„Ich dachte, er ist ein einsamer, alter Mann“ – Was ein Filmstudent über seinen Handydieb lernte

Wer klaut Handys? Und was passiert dann mit ihnen? Diese und weitere Fragen wollte Anthony van der Meer mit einer Dokumentation beantworten. Und lernte den Dieb dabei erschreckend gut kennen.

Dieb? Getrackt! © Screenshot Anthony van der Meer/Youtube.com

Es ist einer dieser Schreckensmomente, als der Filmstudent Anthony van der Meer bemerkt: Sein Handy ist gestohlen. Sofort schiessen ihm Fragen und Sorgen durch den Kopf. Welche Person hat nun den Zugang zu seinen privaten Daten, Fotos, Nachrichten? Was kann er dagegen tun? Der Verlust monetären Wertgegenstandes ist da noch das kleine Übel.

Um diese Fragen für sich und sein Umfeld beantworten zu können, beschloss der niederländische Filmstudent Anthony van der Meer, ein Experiment zu wagen: Er wollte sich das Handy absichtlich stehlen lassen, um den oder die Diebin zu verfolgen.

Der inszenierte Handy-Diebstahl

Doch schon der erste Schritt den Experiments bereitete dem Film-Team Schwierigkeiten: Ganze vier Tage versuchten sie, sich das Handy an öffentlichen Plätzen klauen zu lassen, bis es ihnen endlich gelang. „Ich war noch nie so glücklich darüber, dass mir etwas geklaut wurde“, sagt van der Meer in der 21-minütigen Dokumentation.

Nach kurzer Verbindungspause schaltet der Dieb das Handy wieder ein, mit einer neuen, arabischen SIM-Karte. Van der Meer stellt erschrocken fest: Der Dieb hat sein Handy nach dem Klau nicht neu aufgesetzt. Er hätte also immer noch Einblick in van der Meers Fotos, Nachrichten und persönlichen Kontakte haben können.

Das Team kommt dem Dieb erschreckend nahe. Mithilfe eines Fotos stellt das Team fest: Der Dieb muss um die 40 Jahre alt sein und trägt kurzes dunkles Haar. Außerdem spricht er Arabisch. Und hat eine Vorliebe für Pornos. Sie beobachten ihn bei Dates, hören seine Telefonate ab, verfolgen seine Wege. Er schläft mal hier mal da, oft im Obdachlosen-Zentrum. „Er schien kein normaler Dieb zu sein. Irgendwann fing ich sogar an, Mitleid zu empfinden“, berichtet van der Meer.

„Ich dachte, er ist ein einsamer, alter Mann.“

Screenshot: Youtube
Screenshot: Youtube

Was an dem Film auch schockiert: Die Bilder deutlich, wie einfach es ist, andere Menschen auszuspionieren. Im Film können die Zuschauer*innen beängstigend detailgetreu mitverfolgen, wohin sich der Dieb mit dem Handy bewegt, wo er das Handy unterwegs bei sich trägt und was um ihn herum geschieht, wann immer das Handy mit dem Internet verbunden ist. Dafür hatte van der Meer zuvor die Spyware-App „Cerberus“ installiert.

Am Ende beschließt der Fimstudent, den Dieb anzurufen. Was dann passiert? Schaut es euch an..