Wieso ich Bürohunde verbieten würde

Wer Bürohunde nicht total süüüß und toooll findet, wird sozial geächtet. Dabei gibt es gute Gründe, die Vierbeiner vom Arbeitsplatz zu verbannen.

Unsere Autorin hat keinen Bock auf den Bürohund.

Unsere Autorin hat keinen Bock auf den Bürohund. © Avigyan Chatterjee/Unsplash | CC0

Bürohunde sind im Trend. Angeblich sorgen sie für weniger Stress und mehr Arbeitsplatzzufriedenheit, entspannen die Leute, verhindern Depressionen und Burnout und sogar Herz-Kreislauferkrankungen. Sie sind so eine Art Allzweckwaffe, vermutlich heilen sie auch Krebs. Außerdem sind sie doch soooooo süß!

Sorry, finde ich nicht.

Es gibt Menschen, die sind allergisch gegen Hunde. Es gibt Menschen, die haben Angst vor Hunden. Und zwar so richtig. Panisch! Und es gibt Menschen, so wie mich, die haben einfach nicht so viel für sie übrig. Das hier ist ein Büro, es ist ein Arbeitsplatz und kein Tummelplatz für Hunde. Nennt mich spießig, aber ich stehe einfach nicht drauf.

Eine Privatangelegenheit als Problem des Büroteams?

Ich bin eigentlich ein tierlieber Mensch, allerdings bin ich eher Katzenfan. Ich habe kein großes Problem mit Hunden, ich habe keine Angst vor ihnen, aber ich stehe auch nicht auf sie. Ich habe nichts übrig für das gefallsüchtige und dienstbeflissene Naturell von Hunden. Ich mag ihren Geruch nicht sehr (die Duftnote „Nasser Hund“ verabscheue ich regelrecht), und viele von ihnen sind entsetzlich aufdringlich (ihre Besitzer*innen finden das häufig auch totaaaal süß!). Die sabbernden Exemplare sind in diesem Zusammenhang ein besonderes No-Go für mich. Als Jogger*in kann man sogar regelrechten Hass auf Hunde entwickeln, wenn man mal wieder in vollem Lauf von irgendeinem „Tutnix“ verfolgt wird und der*die Besitzer*in unfähig ist, seinen Hund abzurufen.

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Ich kenne Bürohunde schon aus früheren Jobs. Ich erinnere mich gut an Thorben und seinen Hund Marvin, eine französische Bulldogge. Thorben hatte sich Marvin angeschafft, nachdem er bei uns angefangen hatte. In seinem Büro konnte Marvin jedoch nicht sein, da Thorbens Zimmerkollegin Allergikerin war. Also gab er den Hund tageweise rotierend an Kolleg*innen ab. Ich weiß noch, dass mein Mitarbeiter Helge nach seinem Urlaub etwas bestürzt zu mir kam, weil seine Zimmerkollegin Viola in seiner Abwesenheit einfach zugestimmt hatte, den Hund einen Tag die Woche zu nehmen. „Ich will kein Arschloch sein“, erklärte Helge etwas unangenehm berührt, „aber ich will den nicht bei mir im Büro.“ Er hatte meine volle Unterstützung.

Kein Hundefan? Monster!

Ich selbst hatte Thorbens Anfrage, ob ich Marvin regelmäßig beherbergen würde, abgelehnt – und fragte mich gleichzeitig, ob er eigentlich im Rahmen der ganzen Angelegenheit irgendwann mal nachgedacht hatte? Hatte er sich nie überlegt, was in der Arbeitszeit mit dem Hund passieren würde? Warum machte er seine Privatangelegenheit zum Problem des Büroteams? Ich habe kein Tier, obwohl ich gerne eines hätte – weil mir klar ist, dass das als in Vollzeit berufstätige*r Großstadtbewohner*in problematisch ist. Ich weiß, dass ich einer Katze nicht gerecht werden kann, also habe ich eben keine.

Ich persönlich fände ja eine Bürokatze total cool, aber mir ist bewusst, dass es Menschen gibt, die Katzen nicht mögen (und im Gegensatz zu manchen Hundebesitzer*innen, die jeden Menschen, der Hunde nicht mag, für ein Monster halten, nehme ich das niemandem übel), also würde ich nie darauf drängen, eine solche zu etablieren. Bei der Leidenschaft von Katzen für Schläfchen auf Tastaturen könnte es durchaus zu arbeitsleistungsvermindernden Störungen kommen.

