Wie Vlad als trans* Mann mit Endometriose lebt

Wer Endometriose googelt, findet viele Seiten, auf denen sich Frauen über ihre Krankheit austauschen. Aber Endometriose betrifft auch trans*Männer. Vlad ist einer von ihnen. Ein Protokoll

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Vlad erzählt von seinem Leben mit Endometriose. Foto: Poliana Baumgarten / ze.tt


Endometriose gilt oft als Frauenkrankheit, die sehr starken Symptome werden teils als Regelschmerzen abgetan, viele betroffene Frauen solidarisieren sich als sogenannte Endo Sisters. Dabei kann die Erkrankung, die durch gebärmutterartige Geschwüre ausgelöst wird, etwa an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell, auch bei anderen Personen als cis Frauen (Als „cis“ bezeichnet man Menschen, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde) auftreten. Bei trans* oder non-binären Menschen zum Beispiel, oder gar bei Menschen ohne Uterus.

Vladislav ist 21 und trans* Mann. Er lebt in Wolfsburg und macht gerade eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Und: Vladislav leidet an Endometriose. Von Communitys wie den Endo Sisters und anderen Verallgemeinerungen fühlt er sich oft ausgeschlossen. Er erzählt, wie es ist, als trans* Mann mit Endometriose zu leben und mit welchen Anfeindungen und Ausgrenzungen er zu kämpfen hat.

Vlad, 21: „Ich finde es wichtig, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass nicht nur Frauen Endometriose haben können“

„Bei mir wurde Endometriose relativ schnell festgestellt. Ich bin in der Nacht vor Silvester 2017 mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus gekommen, die man erst für eine Blinddarmentzündung gehalten hat. Aber das war es dann halt doch nicht. Im März 2018 hat man es anhand der Symptome beim Gynäkologen festgestellt. Den ersten Verdacht hat meine Cousine geäußert, die auch Endometriose hat. Es dauerte nicht lange, bis der Gynäkologe das dann bestätigt hat – ohne, dass ich ihn vorher darauf hingewiesen habe, dass ich denke, es könnte das sein. Ich hatte bisher noch keine Operation. Einfach, weil es noch nicht so schlimm ist, dass es jetzt unbedingt sein müsste. In Zukunft werde ich aber wahrscheinlich auch eine haben. Hoffentlich kann ich das dann gleich zusammen mit einer Gebärmutterentfernung erledigen, die steht bei mir sowieso noch an.

Andere Hilfsmaßnahmen wie die Pille sind bei mir jetzt nicht so das große Thema, weil ich damals schon wusste, dass ich sowieso irgendwann Hormone nehme, die auch die Endometriose in Schach halten können. Seit September 2018 nehme ich Testosteron und seit Kurzem auch Östrogenblocker. Östrogenblocker nennt sich das Medikament, das die sogenannten künstlichen Wechseljahre einleitet. Außer dann, wenn ich Schmerzen habe, ist Endometriose für mich nicht so präsent, ich denke da nicht so viel drüber nach. Mein Leben sieht eigentlich ganz normal aus, ich kann alles machen. Ich gehe auch normal arbeiten und mache Sport und alles. Ich habe halt nur immer vorsichtshalber ein paar Schmerzmittel im Rucksack. Weil diese Beschwerden sehr plötzlich auftreten können und das ist dann nicht angenehm. Deswegen habe ich vorsichtshalber immer was dabei, aber ansonsten … Ja, eigentlich ganz normal.

Bei Arztbesuchen habe ich bisher unterschiedliche Erfahrungen gemacht, aber die meisten Erfahrungen waren positiv. Nur eine Ärztin – die Vertretung meines Hausarztes, mit der gemeinsam er die Praxis führt – hat so getan, als wäre ich eh nur für die Medikamente da und als ob ich eigentlich gar keine Schmerzen hätte und das alles nur vorspielen würde. Das finde ich schade, ich gehe auch zu dieser Ärztin nicht mehr. Ich finde es wichtig, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass nicht nur Frauen Endometriose haben können, also nicht nur cis Frauen, sondern im Prinzip alle – auch Leute, die nie eine Gebärmutter gehabt haben. Das ist zwar selten, aber es kommt durchaus vor.

Ich finde das deswegen wichtig, weil Endometriose immer wieder als Frauenkrankheit dargestellt wird. Weil Sprache benutzt wird wie Endo Sisters. Weil einfach überhaupt kein Bewusstsein dafür da ist, dass es nicht nur Frauen haben können. Das führt auch dazu, dass man in Selbsthilfegruppen diskriminiert wird. Bei vielen wirst du zum Beispiel gar nicht erst reingelassen, wenn du keine Frau bist. Wenn du doch reingelassen wirst, musst du dir häufig diskriminierende Sprüche anhören, transweibliche Beleidigungen. Oft wird dir das Gefühl gegeben, dass die anderen dich nur als einen Perversling sehen, der da Frauen aufreißen will.

Deshalb wünsche ich mir, dass das Thema Endometriose in der Gesellschaft bekannter und auch ernster genommen wird. Informationen zu Endometriose zu bekommen, finde ich jetzt an sich eigentlich nicht so schwierig. Im Internet sind die Informationen mittlerweile relativ zugänglich – man braucht eigentlich nur Endometriose zu googlen und findet schon vieles. Trotzdem gibt es leider noch viele Leute, die nichts darüber wissen, obwohl es eine sehr häufige Krankheit ist. Ich persönlich hatte jetzt Glück mit meinen Ärzt*innen und dem medizinischen Fachpersonal.

Aber ich weiß von vielen, dass sie da weniger Glück haben. Und dass sie dann wirklich Jahre brauchen, bis sie eine Diagnose bekommen. Einfach, weil sich viele nicht mit dem Thema auskennen oder sie nicht ernst nehmen. Das ist sehr schade, das ist unnötige Tortur. Und ich wünsche mir, dass das aufhört. Dass das Thema bekannter wird und man leichter eine Diagnose bekommen kann.“