Wie du richtig zuhören in Beziehungen lernst

Kommunikation sei das Wichtigste in Beziehungen, heißt es. Aber wie funktioniert das? Eine Beziehungsexpertin sagt: Richtig zuhören lässt sich lernen.

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Kommunikation ist das A und O in jeder Beziehung. Foto: Unsplash | Start Digital CC0

Wer seine*ihre Gedanken und Gefühle nicht spürt oder erkennt und nicht konstruktiv zum Ausdruck bringen kann, wer auch den*die Partner*in nicht hört oder versteht, hat weniger Chancen auf eine erfüllende und erfüllte Beziehung. Missverständnisse, Enttäuschung und Frust gehören dann zum Beziehungsalltag.

Eigentlich ziemlich einleuchtend – zumindest in der Theorie. Doch wie funktioniert das mit diesem richtig zuhören eigentlich konkret, was solltest du tun oder lieber lassen? Eine Beziehungsexpertin erklärt, wie es sich Schritt für Schritt lernen lässt.

Warum ist gute Kommunikation so wichtig in Beziehungen?

Ganz grob gefasst gibt es drei Gründe dafür, warum Kommunikation der wichtigste Baustein für gesunde, stabile Beziehungen ist: „Kommunikation ist wichtig, damit ich mich selbst ausdrücken kann – also, was stört mich und was nicht; um herauszufinden, wie der Partner oder die Partnerin tickt – also, was er oder sie möchte oder auch nicht; damit wir uns dann letztlich besser verstehen, unterschiedliche Gefühle besprechen und gemeinsam Lösungen finden können“, erläutert die Paartherapeutin und Beziehungsexpertin Birgit Natale-Weber.

All das hängt natürlich zusammen. Anfangen kannst du aber auf jeden Fall bei dir selbst: Der wichtigste Schritt zu besserer Kommunikation in einer Beziehung ist richtig zuhören. Was will das Gegenüber wirklich mitteilen? Erstaunliche viele Menschen tun sich verblüffend schwer damit. Dabei lässt es sich durchaus üben. Und wird mit der Zeit leichter und besser.

Wie funktioniert richtig zuhören?

Zunächst kannst du damit anfangen, dir bewusst zu machen, dass niemand in deinen Kopf und dein Herz gucken kann – und umgekehrt genauso. Du solltest also deine eigenen Gefühle und Gedanken erkennen und kommunizieren. „Niemand weiß, was der oder die andere denkt. Und das Problem ist oft, dass ich im Kopf gewisse Gedanken habe, bevor ich antworte oder reagiere“, sagt Birgit Natale-Weber. „Diese Gedanken kennt aber das Gegenüber nicht. Das ist so, als würde ich in einem Buch nur die Überschriften lesen und dann versuchen, den Inhalt des Buches wiederzugeben.“ So geht ein Großteil des Gesagten verloren.

Um richtig zuhören zu lernen, ist es außerdem wichtig, dich selbst nicht als ultimatives Beispiel zu setzen. Du hast nicht immer recht und deine Perspektive ist nur eine von vielen möglichen. Stattdessen solltest du akzeptieren, dass andere Menschen anders ticken und niemand perfekt ist. Dadurch sorgst du dafür, dass du dich den Gedanken und Gefühlen des*der anderen nicht schon am Anfang verschließt.

Es ist auch entscheidend, dass du dir während des Gesprächs nicht schon im Kopf zurechtlegst, was du alles sagen willst und nur auf die nächste sich bietende Gelegenheit wartest, es endlich einwerfen zu können. So findet kein echter Austausch statt, weil du dich gedanklich gar nicht auf das Gesagte einlässt. „Denn richtig zuhören bedeutet, dass ich im Moment des Zuhörens ganz und gar gedanklich bei meinem Gegenüber bin und nirgends
sonst“, sagt auch die Beziehungsexpertin.

