Wieso du keine Weihnachtsromanze in Dating-Apps finden wirst

Kuschelig zu zweit Weihnachten feiern, für viele eine schöne Vorstellung. Dating-Apps wie Tinder, Bumble, Ok Cupid & Co. eignen sich allerdings nur bedingt als Santas Romantikhelfer. Besser: rausgehen.

weihnachten beziehung

Single Bells oder Ihr Tinderlein singet? Foto: freestocks.org / Unsplash | CC0

Weihnachten – Zeit der schneekugeligen Kitschfilme und romantisierten Erwartungen von Geborgenheit und Liebe. Wäre es nicht besinnlicher, mit jemandem, dem*der man von Herzen ein paar Socken oder ein generisches Duftwässerchen schenken kann, unter der Tanne zu hocken, als womöglich einsam Trübsal zu blasen? Vielleicht sogar im ironischen Partner*innen-Weihnachtspulli?

Und weil die Suche danach ja so einfach geht, glühen in der Vorweihnachtszeit die Smartphonescreens mit den Lichterketten um die Wette; es wird geswipet, bis die winterlichen Frostfingerchen ganz warm werden.

Doch es dürfte wahrscheinlicher sein, verschneite Festtage zu erleben, als über Dating-Apps jemanden zu finden, mit dem*der du auf dem Weihnachtsmarkt verliebt in den Glühwein kichern kannst. Die exzessive Nutzung von Dating-Apps wie Tinder kann bei einigen Menschen sogar das Gefühl der Einsamkeit verstärken. Das zumindest hat eine Studie ergeben.

So machen Dating-Apps einsamer

Forscher*innen haben für die Ohio State University 269 Studierende unter anderem nach ihren Onlinedating-Gewohnheiten und ihren sozialen Ängsten gefragt. Ergebnis: Wer stärkere Unsicherheiten und Ängste aufweist, fühlt sich wohler, Kontakte online und über Apps als von Angesicht zu Angesicht zu suchen. Ist ja auch logisch und nachvollziehbar.

Allerdings kann das laut Studie mitunter zu einem Problem werden. Besonders der Faktor Einsamkeit spielt demnach eine entscheidende Rolle: „Wenn die Teilnehmenden außerdem einsam waren, wurde das Problem dadurch signifikant. Diese Kombination führte zu zwanghafter Nutzung und negativen Folgen“, sagt Studienautorin Kathryn Coduto laut Uniwebseite.

„Wir hatten Teilnehmende, die auf der Arbeit oder im Unterricht gefehlt oder Schwierigkeiten bekommen haben, weil sie permanent in die Dating-Apps auf ihren Telefonen geguckt haben“, so Coduto. „Sie können einfach nicht aufhören zu wischen.“ Es ist schließlich kein Zufall, dass die Apps so ähnlich konzipiert sind wie Spiele und das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren.

Glückssuche im Pool aus Beliebigkeit

Nur die echte Belohnung in Form von Intimität und Nähe findet oft nicht so statt wie gewünscht. 30 Milliarden Matches weltweit gibt Tinder an, doch längst nicht jedes Match ist ein Treffer. Mit vielen Kontakten schreibt man nie, mit einigen nur kurz, mit manchen etwas länger und vielleicht sogar auf anderen Plattformen. Und dann hört’s plötzlich auf. Das kann man Ghosting nennen, Beliebigkeit, Unverbindlichkeit oder „Next!“-Mentalität.

Laut einer BBC-Umfrage aus dem vergangenen Jahr unter mehr als 2.000 jungen Menschen zwischen 16 und 34 Jahren war Onlinedating auch der am wenigsten beliebte Weg des Kennenlernens. Oder wie eine Freundin von mir mal zusammenfasste: „Man muss ganz schön lange ganz schön tief in einem Pool mit Scheiße tauchen gehen und einfach hoffen, irgendwann eine Goldmünze zu finden.“ Klingt wenig weihnachtlich und auch gar nicht mal so romantisch.

Single Bells statt Ihr Tinderlein kommet

Ob man sich wirklich toll findet und die Chemie alles glitzern lässt, kann man eh nur bei einem echten Treffen feststellen. Dating-Apps erweitern den potenziellen Personenkreis, aber eben nur theoretisch. Irgendwann werden Kaffee oder Cocktail & Co. fällig. Und wenn man sich dann nach ausgedehntem virtuellen Kontakt in 3D gar nicht so knorke findet, kann das ziemlich schräg werden.

Eine Alternative könnte möglicherweise sein, die Dating-App direkt auszulassen und rauszugehen. Also, in eine Bar oder einen Club. Eventuell zu einem Sport- oder Musikverein. Auf Veranstaltungen, Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen. Einfach dahin, wo sich Menschen tummeln, die das gleiche interessant und wichtig finden wie du selbst.

Klar – wer gern auf Dating-Apps wie Tinder, Bumble oder OK Cupid unterwegs ist, soll das natürlich auch weiterhin und auch in der Vorweihnachtszeit nach Herzenslust tun und sich dort an der endlosen Parade von Menschen erfreuen. Aber vielleicht ohne den Druck, dort die Romanze zu finden, die jetzt in dieser harmoniegetränkten Jahreszeit das einsame Herzchen wärmt. Wie Kathryn Coduto sagt: „Besonders, wenn du einsam bist: Sei umsichtig mit deinen Entscheidungen, reguliere deine Nutzung.“

Außerdem: Wer behauptet eigentlich, dass Weihnachten ohne Beziehung nicht schön sein kann? Niemandem Socken oder Parfüm schenken, kein Stress mit fremden Eltern, alle Zimtsterne und Dominosteine für sich allein – das kann auch ziemlich fein sein. Oder auch: Single Bells statt Ihr Tinderlein kommet.