Wie US-Fußballerin Megan Rapinoe es Donald Trump gezeigt hat

Megan Rapinoe legte sich öffentlich mit Donald Trump an, der ihr daraufhin empfahl, zunächst mal Leistung zu zeigen. Rapinoe gab die perfekte Antwort – auf dem Platz.

Feindin und Heldin: Wie Megan Rapinoe es Donald Trump so richtig gezeigt hat

Schoss sechs Tore im Verlauf der Weltmeisterschaft: Megan Rapinoe, 34. Foto: Getty Images/ Maja Hitij

Als der Reporter der US-Fußballerin Megan Rapinoe die Frage stellte, ob sie sich nach der Fußball-Weltmeisterschaft auf den Besuch im Weißen Haus freue, kam die Antwort sofort: „I’m not going to the fucking White House“, also „Ich gehe nicht ins verdammte Weiße Haus.“ Sie glaube ohnehin nicht, dass ihr Team eingeladen werde, fügte die Fußballspielerin hinzu, während sie sich die Schuhe band.

In den USA ist es Tradition, dass Mannschaften nach großen Siegen in das Weiße Haus eingeladen werden. Inklusive Fotos, Händeschütteln und viel Presse. Für Rapinoe kommt ein derartiger Besuch nicht in Frage, das ließ sie dem Präsidenten via Interview in einem Fußballmagazin ausrichten. Trump reagierte prompt auf Twitter: Er sei ein großer Fan des US-amerikanischen Teams und des Frauenfußballs. „Aber Megan sollte erst GEWINNEN, bevor sie REDET!“ Und fügte noch hinzu: „Bring den Job zu Ende. Wir haben Megan oder das Team noch nicht eingeladen, aber jetzt lade ich das TEAM ein, egal ob es gewinnt oder verliert“. Dann empfahl er Rapinoe noch, nie den Respekt vor den USA oder dem Weißen Haus vermissen zu lassen.

Den Job zu Ende gebracht haben Rapinoe und das Team auf jeden Fall. Rapinoe ist beste Spielerin und beste Torschützin (gemeinsam mit Alex Morgan und Ellen White) des Turniers – und wieder Weltmeisterin. Mehr Auszeichnungen sind für eine Spielerin nicht möglich. Sie hat Trump auf dem Platz geantwortet. Schon während des Turniers titelten Zeitungen mit Captain America und machten die Spielerin zu einer Ikone. Das Finale gegen die Niederlande am Sonntag gewannen die US-Amerikanerinnen 2:0. Den Führungstreffer schoss: Rapinoe.

Megan Rapinoe, Ikone vieler US-Amerikaner*innen

Megan Rapinoe ist Kapitänin der US-Fußballerinnen, zweifache Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin – aber auch eine Ikone für viele Menschen in den USA. Sie steht symbolisch für die Spaltung in ihrer Heimat und gibt vielen Menschen Hoffnung, die von Trumps Politik diskriminiert und benachteiligt werden oder sie einfach falsch finden.

Die 34-Jährige machte bereits vor Beginn der WM Schlagzeilen, weil sie ankündigte, wahrscheinlich nie wieder die US-Nationalhymne mitzusingen, aus Protest gegen Trumps Politik. Sie hält Trump für einen Sexisten und Rassisten. Sie kämpft gegen Rassismus, Polizeigewalt und Homophobie und macht kein Geheimnis daraus, dass sie es für eine Frechheit hält, dass Fußballspielerinnen nach wie vor viel weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen.

Aber Megan sollte erst GEWINNEN, bevor sie REDET!“

Donald Trump

Megan Rapinoe ist mit der Basketballspielerin Sue Bird liiert. Zusammen zierten sie als erstes homosexuelles Paar die Body Issue des Sportmagazins ESPN. Die Spielerin engagiert sich für das Gay, Lesbian & Straight Education Network (GLSEN), das gegen Mobbing an Schulen eintritt sowie der Gruppe Athlete Ally, die sich für LGBTI-Akzeptanz im Sport einsetzt.

Ihr Vorbild: Kaepernick

Ihr Vorbild im Protest sei immer US-Football-Profi Colin Kaepernick gewesen, wie sie selbst sagt. Kaepernick protestierte gegen die Unterdrückung von Schwarzen, indem er bei der Nationalhymne sitzen blieb, und riskierte damit seine Karriere. Er wurde daraufhin als Vaterlandsverräter oder Polizistenhasser diffamiert.

Für Donald Trump ist Rapinoe nun Heldin und Feindin zugleich. Sie kritisiert ihn öffentlich und macht den Rasen damit politisch. Je erfolgreicher jedoch sie und die US-amerikanischen Fußballerinnen werden, desto mehr will sich Trump mit ihrem Ruhm schmücken. Doch Megan Rapinoe wird weiterhin gegen seine Politik kämpfen: „Es gehört alles zusammen. Ich möchte, dass man mich so respektiert, wie ich bin. Als Frau, als Lesbe, als Berufssportlerin, was auch immer“, sagt die Spielerin.

Als die US-Amerikanerinnen 2015 die WM gewannen, besuchten sie den Präsidenten im Weißen Haus übrigens. Auch Rapinoe stand damals freudestrahlend im Weißen Haus – neben Barack Obama. Ob und wer aus der Mannschaft nun Trump besuchen werde, ist noch unklar. Nur Megan Rapinoe wird sicher nicht dabei sein.