Jugendliche erzählen, warum sie geheime Instagram-Accounts haben

Einen Instagram-Account hat fast jede*r. Jugendliche haben manchmal sogar geheime Zweitkonten. Wir haben sie gefragt, wofür sie ihre geheimen Accounts nutzen.

Geheime Instagram-Accounts: Wir haben Jugendliche zu den Gründen befragt

Warum entscheiden sich Jugendliche für einen geheimen Instagram-Account? Foto: © Ian Dooley / Unsplash | CC0

Fast alle haben einen, manche sogar zwei: Die Rede ist nicht von Reisepässen, sondern von Instagram-Accounts. Manche Jugendlichen bespielen zwei Instagram-Accounts mit Fotos. Eines der Konten zeigt dann die instagrammable Seite der Person: ästhetische Bilder, beeindruckende Landschaftsaufnahmen und möglichst vorteilhafte Fotos. Das ist der öffentliche Account. Der zweite ist privat und wird auch finsta (fake instagram) genannt. Dort werden alle Bilder gepostet, die nicht öffentlich sichtbar, gleichzeitig aber anderen Menschen gezeigt werden sollen. Auf diesen verborgenen Konten gilt meistens wortwörtlich: #nofilter.

Sechs Jugendliche haben uns erklärt, warum sich die doppelte Kontoführung lohnt.

Zwischen professionell und ganz privat

Johannes, 17

Durch meinen anonymen Zweit-Account bekomm ich so ehrliches Feedback.“ – Johannes

„Auf meinem ersten Account soll es nur um mich gehen. Ich stelle Bilder von mir und Freund*innen rauf. Mein Zweit-Account hingegen besteht hauptsächlich aus hochwertigen Fotos von Landschaften oder Objekten, die ich selbst gemacht habe. Hier geht es weniger um mich, sondern mehr um das, was ich sehe und wie ich es in Szene setzen kann. Die selbstgemachten Bilder, die ich poste, entstehen großteils auf Übungs-Touren bei denen ich neue Sachen ausprobiere. Durch meinen anonymen Zweit-Account bekomm ich so ehrliches Feedback.

Durch den Zweit-Account, der kein Bild von mir selbst zeigt, kann ich auch Leuten folgen, die meinen Erst-Account nicht als Follower angenommen hätten. Dadurch fällt es leichter etwas über jemanden herauszufinden und nebenbei anonym zu bleiben. Mein Zweit-Account ist also nicht nur für Feedback gedacht, sondern dient auch als Informations-Quelle.“

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Sarah, 16

„Ich habe einen geheimen Instagram-Account, damit mein Hauptaccount übersichtlicher bleibt und nicht zu viele Bilder gepostet werden. Die Bilder am privaten Account sollen eher Schnappschüsse sein, die ich ohne großes Bearbeiten und ohne aufwendige Bildunterschriften hochlade. Hier kann ich so viel posten und ausprobieren wie ich will. Außerdem nehme ich am Zweit-Account nur Leute an, die ich wirklich kenne.“

Lisa, 17 Jahre

Der geschützte Account ist nur für meine Freund*innen und mich.“ – Lisa

„Ich habe einen öffentlichen Account, weil dieser für alle Menschen da draußen ist, die sich für mich und meine Bilder interessieren. Die Bilder sind eher professionellere Bilder, die ich auch öffentlich posten möchte. Der geschützte Account ist nur für meine Freunde und mich. Dort poste ich Bilder, die eher privater und zu verrückt sind, um sie der ganzen Welt zu zeigen. Diese Bilder, die nicht die ganze Welt sehen muss, entstehen zum Beispiel bei Partys. Da ist man angetrunken. Das ist nur eine Erinnerung für mich und meine Freunde. Aber auch im Alltag können komische Bilder entstehen, wenn man einfach das Kind in sich raus lässt. Dann macht man komische Selfies mit Grimassen oder Ähnliches.“

Scheinbar ist es einigen Jugendlichen ziemlich wichtig, welche Botschaft ihr offzieller Instagram-Account sendet. Professionell, ernsthaft und übersichtlich: Dieses Image soll ihr öffentlicher Account vermitteln. Davon trennen sie ihre privaten Erlebnisse. Die große Öffentlichkeit soll von wilden Partys und albernen Momenten nichts mitbekommen.

