ze.tt
Anzeige

Wie ein 21-Jähriger mit Downsyndrom Millionen mit Socken verdient

John Cronin fand einfarbige Socken einfach zu langweilig und gründete ein Start-up. Mit seinen verrückten Socken will er Menschen Freude bereiten – mittlerweile trägt sie sogar Justin Trudeau. Eine Erfolgsgeschichte

„Mit Socken kann ich zeigen, wie ich drauf bin“, sagt John Cronin. „Mit Socken kann ich zeigen, wie ich drauf bin“, sagt John Cronin. © John's Crazy Socks

John liebt Socken. Vor allem liebt er sie, wenn sie knallig sind, wenn sie auffallen, weil sie crazy sind. Damit geht Johns Erfolgsgeschichte los. Der 21-Jährige mit Downsyndrom verkauft verrückte Socken. Und zeigt damit, dass man trotz Behinderung mit einer guten Idee viel Geld machen kann.

Anzeige

Ein Start-up gründen – aber was für eins?

„Mit Socken kann ich zeigen, wie ich drauf bin“, sagt John Cronin zu ze.tt. Wenn es nach seinen Socken geht, ist John heute in Weihnachtsstimmung. Er trägt rot-weiße Socken mit Tannenbaum und Schneeflocken. Ein Versehen? Oder einfach blind in den Kleiderschrank gegriffen? „Nein“, sagt John, einfach crazy. So wie er halt.

[Außerdem bei ze.tt: Erstmals wird eine Frau mit Downsyndrom an der Miss-USA-Wahl teilnehmen]

John Cronin hat mit seinem Vater Mark im Dezember 2016 einen Onlineshop gegründet, in dem nur Socken angeboten werden: John’s Crazy Socks. Innerhalb eines Jahres haben die beiden mehr als 42.000 Paare verkauft und mehr als 1,7 Millionen Dollar eingenommen.

Anzeige

Als John vor einem Jahr mit der Highschool fertig wurde, hatte er nur eines im Kopf: ein eigenes Start-up zu gründen. Zu Beginn war ihm noch nicht klar, was er genau verkaufen wollte, und vor allem, wie. Aber er hatte ein paar Ideen und einen Vater, der ihn unterstützte. Wie wäre es mit einem Fun Store? John und sein Vater Mark saßen zusammen, haben überlegt und überlegt, aber sie kamen auf kein schlüssiges Konzept, vor allem wussten sie nicht, was sie genau in einem Fun Store anbieten wollen – außer Spaß. Nächste Idee: Wie wäre es mit einem Foodtruck? „Wir können zwar beide sehr viel und sehr gut essen, aber nicht gut kochen“, grinst John und guckt dabei fröhlich seinen Vater an. Der nickt. Also war auch der Foodtruck gestorben.

Spreading Happiness through Socks.“  John

Seit seiner Kindheit mag John Mode, weil er dadurch seine Persönlichkeit, seine Träume und Ideen mit anderen Menschen teilen kann. Besser als mit Worten. Das führte dazu, dass seine beiden älteren Brüder für ihn zu einer Art Kleidungspolizei wurden. „John, so kannst du doch nicht aus dem Haus gehen“, sagten sie. Er tat es trotzdem. Besonders bunt und knallig waren immer seine Socken. Und da war die Idee für sein Start-up: „Spreading Happiness through Socks“, wie John sagt. Mit Socken Freude verbreiten.

Sogar Justin Trudeau und Bob Dylan tragen die verrückten Socken

Zusammen mit seinem Vater entwarf Mark sein erstes eigenes Paar. Darauf sind die Zahlen drei und 21, und dazwischen Herzen zu sehen. Sie stehen für Trisomie 21, einer anderen Bezeichnung für das Downsyndrom. „Meine Behinderung hat mich noch nie von etwas abgehalten“, sagt John. Er will Vorbild sein und zeigen, was möglich ist.

[Außerdem bei ze.tt: Wie ein Model mit Downsyndrom die Klischees ihrer Branche verbiegt]

Bisher ist Johns Start-up extrem erfolgreich. Weil die Nachfrage so groß ist, haben John und sein Vater mittlerweile mehr als 1.500 verschiedene Motive entworfen. Socken mit den Köpfen von Albert Einstein, Barack Obama oder Donald Trump, Socken mit Katzen, Hühnern oder einem Boston Terrier, es gibt sogar Kompressionssocken oder Socken speziell für Diabetiker*innen. Die meisten kosten nicht mehr als zwanzig Dollar und werden in die ganze Welt verkauft. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat ein Paar, Bob Dylan auch. Die Facebook-Seite des Start-ups hat mehr als 135.000 Likes. Der britische TV-Sender BBC hat vor einem Monat über John und Mark Cronin und ihre Socken berichtet, mehr als 33 Millionen Mal wurde der Beitrag in den sozialen Netzen gesehen. Mehrere Zehntausende haben kommentiert, darunter zum Beispiel Jamie Willis: „John zeigt, dass JEDER ein Unternehmen gründen und Geld damit machen kann, selbst Menschen mit Behinderung wie ich (…)“ John’s Crazy Socks machen Mut.

Es sollte ein Muss für Unternehmen sein, Menschen mit Behinderung einzustellen.“

Für das Start-up arbeiten inzwischen 15 Menschen Vollzeit, zehn davon mit Behinderung. „Es sollte ein Muss für Unternehmen sein, Menschen mit Behinderung einzustellen“, sagt Mark Cronin. „Nicht weil das eine gute Tat ist, sondern weil Menschen mit Behinderung einfach gute Mitarbeiter sind.“ John lächelt, als sein Vater das sagt und legt seinen Arm um seine Schulter. Partner.

Mark hat in Harvard studiert und im Gesundheitssektor gearbeitet. Mit Einzelhandel hatte er keine Erfahrung, bevor er das Unternehmen mit seinem Sohn John gegründet hat. Der hat in der Highschool ein paar Kurse über Einzelhandel besucht. Beide haben so voneinander gelernt. „Wir sind die perfekten Partner“, sagt Mark. Während er die technischen und administrativen Abläufe im Blick hat, ist John der kreative Kopf, der neue Socken kreiert – und die Socken verschickt. In jede Socken-Box packt er eine selbst geschriebene Dankeschön-Karte. Wer in Johns Heimatort Huntington im Bundesstaat New York lebt, dem bringt John die Socken sogar persönlich vorbei.

Alles steht dabei im Zeichen von Johns und Marks Mission: den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und zeigen, dass eine Behinderung einen von nichts abhalten muss.

Außerdem auf ze.tt

Anzeige