Wie Miet-Weihnachtsmänner Kindern Heiligabend retten

Der Weihnachtsmann existiert gar nicht? Quatsch, es gibt sogar sehr viele. Wir haben mit zwei Miet-Weihnachtsmännern gesprochen.

Den Weihnachtsmann gibt es doch! Pexels/CC0

Jedes Jahr an Heiligabend wird Robert Häse zum Weihnachtsmann. Am frühen Nachmittag schwingt sich der 35 Jahre alte Student im Kostüm auf sein Rad und fährt durch Dresden. Die Aktion ist kein Gag, sondern Roberts Nebenjob. Er ist ein „Miet-Weihnachtsmann“. Sein Auftrag ist es, Geschenke zu verteilen und besinnliche Stimmung zu verbreiten. Roberts Auftraggeber ist die studentische Arbeitsvermittlung in Dresden. Weihnachtsmann-Agenturen gibt es aber auch in den meisten deutschen Großstädten.

„Der erste Tag als Weihnachtsmann war unglaublich stressig“, erinnert sich Robert und lacht. Bei seinem ersten Einsatz wollte er neun Familien abklappern. Doch die feiernden Kunden waren über eine weite Distanz verteilt, Robert fand die Wege und Eingänge nicht auf Anhieb. Am Ende konnte er jeden Termin einhalten, war aber fix und fertig.

„Am Ende gehe ich mit mehr Geschenken nach Hause als ich gekommen bin.“ – Robert Häse, Weihnachtsmann

„Der Job besteht aus wesentlich mehr als nur mal eben an der Tür zu klopfen und Geschenke zu verteilen“, sagt Robert. Das Weihnachtsmann-Dasein beginnt mit einem Vorgespräch. „Du musst wissen, wer an dem Abend dabei sein wird, wie die Kinder und Erwachsenen heißen, welche Vorlieben die Kinder haben, wo du die Geschenke abholen kannst, wie man in die Wohnung kommt – und das musst du dir dann vor Ort alles merken.“

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Bei den Kunden angekommen, ruft Robert kurz durch, dass die Show beginnen kann und sammelt die vorher versteckten Geschenke ein. Dann stapft er schweren Schrittes die Treppenhäuser hinauf und rumpelt stöhnend in die Wohnungen. „Immerhin spiele ich ja einen alten Mann“, sagt er. 25 Minuten lang besucht Robert die Familien, singt mit ihnen Weihnachtslieder, bespaßt die Kinder, lässt sie Gedichte aufsagen und radelt dann zum nächsten Auftrag weiter. Manche Familien feiern ihr Weihnachtsfest schon um 15 Uhr, bevor sie in die Kirche gehen, bei anderen schaut Robert erst gegen 22 Uhr vorbei.

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„Am Ende gehe ich mit mehr Geschenken nach Hause als ich gekommen bin“, sagt er. Die Kinder finden seine Auftritte so toll, dass sie ihm Dankeskarten malen, häufig bekommt er auch Süßes und Mandarinen von ihnen zugesteckt. Die Auftritte von Robert und seinen Kolleg*innen können bei der studentischen Arbeitsvermittlung online gebucht werden und kosten 45 Euro. „Der Job ist ein guter Nebenverdienst kurz vor Jahresende“, sagt Robert, „aber vor allem macht er Spaß.“

Die Auftritte haben auch emanzipatorischen Charakter

Frank Knorre macht den Spaß bereits seit 37 Jahren mit. Als Student gründete er eine Vermittlungsagentur für Weihnachtsmänner und Engel, die Berliner Weihnachtsmannzentrale. Inzwischen kann der 57-Jährige am 24. nicht mehr selbst durch die Hauptstadt ziehen. Knorre hat Krebs, durch die Chemotherapie ist sein einst rauschender Bart ausgedünnt und die Kraft reicht nicht mehr für lange Touren.

Doch als „Oberweihnachtsmann“ schaltet und waltet er weiterhin begeistert in der Zentrale und verteilt die Aufträge. Wer mit dem Pkw unterwegs ist und entsprechend viele Touren absolvieren kann, verdient bei Knorre zwischen 300 und 700 Euro am Heiligabend.

Um die 100 Weihnachtsmänner sind für die Zentrale am 24. in Berlin unterwegs und nehmen etwas über 1000 Termine wahr. Manche Kunden buchen für den Weihnachtsmann eine Engel-Begleiterin dazu. „Engel-Aufträge machen bei uns aber nur fünf bis zehn Prozent aus“, erklärt Knorre. An Weihnachten geht es nun mal um den Weihnachtsmann.

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Bei den Auftritten geht es nicht nur um Besinnlichkeit. Die Weihnachtsmann-Auftritte haben auch einen emanzipatorischen Charakter. In den Vorgesprächen fragen Robert, Knorre und Kolleg*innen auch immer ab, was sie den Kindern liebevoll-mahnend mit auf den Weg geben können.

Einmal war Knorre zu Gast bei einem Mädchen mit einer deformierten Hand. Sie hatte seit Wochen ihre Motorik-Übungen nicht mehr gemacht, weil sie in der Schule gemobbt wurde. „Ich habe mich als Weihnachtsmann selten hingesetzt“, erzählt Knorre. „In dem Fall habe ich mir die Zeit genommen und mit dem Mädchen ausführlich gesprochen.“ Das Ergebnis: Sie fing ihre Übungen wieder an. Immerhin hatte ihr der Weihnachtsmann dazu geraten.