1970 hat uns noch eine Erde gereicht, heute brauchen wir schon 1,75

Heute hat die Menschheit die natürlichen Ressourcen aufgebraucht, welche die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Den Rest des Jahres beuten wir unseren Planeten aus. Dieses Datum erreichen wir jedes Jahr früher.

Wir leben über unsere Verhältnisse. Illustration: © ze.tt / Elif Kücük

Der Earth Overshoot Day markiert das Datum, an dem die Menschen alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht haben, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Bedeutet: Ab dem Earth Overshoot Day, auch Welterschöpfungstag genannt, leben wir über unsere natürlichen Verhältnisse.

Das Datum fällt dieses Jahr auf den 29. Juli – und ist damit früher als je zuvor. Laut Berechnungen haben wir 1971 erstmals mehr Ressourcen verbraucht, als die Ökosysteme regenerieren konnten, das Datum fiel auf den 21. Dezember. Seitdem ist der Welterschöpfungstag im Kalender immer weiter nach vorne gerückt: 1990 war er am 7. Dezember, 2000 am 1. November, 2010 am 21. August, seit 2019 befinden wir uns erstmals im Monat Juli.

Nach sieben Monaten leben wir auf Pump

1961 verbrauchte die Menschheit noch 0,73 Erde-Einheiten, was bedeutet, dass nicht sämtliche Ressourcen verbraucht wurden, sondern Reserven übrig blieben. Seit 1971 übersteigt der jährliche Verbrauch die global zur Verfügung stehenden Ressourcen. 2005 verbrauchten wir Ressourcen, als hätten wir 1,54 Planeten. Und 2019 werden wir Ressourcen bereits 1,75-mal schneller verbrauchen, als die Ökosysteme diese regenerieren können.

Grafik: ze.tt / Manuel Bogner

Berechnet wird der World Overshoot Day von der Nichtregierungsorganisation Global Footprint Network. Dabei geht die Berechnung davon aus, dass die Erde über eine bestimmte Fläche verfügt, die etwa mit Seen und Wäldern bedeckt ist. Diese Fläche bezeichnet das Netzwerk mit dem Begriff Biokapazität. Dem gegenüber steht der ökologische Fußabdruck, also die Flächen, die für Acker- und Weideland, Gebäude und so weiter verbraucht werden.

Wenn der ökologische Fußabdruck größer ist als die Biokapazität, leben wir zulasten der natürlichen Ressourcen. Es gibt aber auch Kritik am Konzept des Global Footprint, weil etwa aussterbende Arten bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden und der Fokus stark auf dem Kohlendioxidausstoß liegt.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Das Netzwerk berechnet nicht nur den globalen Welterschöpfungstag, sondern auch die Werte für einzelne Länder. Der deutsche Overshoot Day war bereits am 3. Mai 2019. Bedeutet: Würde die ganze Welt so leben wie die Deutschen, wären die Ressourcen bereits nach gut vier Monaten aufgebraucht und würde drei statt 1,75 Erden in Anspruch nehmen.

Auf der Seite des Global Footprint Networks kannst du selber herausfinden, wie viel Fläche der Erde du für deinen Lebensstandard brauchst. Wie oft isst du Fleisch? Wie viel fliegst du im Jahr? Wie viel Müll wirfst du weg? Erfahre, wie viele Erden benötigt würden, wenn alle Menschen so lebten wie du, und ab welchem Tag im Jahr deine Erde erschöpft wäre.