Wie mich der „Feminist Fight Club“ zu einer stärkeren Frau im Job gemacht hat

Unsere Autorin erkannte nach diesem Buch, dass nett zu sein nicht bedeutet, zu allem Ja zu sagen und sich unterzuordnen.

Das ist Eva. Eva lächelt viel, ist freundlich und will vor allem gefallen. Als die Nachzüglerin in der Familie war sie immer eins: lieb. Was sie in der Kindheit gelernt hat, bleibt bis heute bestehen: Für sie ist Harmonie gleich Bestätigung. Darum will sie es jedem*r recht machen, sagt selten Nein und scheut Konflikte. Bevor sie einen Streit beginnt, taucht sie lieber ab, ärgert sich und versucht es selbst zu lösen. Eigentlich hat sie eine Meinung, diskutiert auch gerne, zeigt aber viel zu viel Respekt vor allem und allen.

Wenn Eva im Gespräch unterbrochen wird, dann lässt sie die andere Person erst mal ausreden, bevor sie selbst wieder das Wort ergreift. Wenn ihr jemand erklärt, dass sie doch viel zu jung für einen Job sei, erwidert sie nichts und ärgert sich zu Hause. Wie Eva ergeht es vielen Mädchen in ihrer Kindheit. Jungen wurde beigebracht mutig zu sein, Mädchen sollten vor allem gemocht werden.

Wie ein paar New Yorkerinnen eine Frauenbewegung starteten

Was vermutlich klar ist: Ich bin Eva. Als mir eine Freundin von dem Buch Feminist Fight Club: Wie sich Frauen am Arbeitsplatz erfolgreich durchboxen erzählte, war ich erst mal skeptisch. Der Titel klingt auf Deutsch doch ziemlich dämlich. Sie beteuerte aber, dass das Buch ihr geholfen habe, sich im Job durchzusetzen. Damit weckte sie mein Interesse. Im Klappentext las ich: „Männer unterbrechen Frauen in Meetings besonders häufig. Sie machen sich auch gern die Ideen der Kolleginnen zu eigen. Und keinem Chef würde es jemals einfallen, einen männlichen Mitarbeiter Kaffee holen zu schicken. Nach wie vor müssen Frauen im Job gegen oft subtilen Sexismus kämpfen.“

[Außerdem auf ze.tt: Warum ich meine sichere Karriere hinschmiss – und es nicht bereue]

Nun erscheint das Buch im Bastei-Lübbe-Verlag auch auf Deutsch. Die US-amerikanische Journalistin Jessica Bennett erzählt in dem Buch davon, wie sie an einem Nachmittag in einem Fastfood-Restaurant in Manhattan, zwischen Milkshakes und Pommes, gemeinsam mit Freundinnen die Idee einer eigenen Frauenbewegung schmiedete. „Damals waren wir nur zu dritt und ar­beiteten alle als untergeordnete Redaktionsmitarbeiterinnen beim Fernsehen“, schreibt Bennett. Bald folgte das erste Treffen. „Keine hat es laut ausgesprochen, aber ich kann mich noch genau­ daran erinnern, wie ich vom ersten Treffen nach Hause ging und dachte: ,Gott sei Dank. Es geht noch anderen so!'“

Was ich persönlich durch das Buch gelernt habe:

1. Kenne deine*n Feind*in. Es gibt viele Kniffe, mit ihm*ihr umzugehen

Dazu beschreibt Bennett verschiedene Stereoptypen, die wir alle schon in der ein oder anderen Form im Büro erlebt haben. Wie etwa: den*die Ins-Wort-Grätscher*in, den Steno-Arsch oder das Burschenschafts-Vergnügungskomitee. Bennett gibt für jeden Konflikt konkrete Verhaltensratschläge. Wer sich in Besprechungen beispielsweise etwas vorlehnt, wird mit geringerer Wahrscheinlichkeit unterbrochen. Wenn dich beim nächsten Mal jemand bittet mitzuschreiben, obwohl es nicht zu deinem Aufgabengebiet zählt, verweise freundlich auf eine*n Kolleg*in.

2. Hör auf, dich andauernd zu entschuldigen

Es ist wichtig, an sich selbst zu arbeiten. Dazu zählt aufzuhören, sich andauernd zu entschuldigen. „Heutzutage dient es als eine Art Stütze: ein Lückenfüller, ein Müllwort, eine Methode, um eine Person zu unterbrechen, eine Meinung kundzutun oder im Grunde alles, was das Mundaufma­chen oder das Äußern einer Meinung involviert,“ erklärt Bennett. Es müsse zwischen drei Arten unterschieden werden und nur erstere habe eine Berechtigung in unserem Arbeitsalltag:

  1. Die tatsächliche Entschuldigung
  2. Die rhetorische Entschuldigung
  3. Die höfliche Entschuldigung
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© „Feminist Fight Club“ von Jessica Bennett

3. Lass alle Müllwörter weg

„Ähm, Entschuldigung, ich will ja nicht stören, aber könnte es vielleicht sein, dass …?“ Ein Satz wie ich ihn mehrmals täglich verwende. Mir war nicht bewusst, wie häufig ich meine Aussagen hinter sogenannten Müllwörtern verstecke. Darum: Weg damit!

