Wie ich beim „Ecstatic Dance“ versucht habe, total hemmungslos zu tanzen

Befreit tanzen auf Knopfdruck – ganze ohne Drogen? Unsere Redakteurin begibt sich in unserer Podcast-Serie auf die Suche nach dem Glück. Dieses Mal testet sie Ecstatic Dance und tanzt sich die Füße wund. 

Wie ich beim Ecstatic Dance versucht habe, total hemmungslos zu tanzen

Ecstatic Dance: hemmungsloses Tanzen ohne Alkohol, ohne Zigaretten, ohne Drogen, ja sogar ohne Handy und ohne Gespräche auf der Tanzfläche. © Elif Kücük / ze.tt

In dem Podcast „Eva auf dem Weg zum Glück“ versucht unsere Autorin zufriedener, ausgeglichener und auf Dauer glücklicher zu werden. Eigentlich geht es ihr ja gut. Und trotzdem ist sie manchmal wahnsinnig unzufrieden mit sich selbst und negative Gedanken überschwemmen ihren Kopf. Nachdem ihr typische Ansätze wie Ratgeber oder Selbstreflexion nicht weiterhalfen, testet sie nun in jeder Folge eine andere alternative Methode: New-Age-Trends irgendwo zwischen Spiritualität und Esoterik.

Ich fühle mein Herz im Takt des Beats schlagen. Schüttle meine Haare. Der DJ brüllt etwas ins Mikrofon. Alle heben die Hände. Ich strecke meine ebenfalls aus. Vor ein paar Stunden war ich noch müde und unzufrieden, wollte mich am liebsten im Bett vergraben. Jetzt im Club glaube ich, mir gehöre die Welt. Ich finde plötzlich alles gut. Besonders der Gin Tonic in meiner Hand. Nachts beim Feiern bin ich manchmal jemand anders. Oder zumindest eine selbstsichere Version von mir. All die Zweifel und all die Ängste sind dann weg. Der Alkohol, der Bass und meine Leute vertreiben sie. Doch am nächsten Tag mit dem Kater kommt alles zurück, meist stärker als zuvor. Nicht selten frage ich mich dann, ob es nicht auch anders geht: Kann ich Glücksgefühle ohne die Rechnung dafür am nächsten Tag haben?

Den Höhepunkt jeder Party erleben ohne Kater

Bekannte erzählen mir von Ecstatic Dance: hemmungsloses Tanzen ohne Alkohol, ohne Zigaretten, ohne Drogen, ja sogar ohne Handy und ohne Gespräche auf der Tanzfläche. Ecstatic Dance definiert sich selbst als eine Art Tanzreise, in der Rituale neu erfunden werden und Energie fließen soll. Berlin wäre nicht Berlin, wenn es in dieser Stadt nicht eine solche Veranstaltung gäbe.

[Außerdem auf ze.tt: Alltagsalkoholismus: Uns fällt gar nicht mehr auf, wie viel wir trinken]

Friedrichshain. An einem Donnerstagabend fallen dicke Tropfen vom Himmel. Zum ersten Mal seit Langem trage ich meine Winterjacke wieder. Keine fünf Minuten vom berühmt-berüchtigten Berghain entfernt, stehe ich nun vor einem Plattenbau. Drinnen angekommen, erwartet mich eine improvisierte Kasse, die nach Abiball anmutet. Zwischen zwölf und 15 Euro kostet der Eintritt. Wer das Geld nicht hat, kann auch bei der Organisation der Veranstaltung helfen, lese ich.

Eine junge Frau mit Fußkettchen und weiter Hose mit tiefem Boden heißt mich willkommen. Ein Mann mit freiem Oberkörper, langem Haar und einem bodenlangen Rock geht an mir vorbei. Eine Gruppe sei bereits zum Aufwärmen beim Yoga im Saal, ich könne mich gerne zu ihnen gesellen, wird mir gesagt, ich schau mich lieber noch etwas um. Ich komme mit einem Mann um die 40 ins Gespräch. Er macht seit Jahren Ecstatic Dance. Hier könne man den Höhepunkt jeder Party erleben, ohne am nächsten Tag leiden zu müssen, meint er. Er gehe jedes Mal vollkommen glücklich nach Hause.

Ecstatic Dance: Sich noch schnell nach der Arbeit die Seele aus dem Leib tanzen?

Dann geht es los. Alle gehen in den Saal. Der Raum ist mit Tüchern dekoriert – kein Strobo, keine Nebelmaschine – in der Ecke eine Liegefläche mit Kissen. Die Leute sind barfuß, tragen Sportklamotten, Pyjamas oder nur Unterwäsche. Ein Typ scheint direkt von der Arbeit zu kommen, legt nur die Krawatte ab und öffnen sein Hemd. Um die 70 Menschen versammeln sich in einem Kreis und nehmen sich an den Händen. Die Regeln werden erklärt und es geht los. Musik startet, der Raum ist dunkel, nur indirekte Lichter bestrahlen die Tanzfläche. Der Sound klingt wie ein Frühlingserwachen im Regenwald: Es quakt, zwitschert und plätschert, dann ertönt eine Panflöte. Die Musik wird mit jedem Track wilder und die Menschen auch. Ich weiß nicht so recht, was ich mit mir anfangen soll, bis die Musik immer härter wird und es mir schließlich mir immer egaler wird, was andere denken.

Wie es mir ergangen ist, könnt ihr euch im Podcast anhören:


Wo kann ich Eva auf dem Weg zum Glück hören?


In den vergangenen Folgen habe ich Tarotkarten gelegt, mich hypnotiseren lassen, beim Tantra-Yoga ausgezogen und eine Stunde auf eine Wand gestarrt – wie haben euch die Folgen gefallen? Feedback, Anregungen und Ideen, was ich in der nächsten Folge auf der Suche nach dem Glück testen könnte, schreibt mir gerne an eva.reisinger@ze.tt. Ich freue mich über eure Post!