Wie du es schaffst, dass deine Zimmerpflanzen nicht ständig eingehen

Du liebst es grün in deinem Zuhause, aber am Ende überleben immer nur deine Kakteen? So machst du es besser.

Schon wieder am Einpflanzen? Quelle: Unsplash I CC0

Wenn man Instagram glauben würde, lebt ein Großteil der Weltbevölkerung in einem Urban Jungle. Grün und grüner sehen die heimischen Räume dort aus: eine Monstera neben dem Sofa, mehrere Kakteen auf dem Sideboard, die Leuchterblume hangelt sich am Regal hinab. Dann schaut man sich im eigenen Zuhause um und … eher Brachland als Dschungel, und man fragt sich: Warum sieht es hier eigentlich nicht so aus?

Lilli Erasin, zusammen mit Christian Goldbeck Geschäftsführerin des ökologischen Blumenladens Goldbeck in Berlin-Wedding, kennt sich bestens mit Pflanzenpflege aus und weiß auch, warum Pflanzen, unabhängig von der Optik, für unser Zuhause so wichtig sind: “Pflanzen bringen Natur ins Haus. Das hat an sich schon eine positive Wirkung, man wird produktiver. Es gibt Studien, die zeigen, dass sich Leute mit Pflanzen im Zimmer wohler fühlen, dass es den Blutdruck senkt und den Stress reduziert.”

Doch nicht nur die Stimmung heben sie an, bestimmte Pflanzen können auch das Raumklima und die Luft verbessern, indem sie Schadstoffe wie Formaldehyd oder Benzol herausfiltern und in Sauerstoff umwandeln. “Grundsätzlich erhöhen Pflanzen auch die Luftfeuchtigkeit in Räumen. Sie geben bestimmt 80 Prozent von dem Wasser, was man durchs Gießen hinzufügt, an die Luft ab.” Das kann die Raumtemperatur im Sommer gleichzeitig senken. Außerdem dämpfen sie Lärm, indem sie Schallwellen reflektieren und brechen.

Gründe für mehr Zimmerpflanzen gibt es offensichtlich genügend. So könnt ihr sie am Leben halten:

Standort vorher kennen

Nicht jede Pflanze fühlt sich am gleichen Standort wohl. “Es gibt Pflanzen, die pralle Sonne mögen, aber es gibt auch ganz viele, denen das schadet”, erklärt Lilli. “Mein Freund kann zum Beispiel ewig in der prallen Sonne Beachvolleyball spielen, und ich gehe sofort ein wie eine welke Primel. Und so ist das bei Pflanzen auch.” Deshalb sollte man sich, bevor man eine Pflanze kauft, immer zuerst überlegen, wo man sie überhaupt hinstellen möchte – und dann die Pflanzenauswahl treffen.

Nicht nur Lichtverhältnisse, sondern auch Luftfeuchtigkeit beachten

In Badezimmern ist es oft etwas dunkler und feuchter als im Schlaf- oder Wohnzimmer. Durch Duschen und Baden erhöht sich die Luftfeuchtigkeit. Das finden Farne super oder auch ein Zimmerefeu sowie alle subtropischen Pflanzen.

Befeuchten

Wer tropische oder subtropische Pflanze trotzdem lieber ins Wohnzimmer stellen möchte, sollte sie ein- bis zweimal die Woche mit einer Sprühflasche ansprühen, damit sie nicht vertrocknen.

Gute Erde

“Sobald man eine Pflanze kauft, finde ich es immer wichtig, sie umzutopfen und sie aus dieser schlimmen Torferde rauszuholen und in eine gute Blumenerde umzupflanzen”, meint Lilli. Denn durch den Torf versauert die Erde, weswegen man zusätzlich Nährstoffe zugeben muss. Pflanzen in Torferde muss man außerdem regelmäßig gießen. Die Erde speichert zwar eigentlich sehr gut Wasser, ist sie aber einmal ausgetrocknet, kann sie das nicht mehr. Zudem gibt es aus nachhaltiger Sicht weitere Gründe, die gegen Torf sprechen, wie dass der Torfabbau artenreiche Ökosysteme zerstört. Lilli empfiehlt stattdessen torffreie Bio-Erde.

[Außerdem auf ze.tt: Es gibt Pflanzen, die ihre Feinde anfurzen]

Umtopfen

Wenn ihr schon dabei seid: Topft eure Pflanze direkt in einen Tontopf um und stellt einen Untersetzer darunter. Das Wasser kann so gut ablaufen. Wenn man zu viel gegossen hat, kann man den Untersetzer einfach leer kippen. “Ich würde nicht unbedingt mit Übertöpfen arbeiten”, meint Lilli. “Pflanzen haben ja Wurzeln, und die können durch die Tontöpfe atmen. Bei einem Plastiktopf hast du nur die Löcher unten.” Ansonsten gilt: Alle zwei bis vier Jahre umtopfen, abhängig von der Größe der Pflanzen.

