„Wie kann das schön sein? Das ist doch keine Frau“ – wie eine Fotografin mit Stereotypen bricht

Wer entscheidet, was schön ist und was nicht? Eva Zar will die Schönheit von Menschen zeigen, die so gar nicht den Klischees unserer Gesellschaft entsprechen. Ein Interview

Wer oder was gilt als schön? Wie sieht man seine eigene Schönheit und wie empfinden das andere?

Mit deratigen Fragen beschäftigt sich die 24-jährige Fotografin Eva Zar. Ihre Fotos sind weiblich, ästhetisch, elegant und authentisch. Vor ihrer Linse war unter anderem schon Kim Petras, eine deutsche Sängerin, die bereits mit 14 Jahren in einer Sendung auf VOX um eine geschlechtsangleichende Operation bat und Bekanntheit erlangte.

Eva Zar fotografiert jenseits der klassischen Schönheitsideale und Klischees und kämpft für eine Welt ohne Sexismus und eine diversere Definition von Schönheit. Im Interview erklärt sie, warum sie Drag Queens bewundert und was jede*r gegen Sexismus tun kann.

ze.tt: Liebe Eva, auf deinen Fotos sieht man Menschen mit Achselhaaren, ohne Size Zero, in ihrem ganz eigenen Stil und Geschlecht. Bekommst du dafür auch Kritik?

Eva Zar: Ich habe mal eine Transfrau fotografiert, und das Foto wurde wunderschön. Als ich darauf angesprochen wurde, meinte jemand: „Wie kann das so schön sein? Das ist doch keine echte Frau.“ Zuerst war ich richtig wütend, weil es offensichtlich beleidigend ist. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass sich das Schönheitsbild einer Transfrau durch meine Fotografie für diese Person verändert hat und am Ende des Tages ist das eines meiner Ziele.

Wie kann das so schön sein? Das ist doch keine echte Frau.“

Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?

Da ich nicht gut mit Worten bin, versuche ich meine Gefühle und meine Gedanken durch meine Arbeit zu äußern. Die politische Lage weltweit frustriert mich, und das versuche ich mit meiner Fotografie zu verarbeiten. Meine Arbeit ist gleichzeitig auch meine Überlebensstrategie.

Wie beeinflussen dich klassische Schönheitsideale?

Ich bin immer durch äußere Erscheinungen beeinflusst, das ist ja auch mein Job. Ich glaube aber, der Begriff des Schönheitsideals sollte dringend neu definiert werden. Denn was bedeutet das schon? Ich fotografiere so viele wunderschöne Menschen, die nicht weiter von der klassischen Definition entfernt sein könnten und doch ein Schönheitsideal sind. Zum Beispiel für ihre eigenen Szenen und Communitys.

Eva Zar absolvierte die Modeschule in Wien. Derzeit macht sie ihren Master an der renommierten Parsons School of Design in New York. Sie erhielt das Provost- und das Michael-C.-Toth-Stipendium, lebt und arbeitet seit 2016 in New York. © Sophie Sahara Barkham für Blonde

Welche Menschen fotografierst du am allerliebsten?

Alle Menschen, von denen ich ein Fan bin. Menschen, die mich täglich inspirieren, mit dem, wie sie aussehen oder was sie machen.

Was war dein schönster Shoot?

Jedes Shooting ist ein einzigartiges und oft auch nervöses Erlebnis. Mein Lieblingsshooting bis jetzt war mit Love Bailey auf ihrer Savage Ranch in Kalifornien.

Du porträtierst auch oft Drag Queens, woher kommt diese Begeisterung?

Einerseits war ich immer schon davon überzeugt, dass man Menschen mit Humor zum Nachdenken anregen kann, so wie klassische Drag Performances es auch machen. Andererseits bin ich jedes Mal aufs Neue davon begeistert, wenn ich sehe, wozu Drag Queens fähig sind: Viele schaffen einfach ihre eigene Persona und Fantasiewelt und können sich so verdammt gut hineinversetzen.

Wie stark prägen uns Geschlechterklischees heute noch?

Ich finde es leichtfertig zu sagen, dass Geschlechterrollen nicht mehr existieren. Die traurige Wahrheit ist, dass wir tagtäglich gegen diese Klischees ankämpfen müssen. Vor allem in Szenen, von denen man glaubt, dass die Probleme längst bekämpft wurden. Wie zum Beispiel auch in meiner eigenen. Auch dort passiert viel zu wenig. Von Sexismus im Alltag will ich erst gar nicht anfangen.

Siehst du dich als feministische Fotografin?

Ich bezeichne mich selbst als Feministin, alles andere passiert organisch und aufgrunddessen.

Ich fotografiere so viele wunderschöne Menschen, die nicht weiter von der klassischen Definition entfernt sein könnten und doch ein Schönheitsideal sind.“

Was können wir gegen den Sexismus in unserer Gesellschaft tun?

Solidarität ist eigentlich mein erster Rat zur Besserung. Support your femmes. Natürlich könnten wir uns mit einer ewig langen erzieherischen Diskussion auseinandersetzen, aber wir könnten auch einfach die gesamte Energie nehmen und sie in richtig gute Dinge packen, geile Sachen machen und uns gegenseitig unterstützen.

Mehr von der Fotografin findet ihr auf ihrem Instagram-Account oder auf ihrer Website.