Wie du dich von deiner besten Freundin trennst

Ja, es gibt ein Leben nach der besten Freundin. Eine Ode an den rettenden Sprung von der Klippe einer selbstzerstörenden Freundschaft.

Die beste Freundin zu verlieren, kratzt am Herzchen. Und am Ego. © Unsplash

Man sagt, alte Liebe rostet nicht. Man sagt, wenn man sieben Jahre befreundet ist, kann einen nichts mehr trennen. Man sagt, Männer kommen und gehen, aber beste Freundinnen bleiben für immer. Ich sage: geht so.

Nichts ist für immer. Wenn Ehen, Liebe, Partnerschaften kaputt gehen – wie naiv wäre es zu glauben, Freundschaften hätten ein Recht auf das universelle Gütesiegel forever together? Wir wissen das. Sind ja nicht dumm.

Die beste Freundin zu verlieren, kratzt am Ego

Die beste Freundin zu verlieren, kratzt am Herzchen. Und am Ego. Wenn der Mensch, der dir dein Leben lang am Nächsten war, mit dem du am Tag nach Heiligabend um sieben Uhr morgens Geschenke verglichen, die heimlichen Tattoos geplant, dir nachts nach dem Feiern beim Kotzen die Haare gehalten und dich beim schlimmsten Liebeskummer eures Lebens gegenseitig mit Kartoffelgratin aus der Packung gefüttert hast, dir kaltschnäuzig ignorant den Rücken kehrt – dann läuft was derbe falsch. Es macht traurig. Es herrscht Stille. Einsamkeit. Und zugegebenermaßen auch Wut, gespickt mit einem kleinen fuck you.

Zurecht. Sei wütend! Schrei und trample, schlag um dich. Denn etwas, das größer war als jeder Kerl, jede Eins in Deutsch oder der bestbezahlteste Job ever, ist weg. Einfach weg. Verschwunden. Aus dem Staub gemacht. Und auf einmal stehst du alleine da, angeschossen, mitten in der Wüste deines Lebens. Wie kann sie es wagen? Dass Männer dich verraten, eiskalt, ja. Aber sie? Niemals sie. Da fällt das Selbstwertgefühl mal kurz mit blanken Knien in den Schotter. Au.

[Außerdem auf ze.tt: Wie ich über Tinder meine beste Freundin kennenlernte]

Danke, ciao. Ghosting!

Und als täte das nicht schon weh genug, wird’s mit ein bisschen Pech auch noch richtig ekelig. Und feige. Denn nicht jede hat den Arsch in der Hose, sich zu verabschieden. Was ja, unter uns gesagt, wohl das Mindeste wäre. Sich still und heimlich vom Acker machen ist en vogue. In Beziehungen wie Freundschaften. Danke, ciao. Ghosting, irgendwie. Schön easy für die, die keinen Bock mehr haben. Scheiße bitter für die, die bleiben.

Dann gibt’s da noch das Ausbluten lassen. Die Variante, die ich erleben musste. Es gibt kein offizielles Ende, du wirst einfach bloß furchtbar egal. Und das schmerzt wahrscheinlich noch viel mehr als der große Knall ins Nichts. Denn der ist zumindest ein Ende. Pflaster runter, Zähne zusammenbeißen. Sonne drauf. Und heilen lassen.

Das Ausbluten hingegen ist eine Freundschaft, die längst keine mehr ist – ein Teufelskreis voller Enttäuschungen, unbeantworteter Nachrichten und vergessener Geburtstage. Du wirst vom Ein und Alles zum Nichts und Niemand. Das reißt einen unbeschreiblichen Schmerz ins Herz. Da bleibt nur eins: Tapfer sein – und rennen. Auch wenn du dich mit aller Kraft dagegen wehrst – es ist Zeit. Und diese Zeichen kann niemand mehr ignorieren.

Wer jetzt eigentlich wen verlassen hat, wirst du nie erfahren

Du stellst Fragen, aber kriegst keine Antworten mehr. Und sie gibt Antworten, stellt aber keine Fragen mehr. Du nimmst nicht mehr teil, einfach so. Und dann, dann gehst du. Einfach so. Ohne großes Tamtam. Ohne Drama. Aus einem einzigen Grund: Du verdienst mehr. Mehr als das. Und wer jetzt eigentlich wen verlassen hat, wirst du nie erfahren. Das ist auch nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur eins: Es ist okay. Du bist okay. Du atmest. Dein Herz schlägt. Vielleicht vor Wut, vielleicht vor Angst, Trauer oder Verzweiflung. Aber es schlägt.