Dafür sorgen, dass das Wasser ablaufen kann

Die meisten Pflanzen mögen keine Staunässe, also Wasser, das sich anstaut, weil es nicht abfließen kann. Um vorzubeugen, legt am besten eine Tonscherbe über das Loch eures Tontopfs und füllt ihn mit ein bisschen Granulat auf, zum Beispiel Hydrokulturkugeln, Kieselsteine oder jede Menge kaputter Tonscherben. Wichtig ist, dass das Wasser ablaufen kann.

Pflanzen düngen

“Pflanzen sind Lebewesen, denen reicht nicht Luft und Liebe allein. Liebe ist zwar ganz toll. Ich finde, mit Pflanzen zu reden, hilft immer, aber sie brauchen auch Futter, und das ist Dünger”, meint Lilli. Gedüngt wird grundsätzlich von März bis September, im Winter haben die Pflanzen Winterruhe, da brauchen sie keinen Dünger und man muss sie auch seltener gießen.

Staub wischen

Ab jetzt sollten eure Pflanzen Teil eures Putzplans werden. Blätter atmen auf der Unterseite. Deshalb ist es wichtig, entstehende Staubschichten regelmäßig zu entfernen, damit die Sonne ordentlich an die Blätter kommt. Stichwort: Fotosynthese.

Pflanzen warmhalten

Klingt vielleicht erst mal nebensächlich, aber Pflanzen sind sehr kälteempfindlich. “Wenn man im Winter bei minus zwei bis minus sechs Grad Zimmerpflanzen kauft, dann sollte man sie sich zum Transport unbedingt dick einpacken lassen, auch schon für den kleinen Weg von Tür zu Tür”, meint Lilli. Auch zu Hause solltet ihr die Temperatur im Blick behalten. Wenn Blätter längere Zeit an eine sehr kalte Fensterfläche lehnen, werden sie weich und erfrieren. Auch kalte Luft beim Lüften kann ihnen schaden.

Grundsätzlich werden Pflanzen meistens übergossen“ – Floristin Lilli Erasin

Wissen, wann die Pflanze tatsächlich Wasser braucht

Zu wenig oder zu viel gegossen? “Das Doofe ist, dass die Folgen davon relativ ähnlich aussehen”, befindet Lilli. Wenn Pflanzen erst mal übergossen sind, faulen die Wurzeln, können kein Wasser mehr aufnehmen und sehen vertrocknet aus. Dann gießt man aus Verzweiflung wahrscheinlich noch nach. “Grundsätzlich werden Pflanzen meistens übergossen, also lieber immer ein bisschen weniger gießen. Auch gelbe Blätter lassen eher darauf schließen, dass die Pflanze zu viel Wasser bekommt.”

Pflanzen richtig versorgen, wenn man im Urlaub ist

Ihr seid längere Zeit nicht zu Hause? Bei einem Kurztrip hilft es schon, eure Pflanzen aus der Sonne zu stellen (selbst die, die eigentlich gern Sonne mögen), denn dann verdunstet viel weniger Wasser. Ansonsten könnt ihr auch alle Töpfe in die Badewanne stellen, vorher einfach amioculcasalte Handtücher reinlegen und zwei bis drei Zentimeter Wasser reinlaufen lassen. Alternativ schlägt Lilli vor: “Man könnte alle Pflanzen erst mal ordentlich tauchen. Also einen Eimer mit Wasser voll machen und die Pflanzen solange eintauchen, bis sie aufhören zu blubbern.” Was bei ihr aber immer am besten funktioniert: einfach eine Plastikflasche mit Wasser und einem kleinen Loch verkehrt herum in die Erde stecken. Das ist fast wie Gießen.

[Außerdem auf ze.tt: Raus aus dem Lärm – was Schrebergärten zum Zufluchtsort macht]

Sich selbst kennen

Wenn ihr zu den Menschen gehört, die nicht an ihren grünen Daumen glauben: “Es gibt Pflanzen, da muss man so gut wie gar nichts machen, die sind total robust und pflegeleicht, das sind dann vielleicht so Anfängerpflanzen wie Zamioculcas, auch Glücksfeder genannt.” Sie kann auch in dunklen Ecken stehen und man muss sie auch erst wieder gießen, wenn die Erde wirklich angetrocknet ist. Auch Sukkulenten und Kakteen sind super für Anfänger*innen, weil die selbst Wasser speichern. Von Weihnachtssternen solltet ihr euch dagegen fernhalten, wenn ihr nicht wirklich Lust auf großes Pflanzenpflegen habt: “Die sind sehr mäkelig, die wollen keinen Zug, die wollen nicht umgestellt werden und nur mit lauwarmen Wasser gegossen werden. Kein Wunder, dass ein Weihnachtsstern die Weihnachtszeit nicht überlebt.”