Wie wir am besten auf unpassende Geschenke reagieren

Unsere Liebsten verbringen im Advent viel Zeit damit, die richtigen Geschenke für uns zu finden. Doch manchmal bekommen wir doch etwas völlig Abwegiges geschenkt. Und nun?

Zerstört künstliche Freude unsere Bindung zueinander?

Zerstört künstliche Freude unsere Bindung zueinander? CC0 / Daniel Silva Gaxiola on Unsplash

Wenn es ums Schenken geht, wollen viele Leute etwas möglichst Individuelles überreichen. Das macht die Suche nach dem passenden Geschenk manchmal sehr langwierig. Und selbst, wenn wir glauben, das Richtige gefunden zu haben, hätten die Beschenkten vielleicht lieber etwas völlig anderes bekommen.

Doch wie reagiert man am besten auf ein unpassendes Präsent? „Es gibt kein Geheimrezept. Niemand weiß, was richtig ist. Das macht es so schwierig“, sagt Frank Adloff, Soziologe an der Uni Hamburg. In seinem Buch Gifts of Cooperation hat er sich mit dem Schenken auseinandergesetzt.

Das Idealgeschenk erzählt etwas über beide Seiten

„Geschenke sind Interaktion und Kommunikation. Wir bekräftigen damit unsere sozialen Bindungen zueinander“, erklärt er. Im Idealfall werden zwei Dinge in ihnen vereint: Man transportiert mit ihnen etwas von sich selbst und akzeptiert gleichzeitig den Beschenkten in seiner Andersartigkeit. Wir sollten also danach streben, etwas zu schenken, das der anderen Person gefällt, aber auch etwas von uns selbst überträgt.

Schiefgehen kann dabei jedoch einiges. „Es gibt Leute, die schenken etwas, das nur ihnen selbst gefällt. Dann treffen sie nicht den Geschmack des Anderen, der fühlt sich dann als Person missverstanden“, meint Adloff. Außerdem gebe es Menschen, die versetzten sich in die andere Person hinein und schenkten etwas, das dieser Person gefalle, aber nichts mit ihnen selbst zu tun habe. Das sei dann kein besonderes Geschenk.

„Gutscheine oder Geldgeschenke können durchaus angemessen sein“, meint Adloff. Zum Beispiel wenn Kolleg*innen nicht wüssten, was sie einem*einer Kolleg*in zum Jubiläum schenken könnten. Nur dass sie gerne liest, aber nicht, was. Pralinen, Blumen und ein Geldbetrag wären bei so einer Beziehung mit gewisser Distanz das Richtige. „Schenkt ein Ehemann aber das Gleiche seiner Ehefrau, da wäre es misslungen. Es wäre zu unpersönlich und ein Geldgeschenk kommt auch seltsam, wenn man sich die Finanzen teilt“, so der Soziologe. Bei Geldgeschenken stehen laut Adloff die Nützlichkeit und das Materielle im Vordergrund. Der Aspekt, etwas von sich selbst im Geschenk zu transportieren, fehle dann.

Wie sollte man auf unpassende Geschenke reagieren?

Bekommt man ein Geschenk, über das man sich eigentlich nicht freut, hängt die Reaktion darauf laut Adloff davon ab, wie belastbar die Beziehung zu der anderen Person ist. In manchen Fällen sei es besser, den Schein zu wahren, weil die Bindung sonst entgleite. In anderen Fällen sei es sinnvoller, das Missfallen offen anzusprechen. Zusätzlich zur Frage, ob man es thematisiere, käme es auch auf den Zeitpunkt an. Sagt man sofort beim Auspacken etwas oder erst, wenn Tage, Wochen oder Monate vergangen sind?

„Beim ersten Mal traue ich mich vielleicht nicht. Bekomme ich aber immer wieder etwas geschenkt, das mir nicht gefällt, ist das eine Möglichkeit, es anzusprechen. Irgendwann hat man aber auch den Moment verpasst“, sagt Adloff. Manche veränderten dann ihr eigenes Schenkverhalten und schenkten absichtlich auch etwas, das der Person nicht gefalle. „Man muss gut überlegen, ob und wie man es thematisiert“, sagt der Soziologe.

Es kommt nicht auf den Preis an

„In jedem Geschenk liegt auch eine Chance, das ist das Schöne“, findet Adloff. Er nennt ein Beispiel: Vielleicht fragt die Oma immer, was sie schenken kann und ist unglaublich froh, wenn die Enkel*innen sagen, über Geld freuen sie sich, dann hat das Grübeln ein Ende. „Und genauso kann es sein, dass die Oma trotzdem etwas Persönliches schenkt, das Enkelkind überrascht ist, sich riesig freut und sagt: ‚Wow, ich hätte gar nicht gedacht, dass mir das gefallen könnte.’“ Dann ist die Freude umso größer – auf beiden Seiten.

Dabei kommt es übrigens nicht auf den finanziellen Wert des Geschenks an. Eine Studie der US-Forscher Gabrielle Adams und Francis Flynn hat ergeben, dass es beim Schenken nicht um den Preis geht, den wir bezahlen. Ob günstig oder teuer, Möglichkeiten, andere glücklich zu machen, gibt es viele.