Und es wird gut sein. Alles. Besser als hier, besser als heute. Kaputte Freundschaften essen Seelen auf. Sie vergiften uns. Schlussmachen heißt, Seele retten. Schlussmachen heißt, sich und sein Glück zu lieben und tapfer drauf aufzupassen. Schlussmachen heißt heilen.

Es macht taub. Wie beim Zahnarzt: Zuerst spürt man nichts, kaut auf der Lippe rum als wäre nichts, dann blutest du, und am nächsten Morgen ist das Geheule groß.“

Klar, es tut weh. Es macht taub. Wie beim Zahnarzt: Zuerst spürt man nichts, kaut auf der Lippe rum als wäre nichts, dann blutet man, und am nächsten Morgen ist das Geheule groß. Und das Geheile auch. Denn die bittere Wahrheit ist das, was uns gleichzeitig die Freiheit schenkt: Sie ist es nicht mehr. Und will es nicht mehr sein. Nicht mehr die Seelenverwandte, die Schwester im Geiste, die Retterin in der Not.

[Außerdem auf ze.tt: Ich habe meine Freundin im Netz gefunden und sie erst nach Jahren persönlich gesehen]

Schau genau hin. Not available. So wie ihr Handy, als sie dich zum ersten Mal in eurem Leben weggedrückt hat. Ciaociao, Baby. Lauf los. Nichts, was dich hält. Manchmal muss was eben erst mal richtig scheiße werden, bevor es wieder gut werden kann. Und verdammt noch mal, das wird’s.

Freundschaft heißt, zusammen glücklicher zu sein als allein.“

Und überhaupt: Freundschaft, was ist das eigentlich? Gleich sein? Oder total unterschiedlich? Sich unterstützen oder ordentlich die Meinung sagen? Alles runterschlucken oder auch mal rumzicken? Täglich telefonieren oder einmal im Jahr? Weihnachtspäckchen packen oder Geburtstage vergessen?

Scheiß drauf. Freundschaft ist alles. Und vor allem eins: Freundschaft ist, was ich von ihr will. Wem ich das Tollste und das Schrecklichste zuerst erzählen will. Wen ich mitten in der Nacht anrufen kann und weiß, er*sie geht ran. Schreibt zurück. Und freut sich für mich, egal wie tief er*sie selbst gerade kopfüber im Schlamm steckt. Freundschaft ist, zusammen zu lachen, bis der Bauch wehtut. Sich immer und ausnahmslos das goldenste Glück und die Kirsche auf der Sahne des Kuchens zu gönnen. Freundschaft ist, Kraft voneinander zu schöpfen. Sich gegenseitig zu sagen, fahr vorsichtig – und schreib, wenn du zu Hause bist! Nach einem Treffen, Telefonat oder einer Whatsapp stärker zu sein als vorher. Zu wissen, dass man ein Zuhause hat. Freundschaft heißt, zusammen glücklicher zu sein als allein. Und nicht froh zu sein, wenn der*die andere sich wieder vom Acker macht nach dem ersten Treffen seit Monaten.

Das Letzte was Freundschaften brauchen sind Druck, Stress und Schuldgefühle.“

Vielleicht ist nichts für immer. Sogar manche Trennung. Egal, wie es ausgehen mag – was zählt ist, was Freundschaft für jede*n einzelnen von uns bedeutet. Wie wichtig man sie nimmt, was man erwartet und bereit ist zu geben. Und das deutlich zu sagen. Nicht immer wird es klappen, nicht immer halten. Aber Gott, was für ein fabelhaftes Bilderbuch voller strahlend schöner Erinnerungen sammeln wir auf dem Weg. Das bleibt uns. Immer. Und sollte die Schmerzgrenze eines Tages erreicht sein, die Sache anstrengender sein als schön, gib dir den Käse nicht.

Niemand außer dir allein entscheidet, wie und was Freundschaft ist. Zufrieden geben ist fehl am Platz. Du verdienst alles, was du dir von einer Freundschaft wünschst. Und wenn sich’s kacke anfühlt, egal ob nach zwei Treffen oder 20 Jahren – don’t be afraid to say no. Das Leben ist zu kurz. Mach Sahne drauf. Und gib die Kirsche dem*der, der*die sie verdient.