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© „Feminist Fight Club“ von Jessica Bennett

4. Lass dich nicht mehr unterbrechen

Untersuchungen bestätigen, dass Männer in Meetings mehr sprechen und häufiger unterbrechen. Insbesondere bei Frauen mit Migrationshintergrund ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, dass sie sowohl von Frauen als auch von Männern unterbrochen werden. „Das verbale Äquivalent zu zwei Autos, die so lange mit höchster Geschwindigkeit aufeinander zurasen, bis eine*r ausweicht. (…) Eure Aufgabe ist es, die Nerven zu behalten und einfach weiterzureden“, rät Bennett.

5. Fake it until you make it

Ein Traum holt mich in den stressigen Phasen meines Lebens immer wieder ein: Ich gehe ins Büro und plötzlich fliegt auf, dass ich eigentlich gar nichts kann. Dass ich eine Hochstaplerin bin und keine Ahnung habe. Ich habe darüber bereits mit mehreren Kolleg*innen gesprochen: Sowohl Männer als auch Frauen leiden unter derartigen Selbstzweifeln. Und doch scheint es eine unnötige Unsicherheit zu sein, mit der sich vor allem Frauen herumquälen. Für mich war es eine Genugtuung zu hören, dass derart selbstbewusste Frauen wie Jessica Bennett mit ähnlichen Unsicherheiten im Job kämpfen. Sie rät: Du bist gut in deinem Job? Dann hör auf andauernd an dir zu zweifeln!

[Außerdem auf ze.tt: Arbeitsplatzphobie: Wenn der Job einen zum Zittern bringt]

6. Weinen ist total okay – und zwar überall

Beim Job in Tränen auszubrechen wird oft als Überforderung gedeutet, als eine Art weibliche Schwäche. So kommt es, dass wir uns auf Toiletten oder im Treppenhaus verstecken, anstatt einfach mal zu weinen. „Wir könnten heulen, weil Heulen manchmal unsere Art ist, unseren Frust zum Ausdruck zu bringen und die Arbeit nun mal frustrierend sein kann, und weil Männer wütend werden, wenn sie auf der Arbeit Frust schieben – und darüber kein Mensch Artikel schreibt“, so Bennett.

7. Nur weil ich nett bin, bin ich nicht schwach

Untersuchungen zeigen unmissverständlich, dass ein Großteil der Sekretariatsaufgaben Frauen zufällt. Außerdem stimmen Frauen eher zu, sie zu erledigen und neigen dazu, sich aus freien Stücken zu melden. „Uns ist klar, wie schwer Nein-Sagen manchmal sein kann. Eine Sache ist es aber ganz sicher nicht: sich gar nicht erst freiwillig melden.“

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© „Feminist Fight Club“ von Jessica Bennett

8. Fordere, was dir zusteht

Bennett gibt offen zu, dass sie Gehaltsverhandlungen genauso hasst wie viele andere auch. Darum beschreibt sie einige Ausreden, die sie selbst mittlerweile nicht mehr gelten lässt:

  • Ich gehe sowieso bald.
  • Das ist nicht der richtige Zeitpunkt.
  • Ich bin schlecht im Verhandeln.
  • Die Firma steht gerade nicht so gut da.
  • Ich möchte nicht abgewiesen werden.
  • Ich habe meine Arbeit nicht gut genug gemacht.

Sie empfiehlt, sich zu fragen: Wenn ich es trotz aller Gegengründe wage – was ist das Schlimmste, das passieren kann? Meist ist die Antwort: ein Nein des*r Chef*in, was nicht weiter schlimm sei.

9. Unterstütze andere Frauen und verschwestere dich

Sich gegenseitig zu unterstützen, ist unerlässlich. Dazu stellt Bennett sogar 10 Gebote des Frauenförderns auf. Auch dabei geht es nicht darum, gegen Männer zu arbeiten, sondern sich im Speziellen mit Frauen zu verbinden und sie zu fördern.

 

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© „Feminist Fight Club“ von Jessica Bennett

Alle, die nun aufschreien und meinen, dass sich dieses Buch gegen Männer richte, kann ich beruhigen. Tut es nicht. „Ich schreibe für Frauen, aber ich schreibe auch für Männer – denn ihr, liebe männ­liche Feministen, seid in diesem Kampf unerlässlich.“ Bennett macht klar, dass Feminismus ganz und gar nicht bedeutet, gegen Männer zu arbeiten. Sondern es geht darum, gegen die Ungleichheiten in unserer Gesellschaft etwas zu tun und Missstände sowie Sexismus zu bekämpfen.

Damit eines Tages Männer und Frauen für die gleiche Arbeit gleich viel bezahlt bekommen, Frauen nicht zum Kaffeeholen geschickt, zum Mitschreiben gebeten werden oder sich sexistische Kommentare zu ihrem Aussehen anhören müssen. Die meisten von Bennetts Tipps gelten übrigens sowohl für Frauen als auch Männer. Auf dem Cover des Buches steht ein Zitat der Sunday Times geschrieben: „Ich werde dieses Buch für jede junge Frau kaufen, die ich kenne.“ Ich sehe das ähnlich. Jede*r sollte dieses Buch lesen. Sowohl Männer als auch Frauen.

Ich mach mich jetzt selbst daran, einen Fight Club zu gründen. Feministische Post an mich.