Anstatt deinem*deiner Partner*in Vorwürfe zu machen, solltest du versuchen, Empathie zu zeigen. Wobei es hier selbstverständlich auf die Situation ankommt. Aber das bewusste Annehmen der Gefühle deines*deiner Gesprächspartner*in hilft dabei, richtig zuhören zu lernen. „So nehme ich die Emotionen wahr und thematisiere nicht wieder gleich meine eigenen“, sagt Birgit Natale-Weber.

Ungefragte Ratschläge solltest du dir auch lieber verkneifen. Stattdessen ist es ein besserer Ansatz, Verständnis für andere Erfahrungen zu entwickeln. Auch dann, wenn du die Situation anders siehst – wie die Paartherapeutin erklärt: „Ratschläge geben die Sicht und Erfahrungen der oder des Ratgebenden wieder. Da aber jeder und jede von uns unterschiedliche Lebenserfahrungen hat, kann der Ratschlag unpassend sein. Es passt im wahrsten Sinne des Wortes einfach nicht. Jeder Mensch ist anders, empfindet anders, reagiert anders.“ Nur, weil du etwas auf eine bestimmte Weise getan hättest, gilt das nicht automatisch für deine*n Partner*in.

Offene Fragen statt verurteilender, vorschneller Schlussfolgerungen. Es kann passieren, dass du gedankliche Verbindungen herstellst, wo keine sind. Und dich dann wütend oder enttäuscht fühlst. Um Klarheit zu erlangen, helfen offene Fragen – und zwar in aller Ruhe. Damit hilfst du euch beiden. „Wenn der oder die andere seine oder ihre Ängste und Gefühle erzählt hat, ihn oder sie durch offene Fragen dabei unterstützen, eigene Antworten zu finden“, rät die Expertin.

Apropos Ruhe: Nicht von aufwallenden Gefühlen überwältigen lassen, sondern atmen und Pausen machen, wenn es zu intensiv wird oder es dir in dem Moment nicht gut tut. Aber auch Zeit nehmen, den*die anderen wirklich zu Wort kommen zu lassen. Das hat laut Birgit Natale-Weber klare Vorteile: „So wird aus Zuhören – man spricht oft von aktivem Zuhören – Verständnis für den oder die andere*n.“

Räume schaffen

Damit das mit dem richtig zuhören auch klappt, ist der richtige Rahmen entscheidend: Nicht zwischen Tür und Angel oder wenn die Emotionen hochkochen. Beide sollten Zeit haben und sich wohlfühlen.

„Mein Lieblingstipp, den ich meinen Klienten immer gebe: Einen festen Termin vereinbaren in gemütlicher Atmosphäre. Thema auf den Tisch bringen, dann hat jede Person zum Beispiel 15 Minuten Zeit zu sprechen und ihre Ansichten zu erzählen. Wichtig: Der Zuhörende darf nicht unterbrechen – es sein denn, es gibt eine Verständnisfrage,“ sagt Birgit Natale-Weber.

Anschließend kommt der*die andere dran, danach werden laut Expertin gemeinsam Lösungsvorschläge und Kompromisse vereinbart – und im Auge behalten: „Am besten einen weiteren Termin in ein bis zwei Wochen planen und dann besprechen, ob sich etwas getan hat.“

Beide müssen mitmachen

Richtig zuhören ist wichtig; es ist aber auch jede Menge Arbeit und ein langwieriger Prozess. Deshalb funktioniert es nur, wenn beide sich darauf einlassen und dafür offen sind.

Wenn eine*r das unwichtig oder albern findet, dann wird richtiges Zuhören – wie alle einseitigen Bemühungen in Beziehungen – nicht funktionieren. Und falls sich dein*e Partner*in in Gesprächen sogar toxisch oder manipulativ verhält, ist es ohnehin an der Zeit, dich zu fragen, warum du das mitmachst.

Aber wenn sich beide Partner*innen darauf einlassen, dann kann das die Qualität der Beziehung sehr verbessern. Und beide glücklicher machen. Denn ohne Kommunikation läuft nichts. Oder wie Birgit Natale-Weber sagt: „Gutes Zuhören in einer Beziehung ist das A und O.“