Wie ein ehemaliger Disney-Illustrator den Tod seiner Frau verarbeitet

Gary Andrews verlor seine Frau. Der jetzt alleinerziehende Vater verarbeitet seine Trauer in bewegenden Zeichnungen.

Der Illustrator und Comic-Zeichner Gary Andrews fing an seinem 54. Geburtstag an, sein Leben in einer Art Skizzentagebuch festzuhalten und diese Skizzen anschließend auf seinem Twitter-Account zu veröffentlichen. Das war vor drei Jahren. Als vergangenen Oktober Joy, seine geliebte Frau und Mutter ihrer beiden Kinder, völlig unerwartet an einer schweren Infektionskrankheit starb, brachte das die Welt von Gary und seinen Kindern völlig ins Wanken. Von da an begann der 57-Jährige seine Gedanken, seine Gefühle, seine Trauer in den Comics zu verarbeiten: Er dokumentiert in den handgezeichneten Skizzen sowohl die Höhen als auch die Tiefen, die er seit dem Tod von Joy durchlebt. Dabei nimmt er seine Follower*innen mit in seinen Alltag, zeigt neue Herausforderungen und Momente der Stärke. Neben seiner Tochter Lily und seinem Sohn Ben taucht auch die verstorbene Joy immer wieder in den Zeichnungen auf, meist mit einem weißen Schimmer umrandet.

[Außerdem bei ze.tt: Mit dem Tod leben: Wann uns Trauer reifen lässt]

Joy starb, als Gary gerade auf Geschäftsreise war: Was erst nach einer gewöhnlichen Grippe aussah, stellte sich letztendlich als schwere bakterielle Infektion heraus, der Joy mit nur 41 Jahren im Krankenhaus erlag. Für Gary brach in diesem Moment eine Welt zusammen und er erzählt in der britischen Boulevard-Zeitung Daily Mail, dass er noch in der Nacht ihres Todes seine Gefühle in einem Comic verarbeitete: „Ich weinte so sehr, dass es schwierig war, mich auf das Papier zu konzentrieren. Ich habe heulend gezeichnet.“

Sie fühlen Schmerz, weinen und fragen dann: ‚Was gibt’s zum Tee?'“

Gary und Joy kannten sich seit über 19 Jahren, machten fast alles miteinander. Gary erklärt: „Als ich sie verlor, fühlte es sich an, als hätte ich eine Hälfte von mir verloren.“ Seine Kinder scheinen ihm jedoch Kraft zu geben. Der Daily Mail verrät er: „Als Erwachsene*r guckst du immer mit Nostalgie und Trauer zurück und denkst darüber nach, was du verloren hast, aber Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie fühlen Schmerz, weinen und fragen dann: ‚Was gibt’s zum Tee?'“

Die Zeichnungen sind eine Therapie für Gary

Mittlerweile weiß Gary, dass es weitergehen muss: Er habe viele Tränen der Trauer geweint, aber auch viele Tränen des Akzeptierens. Sein Credo: „Ein Buch hat sich geschlossen und ein anderes Kapitel hat sich geöffnet – mit uns Dreien statt Vieren.“ Seine Zeichnungen haben ihm bei der Trauerbewältigung geholfen, sie waren für ihn wie eine Art Therapie. Er verrät: „Nach einem schlechten Tag ist das wie ein bisschen Druck-Ablassen, als würde man ein Druckventil öffnen; außerdem wissen meine Freund*innen dadurch, wie es mir geht. Da sind auch lustige Dinge dabei. Ich mag es lustig, aber manchmal gibt es Tage, an denen überhaupt nichts lustig ist – und das muss ich dann auch zum Ausdruck bringen.“ Seine Zeichnungen veröffentlicht er täglich und begeistert mit seiner Ehrlichkeit und Offenheit mittlerweile über 16.000 Follower*innen.