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Mit Bürohunden musste ich mich aber immer wieder notgedrungen abfinden. Hat der*die Besitzer*in ein Einzelbüro, dann meinetwegen – wobei der Geruch dieser Büros, wenn man reinkommt, bisweilen recht überwältigend ist. Wobei auch das nicht immer so wirklich optimal ist. Ich erinnere mich an einen Fall, wo der Vorgesetzte der Hundebesitzerin eine heftige Hundephobie hatte – die Situation war eigentlich eine Zumutung für ihn, weil er das Büro seiner Mitarbeiterin nicht betreten konnte. Die Irrationalität seiner Angst war ihm bewusst, aber er kam nicht dagegen an.

Sozial geächtet dank Mops-Aversion

Selbst wenn man keine Angst vor Hunden hat, kann man sie aber lästig finden – speziell im Großraumbüro. Kerry, der Mops in meinem jetzigen Büro, ist besonders lästig. Ich weiß nicht, warum man diese Hunde züchtet, sie sind hässlich in meinen Augen, sie gehören zu den Qualzuchten, und bei Kerry merkt man das. Er schnauft, röchelt, schnorchelt, schnaubt und schnieft, wenn er schläft, schnarcht er lautstark. Er hat offenbar Verdauungsprobleme, denn er pupst dauernd. Immer mal wieder wird gebellt. Er läuft ständig mit seinem Spielzeug durch die Gegend und belästigt sämtliche Kolleg*innen in unserem weitläufigen Großraumbüro. Die anderen scheint das nicht zu stören, sie sind entzückt, wenn er vorbeikommt. Ich bin genervt, sage aber nichts. Mir ist bewusst, dass ich mich mit Kritik zum Social Outcast machen würde.

Und genau da haben wir das Problem. Wenn das Gespräch auf Bürohunde kommt, argumentieren Befürworter*innen gerne: „Ja, wenn es für alle okay ist, dann ist doch alles gut.“ Genau. Wenn. Tatsache ist aber: Viele Leute trauen sich genauso wenig wie ich, etwas gegen die felligen Kolleg*innen zu sagen. Wenn der Rest der Belegschaft auf das Tier steht, ist man der totale Buhmann, wenn man sich dagegen ausspricht und dann am Ende der Hund nicht mehr anwesend sein darf. Man hätte sich die ewige Feindschaft des*der Besitzer*in gesichert, der Rest der Kolleg*innen wäre zumindest leicht sauer.

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Ich bezweifle, dass all die einstimmigen Abstimmungsergebnisse für Bürohunde, von denen mir immer so erzählt wird, wirklich alle aus freien Stücken zustande gekommen sind. Ich vermute eher, dass es in den meisten Belegschaften auch Leute gibt, die dem sozialen Druck nachgeben und einfach nichts dazu sagen. Ich persönlich wurde in diesem Fall nicht einmal gefragt – ich kam neu ins Unternehmen, Bürohunde sind Usus. Sollte ich mich als neue Mitarbeiterin gleich mal so richtig unbeliebt machen?

Euer Hund ist nicht das Problem der Allgemeinheit

Ich kann nur an alle Hundebesitzer*innen appellieren: Wenn ihr euren Hund mitbringt, dann sorgt dafür, dass er niemanden belästigt oder beeinträchtigt. Wenn ihr im Großraumbüro sitzt, dann verzichtet einfach darauf, es ist zu viel verlangt von den Kolleg*innen. Es ist nicht Problem der Allgemeinheit, dass ihr einen Hund habt. Und vor allem: Denkt doch mal nach, bevor ihr euch ein Tier anschafft.

Wer einen Acht-Stunden-Bürojob hat, der sollte sich vielleicht einfach mal überlegen, ob ein Hund das Richtige ist. Wer Hunde liebt, der kann sich vielleicht auch als Hundesitter*in oder als Gassigeher*in beim Tierheim verdingen, um seinen Lieblingstieren nahe zu sein. So wie ich gelegentlich Katzen von Urlaubenden hüte, um mal ein Tier zu haben, das ich knuddeln und von dem ich mich in unnachahmlicher Weise ignorieren und herablassend behandeln lassen kann.

von Alex Rodeck auf EDITION F

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