Wie eine Frau mit Kunstwerken aus Müll gegen Umweltverschmutzung kämpft

Die Bilder der Instagrammerin Dominique sind schön und traurig zugleich. Sie nutzt sie, um auf eine wichtige Botschaft aufmerksam zu machen: Helft mit, unseren Planeten sauber zu halten. 

Eine Frau hockt auf dem Boden, sie hat verschiedene Tiere umrisshaft neben sich gelegt: einen zutraulichen Dachs, einen freundlich dreinblickenden Fuchs, einen niedlichen Hasen. Auf den ersten Blick ganz süß. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass es sich bei dem Material, aus dem die Tiere gelegt wurden, nicht um Produkte aus dem nächstbesten Geschäft für Künstler*innen-Bedarf handelt, sondern um alte Chipstüten, Einkaufsbeutel, leere Getränkeflaschen und -dosen oder Feuerzeuge. Litter critter, also Kreaturen aus Abfall, nennt Dominique die kleinen Kunstwerke, welche sie aus herumliegendem Müll gestaltet.

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Dominique bezeichnet sich selbst Content Creator und Instagram Guru. Auf ihrem Blog allthatisshe schreibt sie über Themen, die sie interessieren und bewegen – meist aus dem Bereich Lifestyle und Familie. Mit ihrem gleichnamigen Instagram-Account, dem mittlerweile über 554.000 Personen folgen, fing sie 2015 an, als sie gerade mit ihrer jüngsten Tochter Penny in Elternzeit war. Normalerweise teilt Dominique dort lustige oder schön in Szene gesetzte Fotos aus ihrem Leben, von Reisen, von ihren Kindern. Doch seit diesem Sommer finden sich unter dem #projectlittercritter auch immer wieder die kleinen Müll-Kunstwerke. Für Dominique sind das nicht einfach nur Fotos, es steckt mehr dahinter.

20 Beutel voller Müll in 30 Minuten

Als sie diesen Sommer mit ihrer Familie auf einer abgelegenen malaysischen Insel Urlaub machte, kam sie mit dem ortsansässigen Naturschutz-Team ins Gespräch. Das machte sie auf die Umweltprobleme abseits der klischeehaften Traumstrände und des kristallklaren Wassers aufmerksam. Dominique beschloss daraufhin, das Naturschutz-Team bei einer Aufräumaktion zu unterstützen und selbst mit anzupacken. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon von der Verschmutzung durch Plastik gehört, aber das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung mit unseren eigenen Augen zu sehen, hat etwas mit uns gemacht“, erinnert sie sich. In nur knapp einer halben Stunde waren 20 große Müllbeutel gefüllt. In diesem Moment habe sie gewusst, dass sie ihre Plattform und Reichweite nutzen müsse, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein zu schaffen. Die Idee zu den Kreaturen aus Abfall war geboren.

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„Wir bauten also eine Schildkröte aus Müll, ein besonders gefährdetes Lebewesen, für dessen Schutz sich das Naturschutz-Team auf der Insel unerlässlich einsetzt. Die Reaktionen darauf waren so positiv, dass wir entschieden, weitere Bilder zu machen, wenn wir zurück zu Hause sind, und so weiter über dieses wichtige Thema zu sprechen“, erklärt Dominique. Die Kunstwerke hätten eine interessante Wechselwirkung: „Das Putzige, das Süße der Tiere zieht die Menschen an, aber die Message dahinter gewinnt ihr Interesse.“ Und so sammelt sie weiterhin Müll und Abfall, den andere Menschen einfach willkürlich fallen lassen, liegen lassen, auf den Boden werfen. „Leider ist es überhaupt nicht schwer, den Müll und Abfall für die Kreaturen zu finden: Er ist überall. Wir haben ihn bisher in den Wäldern, am Strand und auf den Straßen gesammelt“, erklärt sie.

Die Zahlen sind tatsächlich alarmierend: Nach Informationen der Naturschutzorganisation Nabu landen jährlich mehr als zehn Millionen Tonnen Abfall in den Ozeanen und kosten Zehntausenden Tieren das Leben. Auch die Stiftung WWF informiert darüber, dass etwa drei Viertel des Mülls, der sich in den Meeren befindet, Plastik sei, welches sich erst nach 350 bis 400 Jahren völlig zersetze.

Es ist unsere Verantwortung

Dominique ist der Meinung, dass wir oft die Verantwortung von uns weisen: „Wir alle sehen Abfall. Aber wir sehen ihn oft als das Problem einer anderen Person an: ,Ich hab das da nicht hingeworfen, deshalb muss ich das auch nicht aufheben.‘ Aber es ist nun mal da, es liegt auf dem Boden, wird durch die Straßen gewirbelt, über das Land, in die Meere. Es ist unsere Verantwortung. Es ist unser Planet und wir sollten alle etwas dazu beitragen, ihn aufzuräumen. Wir wollen, dass Menschen es als selbstverständlich ansehen, herumliegenden Müll aufzuheben und zu entsorgen. Wir wollen zeigen, dass Müll aufzuheben nichts ist, wofür man sich irgendwie schämen sollte – ganz im Gegenteil: Man sollte eher stolz darauf sein“, erklärt sie, worum es ihr eigentlich bei dem ganzen Projekt geht.

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Ihr Traum ist es, mit den Kreaturen aus Müll eine ganze Bewegung auszulösen. Dominique wünscht sich, dass andere Menschen auch rausgehen, Müll aufsammeln und ihre eigenen Litter Critters gestalten. „Eine kleine Veränderung – es reicht schon, ein herumliegendes Stück Abfall aufzuheben und zu entsorgen, statt es einfach liegen zu lassen – kann einen großen Unterschied machen“, erklärt sie. Dafür hat sie auf ihrem Blog extra eine Unterseite erstellt, wo jede*r eigene #projectlittercritter-Bilder hochladen kann.


Weitere Arbeiten von Dominique und weitere Informationen zu ihrem Projekt #projectlittercritter findet ihr auf ihrem Blog, auf Instagram und auf Facebook.