Wieso kostet pflanzliche Milch in vielen Cafés immer noch extra?

Wer auf Kuhmilch verzichten möchte, zahlt in Cafés häufig einen Aufpreis für pflanzliche Alternativen. Das ist nicht nur ökologisch daneben. Ein Kommentar

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Ja, wir haben auch Sojamilch. Kostet aber extra. Foto: Robert Bye / Unsplash | CC0

Cappuccino: 2,70 Euro, Soja-, Hafer-, Reismilch: +0,30 Euro. Dreißig fucking Cent mehr – und das nicht mal für extravaganten Karamell- oder Schokosirup. Obwohl pflanzliche Milchalternativen in den meisten Cafés mittlerweile gang und gäbe sind, kosten sie oft mehr. Sogar bei großen Ketten wie Starbucks, die mit ihrer Unternehmensgröße doch eigentlich Vorreiter*innen sein könnten, zahlen Kund*innen drauf. Das ist auf vielen Ebenen ziemlich daneben. Pflanzliche Milch ist nicht nur ökologischer und mit weniger Tierleid verbunden, sie kann mit Kuhmilch auch ernährungstechnisch mithalten.

Wie kann ein Laden in Zeiten von Fridays for Future und täglich neuen, verheerenden Meldungen zur Klimakrise das so völlig ignorieren? Fakt ist: Wer den Planeten schützen will, sollte lieber auf tierische Produkte verzichten. Durch die Viehzucht allein wird laut Worldwatch Institute weltweit so viel CO2 ausgestoßen wie durch alle Autos, Flugzeuge, Gebäude, Kraftwerke und Fabriken zusammen. Das sind über die Hälfte aller Emissionen. In seinem Buch Wir sind das Klima macht Autor Jonathan Safran Foer deutlich, dass wir den Klimawandel am ehesten durch eine andere Ernährung verlangsamen können. Wenn Cafés einen Extrapreis für pflanzliche Milchalternativen verlangen, handeln sie damit eher kontraproduktiv.

Einmal mit Hafermilch, bitte

Aus preislicher Sicht verleitet die günstigere Kuhmilch eher zum Kauf. Dabei muss man sich fragen: War der Pflanzendrink im Einkauf so teuer oder die Kuhmilch einfach nur sehr billig? Indem Soja-, Hafer- oder Reisdrink auf der Karte oft ganz unten stehen und mehr kosten, wirken sie außerdem elitär und erhalten gleichzeitig ein Stigma pflanzlicher Ernährung aufrecht: Das ist die Milch für „die anderen“, die komische Gruppe an Leuten, die doch nur so tut, als würde ihnen ein Cappuccino mit Pflanzendrink tatsächlich schmecken. Dass sich auch die einst flockende und leicht säuerlich schmeckende Sojamilch längst weiterentwickelt hat, wird dabei völlig übergangen. Das schlechte Image lebt weiter, obwohl es längst überholt ist.

Gleichzeitig manifestiert der Aufpreis etwas, das wir seit unserer Kindheit beigebracht bekommen haben: Kuhmilch ist gesund, wir sollen sie trinken, um groß und stark zu werden. Dass hinter diesem Glauben letztlich eine gute PR steckt, wissen die meisten Menschen nicht. Damit sei nicht gesagt, dass Drinks auf pflanzlicher Basis zwangsläufig gesünder sind – aber sie sind definitiv, mittlerweile auch geschmacklich, eine echte Alternative.

Eine preisliche Angleichung bedeutet Akzeptanz. Sie kann einen Sonderwunsch in eine ganz normale Bestellung verwandeln. Das kann bestenfalls noch mehr Menschen dazu bewegen, häufiger auf ein pflanzliche Milchalternative zurückzugreifen und hebt Kuhmilch von seinem gefühlt unumstößlichen Podest. Für die Cafés entsteht dadurch kein Nachteil. Sie dürften eher neue Kund*innen dazu gewinnen, die den nachhaltigen Gedanken zu schätzen wissen.