Wie du im Alltag das Klima schützen kannst

Deutschland wird das Klimaziel 2020 voraussichtlich verfehlen. Trotzdem können wir alle etwas gegen den Klimawandel tun. Sechs Tipps für den Alltag

Klimawandel: Wie wir im Alltag das Klima schützen können

Gutes Glas, aber auf den Plastik-Strohhalm in Zukunft bitte verzichten © Scott Waters / Unsplash

Heute und morgen findet in Berlin der Petersberger Klimadialog statt – eine Konferenz, bei der Minister*innen aus 35 Ländern über die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens diskutieren und die Weltklimakonferenz im Dezember vorbereiten. Das deutsche Klimaziel für 2020 wird absehbar verfehlt, Deutschland ist im Ranking des Climate Action Negootworks (CAN) nur auf Platz 8 der 28 EU-Länder. Wir leben weiterhin auf ökologischem Kredit zukünftiger Generationen, was man am immer früher stattfindenden Erdüberlastungstag sehen kann. Dieser Tag zeigt, wann Deutschland seine Klimaressourcen für ein Kalenderjahr verbraucht hat. Dieses Jahr war es der 2. Mai. Seitdem verbrauchen wir Ressourcen, die uns eigentlich gar nicht mehr zur Verfügung stehen.

„Wir können die globale Erderwärmung gerade noch beherrschen, es ist noch zu schaffen“, erklärt der Klima-Experte Nick Reimer in einem ansonsten alarmierenden Podcast-Interview mit der Journalistin Katrin Rönicke. Damit wir den Klimawandel stoppen können, braucht es politische Entscheidungen – und ein gesellschaftliche Bewegung, zu der alle Konsument*innen etwas beitragen können.

Hier kommen unsere Tipps für deinen klimafreundlichen Alltag:

1. Weniger Fliegen

Ein transatlantischer Flug – zum Beispiel von Berlin nach Los Angeles – verbraucht alle CO2-Emissionen eines Menschen für ein Jahr. Mit dem Rückflug hat man dann schon die Ressourcen für zwei Jahre verbraucht. Für die Klimabilanz ist das Fliegen die schädlichste Art zu reisen.

Besser: Auf kürzeren Strecken lieber Bus und Bahn fahren. Für berufliche Treffen reicht vielleicht auch eine Videokonferenz? Falls du doch mal fliegen musst, kannst du CO2-Kompensationsleistungen zahlen.

2. Müll vermeiden / Zero Waste

Vor allem geht es darum, auf Plastik zu verzichten. Denn es wird aus Erdöl gemacht und das ist eine endliche Ressource. Von den 78 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik, die weltweit jedes Jahr entstehen, gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt, also auch in die Meere. Dort werden daraus Mikroplastikteilchen, die von Fischen gefressen werden und früher oder später auf unseren Tellern landen.

Besser: Statt Plastiktüten wiederverwendbare Stoffbeutel für den Einkauf dabei haben. Stofftaschentücher statt Papiertaschentüchern nutzen. Menstruationstassen statt Tampons oder Binden verwenden. Glas- statt Plastikflaschen kaufen. Auf Plastikstrohhalme verzichten und direkt aus Flaschen oder Gläsern schlürfen. Kaffee für unterwegs aus Mehrwegbechern trinken.

[Außerdem auf ze.tt: Wie kriegen wir Plastik aus unseren Meeren?]

3. Fahrrad fahren

61 Prozent des CO2-Ausstoßes durch Verkehr gehen in Deutschland auf das Konto von Autos.

Besser: Fahrrad fahren. Viele Strecken, gerade in Städten, können wir mit dem Fahrrad zurücklegen. Ansonsten: den öffentlichen Personennahverkehr nutzen, Bus oder Bahn fahren.

4. Klimafreundliche Ernährung

Die Haltung und Verarbeitung von Tieren ist für 14.5 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landet im Müll – würde die Lebensmittelverschwendung um die Hälfte reduziert, würde sich der Erdüberlastungstag um elf Tage nach hinten verschieben, immerhin.

Besser: weniger Fleisch essen und planvoller einkaufen. So könnte übrigens auch die wachsende Weltbevölkerung ernährt werden, ohne dass der ökologische Fußabdruck durch die Ernährungsindustrie größer wird.

5. Ökostrom beziehen

Konventionell erzeugter Strom wird aus begrenzt verfügbaren Ressourcen wie Kohle gewonnen und sorgt für klimaerwärmende CO2-Emissionen. Oder er stammt aus Atomenergie, die mit umeinschätzbaren Risiken für Menschen und die Erde verbunden ist. Doch es geht auch anders, wir können den Atomausstieg selber machen.

Besser: Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne, Biomasse – Ökostrom gibt es von unterschiedlichen Anbietern und mittlerweile auch zu günstigen Preisen.

6. Fragen stellen

Woher kommt eigentlich meine Kleidung? Wird sie fair produziert? Schmeckt mein Leitungswasser vielleicht genauso gut wie das stille Wasser, das ich in Plastikflaschen kaufe? Bei allen Alltagstipps geht es vor allem darum, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen, sagt Milena Glimbovski in ihrem Vortrag Vom Instagram-Hippie zur echten Öko-Aktivist*in mit Zero Waste. Wenn eine breite Öffentlichkeit sich diesen Fragen stellt, kann daraus Druck auf Wirtschaft und Politik entstehen. Milena nennt als Beispiele Länder, in denen Plastiktüten mittlerweile verboten sind. Wenn wir uns alle im Alltag bemühen, klimafreundlich zu leben, kann das ein guter Anfang einer gesellschaftlichen und auch politischen Entwicklung sein. Manchmal beginnt die Revolution vielleicht mit einem Strohhalm, auf den du verzichtest.


Anmerkung der Redaktion: Von den 78 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik, die weltweit jedes Jahr entstehen, gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt – nicht, wie in der ersten Version des Textes angegeben, 20 Prozent. Die 61 Prozent der CO2-Emissionen von Autos beziehen sich auf den Ausstoß aller Verkehrsmittel.