Wie du mit einer Fehlgeburt umgehen kannst

Fehlgeburten sind hart. Niemand sollte es durchmachen müssen, aber es kommt öfter vor, als man denkt. Wir haben mit Betroffenen und einer Expertin darüber besprochen, was das seelisch mit einem macht und wie du erfolgreich diese Krise bewältigen kannst.

Wie du mit einer Fehlgeburt umgehen kannst

„Ich habe an mir selbst gezweifelt. Obwohl ich wusste, dass niemand daran schuld war, gab ich sie mir in einigen Momenten selbst“, erzählt Sabine über ihre Fehlgeburt. Foto: Unsplash | Luis Galvez CC0

„Es tut mir leid, aber das Herz schlägt nicht mehr.“ Wie durch Watte hören Sabine und Markus* nur noch, was der Arzt ihnen dann zu erklären versucht. „Ich habe das im ersten Moment gar nicht geglaubt“, wird Markus später sagen. Sabine ist jetzt, vier Monate später, noch immer den Tränen nah, wenn sie an diesen Tag denkt. Das Herz ihres ersten gemeinsamen Kindes schlägt nicht mehr? Sabine hat in der elften Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt. „Ich habe an mir selbst gezweifelt. Obwohl ich wusste, dass niemand daran schuld war, gab ich sie mir in einigen Momenten selbst“, erzählt sie.

Ihr haben die langen und intensiven Gespräche mit ihrem Freund und ihrer Mutter geholfen, diese Zeit durchzustehen. Auch ihr Frauenarzt stand ihr zur Seite, machte ihr Mut und hörte zu. Allerdings ist das nicht immer so. Viele Frauen und Paare fühlen sich allein gelassen und unverstanden. Ähnlich erging es Pia*. Sie hatte nach ihrer Fehlgeburt nicht die Möglichkeit mit ihrem Partner oder der Familie darüber zu sprechen. „Es hat mich seelisch aufgefressen“.

Sie fand mithilfe eines Therapeuten zurück in die Spur und möchte jeder Frau, die eine Fehlgeburt erlitten hat, eine Sache besonders ans Herz legen: „Sprecht darüber. Fresst es nicht in euch hinein! Es hilft und vor allem: Ihr seid nicht allein!“ Oftmals werden Fehlgeburten einfach totgeschwiegen, denn das Thema ist heutzutage immer noch eines, worüber nicht gesprochen wird. Und das obwohl gerade das helfen würde.

Sprecht darüber. Fresst es nicht in euch hinein! Es hilft und vor allem: Ihr seid nicht allein!

Pia

Viele suchen sich daher Hilfe im Internet, um dort die Unterstützung erfahren, die sie in der realen Welt vermissen oder aus Scham erst gar nicht suchen.

Es wird Zeit, endlich offen darüber zu sprechen.

Liest man sich durch Foren zum Thema Fehlgeburt, so findet man einerseits eine wohlig warme Welle des Mitgefühls, aber andererseits auch eine Flut von Fragen und Erfahrungsberichten, die oftmals nur dazu führt, dass Frauen noch unsicherer werden. „Oftmals ist es nicht sinnvoll und hilfreich sich durch Online-Foren zu wühlen, denn solche Plattformen bergen vor allem folgendes Problem: Hauptsächlich die negativen Geschichten finden hier ihren Platz. Wenn beispielsweise eine Frau von ihrer Fehlgeburt erzählt und um Rat bittet, kommt es nur sehr selten vor, dass sie sich in der gleichen Gruppe wieder meldet, sollte sie erfolgreich ein Kind bekommen haben“, sagt Frau Dr. Piroth, Gynäkologin in Köln.

Oftmals ist es nicht sinnvoll und hilfreich, sich durch Online-Foren zu wühlen, hauptsächlich finden dort negative Geschichten ihren Platz.

Dr. Piroth

Sie sagt auch, dass es nicht untypisch sei, dass man in der Frühschwangerschaft eine Fehlgeburt erleidet. Häufig werden diese erst gar nicht als solche erkannt, denn der Körper regelt das oft selbst, beispielsweise durch eine stärkere Periodenblutung, die auch durchaus etwas später eintreffen kann.

Dr. Piroth ist allerdings in den letzten Jahren aufgefallen, dass Frauen immer früher zu ihr in die Praxis kommen und einen Ultraschall möchten, obwohl man noch gar nicht viel sehen kann. Die Freude und Hoffnung sind groß und die Fallhöhe bei schlechten Nachrichten in so einer frühen Phase einer Schwangerschaft umso größer. Viele wissen dann nicht wohin mit ihren Gefühlen.

Es ist nicht deine Schuld!

„Es gibt keinen idealen Weg über eine Fehlgeburt hinwegzukommen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es für viele unheimlich wichtig ist, darüber zu sprechen. Der Partner mag anders mit dieser Krise umgehen als man selbst, dennoch ist es oft für beide wichtig, darüber und über die damit verbundenen Gefühle zu sprechen.“ Außerdem sollen sich vor allem Frauen endlich darüber bewusst werden, dass es nicht ihre Schuld ist, wenn es zu einer Fehlgeburt kommt. „Häufig stimmt irgendwas in der Anlage, beziehungsweise im Bausatz des Embryos nicht und die Natur regelt das selbst.“ Das sollte man sich und dem*r Partner*in bewusst machen, rät Dr. Piroth.

Wer eine Fehlgeburt erlitten hat, kann natürlich wieder schwanger werden. Aber eine seelische – und ab und an körperliche – Heilung braucht seine Zeit. Nimm sie dir, verliere dich dabei nicht in Online-Foren, sondern sprich mit deinem*r Partner*in, einem*r Freund*in, der Familie oder einem*r Therapeut*in darüber, wie es dir damit geht. Es hilft dir mit der Fehlgeburt abzuschließen und nach vorne zu gucken.

*Namen geändert