Im Zweit-Account verstecken sich die weniger perfekten Momente

Madeleine, 17 Jahre

„Auf mein normales öffentliches Profil können alle raufschauen. Dort lade ich Bilder hoch, die ich bearbeite und bei denen ich mir Mühe gebe. Ich schreibe Texte darunter und markiere meine Freund*innen. Mein privater Account unterscheidet sich dadurch, dass die Fotos nicht so perfekt sind, sondern einfach just for friends. Dort sind Bilder die ich nicht auf meinem öffentlichen Account posten würde, weil sie entweder peinlich sind oder ich nicht perfekt aussehe. Zum Beispiel ein Bild auf dem ein Freund mich trägt, weil ich betrunken war. Alle Posts sind auch komplett unbearbeitet oder, wenn sie bearbeitet sind, dann nur ganz wenig.

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Das zweite Profil ist nur für Freund*innen gedacht, es ist privat. Das heißt, da können mir nicht alle folgen. Ich nehme nur die Anfragen von Leuten an, die ich kenne. Ich folge auch nicht allen zurück. Nur Freunden und nicht irgendwelchen Promis. Auf meinen Privat-Account stelle ich auch Bilder, die ich lustig finde, die ich jetzt aber nicht öffentlich zeigen würde, weil ich es peinlich fände, wenn es alle sehen können.“

Anna, 16

„Also für mich persönlich ging es irgendwie darum, dass mein Main Account öffentlich ist. Da ich dort auch schon mehr als 1.100 Follower*innen habe. Deshalb habe ich immer nur schöne Bilder gepostet. Mir folgt auf diesem Account ja auch meine Familie und Freund*innen von meiner Mutter. Deswegen sind das eher so schöne und überlegte Bilder. Mich hat aber irgendwann extrem gestört, dass ich viele Bilder nicht posten kann und will, weil darauf irgendwer blöd aussieht oder weil Alkohol und Zigaretten zu sehen sind. Auf meinem Spam Account habe ich nur meine engsten Freund*innen angenommen und da gibt es dann auch einfach viel mehr Bilder und auch mal irgendeinen unnötigen Post.“

Maria, 17

„Ich habe einen privaten und einen öffentlichen Account auf Instagram. Ursprünglich hatte ich nur einen öffentlichen, habe dann aber bemerkt, dass ich immer wieder Bilder in meiner Galerie habe,  die ich eigentlich ziemlich cool finde, aber die ich nicht auf meinem öffentlichen Account posten könnte. Entweder, weil das Bild zu peinlich ist, ich nicht perfekt aussehe oder es irgendwelche Leute nicht sehen sollten. Deswegen hab ich dann einen privaten Account erstellt und da stell ich Bilder rein, die hauptsächlich vom Ausgehen stammen. Das können Bilder oder auch Selfies sein, auf denen ich eher nicht so gut aussehe. Und Dinge, die ich einfach lustig finde, aber die mir für meinen öffentlichen Account nicht geeignet erscheinen.“

Alkohol, Zigaretten, Partys: Dinge, von denen die Eltern dieser Jugendlichen nichts wissen wollen. Und sollen. Deshalb verstecken sie sie auf einem privaten Instagram-Account, den sie nur engsten Freund*innen zugänglich machen.

Der zweite Instagram-Account von Jugendlichen ist ein Versteck für jene Schnappschüsse und Bilder, die keinen Platz auf ihren durchdachten, offiziellen Konten haben. Statt bearbeiteten Schönheiten und malerischen Landschaften sieht man hier die Lebensrealität der jungen Menschen. Fast ohne Instagram-Filter.