Wieso du lieber nicht im Bett arbeiten solltest

Aufwachen und noch im Pyjama loslegen – klingt gemütlich, oder? Tja, leider gibt es gleich mehrere Gründe, warum im Bett arbeiten keine brillante Idee ist. 

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Zugegeben: Es ist verführerisch. Foto: Ekaterina Bolovtsova / Pexels | CC0

Ich gestehe: Auch dieser Text wäre beinahe im Bett geschrieben worden. Es ist ja aber auch so verführerisch. Augen aufmachen, Smartphone greifen, Mails checken, ausführlicher antworten wollen oder müssen, Laptop nehmen, losschreiben … Und wenn man wieder zu sich kommt, ist es plötzlich Mittag und die Frage „Hab ich eigentlich Zähne geputzt?“ kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit beantwortet werden.

Es gehört zu den größten Herausforderungen im Homeoffice, Job und Privates voneinander zu trennen – sonst ist man quasi permanent auf der Arbeit und kann sich nicht erholen. Ein wichtiger Teil dessen ist, eine zeitliche Beschränkung der Arbeit einzurichten. Im Bett arbeiten ist das genaue Gegenteil davon.

Wenn man noch im Halbschlaf den Laptop oder das Smartphone zur Hand nimmt, dann beginnt der Arbeitstag, bevor man wirklich bereit dafür ist. Es findet eine Entgrenzung der Arbeit statt, die auf Kosten des Wohlbefindens und der seelischen Gesundheit gehen kann.

Arbeitsorganisatorisch ist es daher schlauer, erstmal richtig aufzuwachen, einen Kaffee oder Tee zu trinken, zu duschen, joggen zu gehen, Yoga zu machen – wie auch immer der morgendliche Ablauf normalerweise auch außerhalb des Homeoffices aussieht – und sich erst dann an die Arbeit zu machen.

Also: Keine beruflichen Mails vor dem ersten Kaffee, zeitlich einen klaren Arbeitsbeginn (und ein Ende) festlegen. Das erfordert ein bisschen Disziplin und Routine, lohnt sich aber.

Ergonomische Hölle

Dass im Homeoffice keine Expert*innen für Arbeitssicherheit die Möbel auf Eignung prüfen können, ist klar. Aber selbst der wacklige Küchentisch ist ein besser geeigneter Arbeitsplatz als das Bett. Susanne Weber, Ergonomieberaterin und Physiotherapeutin, die Arbeitsplätze sowohl in Büros als auch im Homeoffice und in der Produktion analysiert, erklärt die ergonomischen Aspekte.

„Besonders der Nacken – genauer gesagt die Halswirbelsäule – leidet bei einer lang andauernden Benutzung des Smartphones oder Laptops bei einer nach vorne geneigten Kopfhaltung“, sagt die Ergonomieberaterin.

Denn je weiter er nach vorn fällt, desto schwerer wird der Kopf. Vom Durchschnittsgewicht fünf Kilo in neutraler Position kann sich das Gewicht bei 45 Grad Neigung mehr als vervierfachen. Das belastet logischerweise Bänder und Kapseln in der hinteren Halswirbelsäule und führt laut Susanne Weber zu Spannung in der Nackenmuskulatur.

Und das macht sich bemerkbar. „Folgende Symptome können auftreten: Verspannungen, aber auch Kopfschmerzen, Sehstörungen, Augenbeschwerden oder Gleichgewichtsstörungen“, erläutert die Expertin.

Doch auch der Rest des Rückens leidet, wenn der Hintern in die weiche Matratze und die Wirbelsäule ungestützt und schief in die Kissen sinkt. Menschen mit Problemen in der Lendenwirbelsäule merken zum Beispiel deutlich, wenn sie einige Zeit im Bett arbeiten.

Das Rumlümmeln tut nicht nur akut weh, sondern macht laut Susanne Weber sogar dauerhaft etwas mit dem Körper: „Langes statisches Sitzen und besonders krummes Sitzen hat krankmachende Effekte auf das Muskel-Skelett-System, das Herz-Kreislauf-System und das Gefäßsystem.“

Das Bett ist privat

Ein weiteres Problem dabei, das Bett zum Arbeitsplatz zu machen: Abschalten fällt schwerer. Das Bett ist ursprünglich ein Ort der Erholung und Ruhe. Wer dort nervige Job-Mails liest oder sich stundenlang mit unschönen, schwierigen oder komplizierten Aufgaben beschäftigt, macht dem Gehirn das Runterfahren unnötig schwer; das Signal „Aha, Bett = schlafen“ funktioniert irgendwann nicht mehr.

Und das kann dann zum Beispiel zu abendlichen Einschlafschwierigkeiten führen. Denn genau so, wie man morgens im Bett ins Arbeiten reinrutscht, rutscht die Arbeit dann abends auch mit ins Bett.

Deshalb ist – sofern möglich – zusätzlich zur zeitlichen auch eine räumliche Trennung von Arbeits- und Ruhebereich so wichtig. Nicht nur für die eigene Erholung, sondern durchaus auch für die Arbeit. „Um produktiv zu arbeiten, muss die Arbeit an einem Tisch erfolgen“, stellt Expertin Susanne Weber klar.

Bewegung muss sein

Um im Homeoffice nicht völlig zu versumpfen und sich nicht Rücken und Nacken zu ruinieren, ist also Action angesagt. „So viele Haltungswechsel wie möglich“, rät Susanne Weber. „Und spätestens nach zwei Stunden aufstehen und sich bewegen.“

Dieser einfachen Lösung steht ungünstigerweise der Hauptgrund entgegen, aus dem Menschen wider besseren Wissens im Bett arbeiten: Bequemlichkeit. „Es ist einfach gemütlicher im Bett“, sagt Susanne Weber. So zumindest die Annahme. Dazu komme im Homeoffice ein Gefühl von „mich sieht ja eh niemand“.

Doch langfristig tut im Bett arbeiten weder der Arbeit noch dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden gut. Und Hand aufs Schlafshirt: Nach über acht Stunden ist es auch echt nicht mehr gemütlich.