucken. Das kann nämlich am nächsten Arbeitstag äußerst unangenehm werden. Aber auch hier kommt es darauf an, wie locker das Unternehmen, die Vorgesetzten und die Mitarbeiter*innen grundsätzlich so sind. In manchen Fällen kann ein bisschen knutschen schon okay sein.

Sei kein Arschloch

Wenn du merkst, dass du dich beim Tanzen an der Wand oder an Kolleg*innen festhalten muss und der Gang zum Klo einem Slalom gleicht – ab nach Hause. Von hier an geht’s nur noch bergab. Irgendwann hat eben selbst die schillerndste Sause ihren Zenit überschritten.

Wichtig: Wer am Tag nach der Weihnachtsfeier leider arbeiten muss, sollte pünktlich erscheinen. Alles andere ist ziemlich schwach und peinlich.

Oh, und niemals, wirklich niemals, sind rassistische, sexistische, diskriminierende Aussagen oder Übergriffigkeiten lustig oder okay. Ganz egal, wie viele Weißweinschorlen oder Sambucas du dir in den Schlund geschüttet hast.

Im Grunde gelten auf der Weihnachtsfeier die gleichen Regeln wie im Club und im Alltag: Sei halt einfach kein Arschloch.