Wie einst prachtvolle Villen und Kirchen in Italien verfallen

Kein anderes Land hat so viele UNESCO-Welterbestätten wie Italien. Doch ein Instagram-Account zeigt: Abseits von Rom und Florenz verwahrlosen die schönsten Gebäude.

Imposante, stuckverkleidete Räume, in denen sich Bauschutt türmt und die Wandfarbe abblättert. Eindrucksvoll verschnörkelte Treppengeländer, denen der Rost zusetzt. Die Fotos des Instagram-Accounts Tesori Abbandonati (auf Deutsch: Verlassene Städte) zeigen in die Jahre gekommene Schönheiten in Italien. In manchen Gebäuden spürt man förmlich noch die Anwesenheit der letzten Bewohner*innen. Dort stehen bezogene Betten in meterhohen Räumen oder verrutschte Tücher mit aufgenähten Kreuzen entblößen Altare aus Marmorstein.

Doch in den Palästen, Schulen und Kirchen wohnt, lernt und betet schon lange niemand mehr.

Zwischen Weltkulturerbe und Verfall

Dabei bietet Italien abseits der restaurationswürdigen Gebäude eine lange Liste bedeutender Architektur: 54 Stätten wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Zu ihnen gehören etwa das historische Zentrum von Florenz, Venedig und seine Lagunen oder die Villen und Gärten der Medici in der Toskana. Sie alle zeugen von Italiens Reichtum an historisch einzigartigen Gebäuden und Meisterwerken der menschlichen Schöpfungskraft. Doch laut Angaben des Guardian gibt Italien im EU-weiten Vergleich am zweitwenigsten für den Erhalt dieser Stätten aus. Die Folgen: Vernachlässigung, Verfall, Vandalismus.

Ähnliches zeigt sich eben auch bei weniger prestigeträchtigen Stätten: Eine Untersuchung der italienischen Regierung ergab, dass es in ganz Italien über eine Million leerstehende Geisterhäuser gibt. Viele davon finden sich im wirtschaftlich schwachen Süden. Manche stehen seit dem napoleonischen Zeitalter leer, in dem viele kirchliche Besitzgüter erst verstaatlicht und dann vergessen wurden. Andere wurden von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Erdrutschen oder Überflutungen zerstört.

Auf der Suche nach leerstehenden Villen und Geisterstädten

Auf der Suche nach der Dekadenz vergangener Jahrzehnte treibt es Abenteuerlustige in die Ruinen. Einer von ihnen: Federico Limongelli. Zusammen mit Freund*innen hat er den Instagram-Account Tesori Abbandonati ins Leben gerufen.

„Es hat als ein Hobby angefangen“, erzählte Limongelli dem Guardian. „Das sind Orte mit einer besonderen Anziehungskraft. Ihre Geschichten mithilfe der Fotografie zu erzählen, ist eine Weise, ihre Vernachlässigung zu thematisieren. Inzwischen folgen uns viele Leute und teilen ihre eigenen Entdeckungen der italienischen verlassenen Schätze. Manchmal waren es nicht nur Gebäude oder Kirchen, sondern ganze Geisterstädte.“

Beinahe 6.000 verlassene Dörfer soll es nach Angaben des italienischen Statistikinstituts im Land geben. Viele der inzwischen von Efeu umrankten oder von Wildschweinen bevölkerten Steinhausreste landen inzwischen ausgerechnet auf Ebay. Die Einstiegssumme für das Dorf Calsazio zum Beispiel – mit 14 Steinhäusern, 50 Wohnungen und fünf Einwohner*innen – lag bei 245.000 Euro. Ein*e Käufer*in hat sich noch nicht gefunden.

Andere Dörfer, denen das gleiche Schicksal droht, versuchen mittlerweile mit kreativen Maßnahmen den Verfall zu bekämpfen. Der Bürgermeister des Dorfes Gangi hatte die Idee, Häuser für einen Kaufpreis von einem Euro anzubieten – Kaufende mussten sich im Gegenzug verpflichten, das Haus innerhalb von drei Jahren zu restaurieren.