Wir wissen jetzt, warum das Essen in der Werbung immer so gut aussieht

Wie entstehen die Werbeclips, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen? Der Visual Engineer Steve Giralt zeigt: nicht etwa am Computer.

Bildschirmfoto 2019-08-28 um 14.15.40

Dieser saftige Burger ist nicht etwa am Computer entstanden. Foto: Steve Giralt

Frisches Obst löst sich in einer farbenfrohen Explosion auf, artistisch fliegen saftig gegrillte Burgerbuletten durch das Bild und landen punktgenau auf einem perfekt getoasteten Brötchen samt knackigem Salat. Wir alle kennen die beeindruckenden Aufnahmen aus der Werbung, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Die Werbeclips suggerieren eine makellose Welt, die fernab jeder Realität zu liegen scheint. Wer aber denkt, diese Aufnahmen seien nur ein Produkt, das von einem Computer ausgespuckt wurde, irrt gewaltig. Einen ersten Hinweis darauf, wie sie tatsächlich entstehen, findet man auf dem Instagram-Profil des Videokünstlers Steve Giralt.

„Lover of Robots“ steht neben der eigentlichen Berufsbezeichnung des Fotografen. Steve Giralt ist nämlich viel mehr als das. Bereits während seines Fotografiestudiums am Rochester Institute of Technology im US-Bundesstaat New York merkte Steve, dass es mehr das Bewegtbild war, das ihn faszinierte. Das Videofaible sowie seine Faszination für Roboter führten dazu, dass er heute als Visual Engineer Werbeclips für die größten Unternehmen der Welt produziert.

Anstatt die Bilder künstlich am Computer entstehen zu lassen, nutzt der Künstler seine Roboterbegeisterung. Vor dem Dreh tüftelt Giralt gemeinsam mit seinem Team an aberwitzigen Konstruktionen, die für den perfect shot sorgen sollen. Für einen Werbeclip beispielsweise, der im Auftrag eines namhaften Getränkeherstellers entstanden ist, konstruierte Steve Giralt eine Apparatur, die echtes Obst in die Höhe katapultiert, während es von mit Fruchtsaft gefüllten Ballons beschossen wird, die an einer spitzen Nadel zerplatzen. Das Ergebnis: eine farbenfrohe Fruchtsaftexplosion, die den Zuschauenden die außergewöhnliche Frische des Saftes suggerieren soll.

Für die komplexe Essensinszenierung sind mehrere High-Speed-Roboter nötig, die darauf ausgelegt sind, schnelle Bewegungen flüssig abfahren zu können. Objekte fallen, explodieren, spritzen, drehen, rollen durch das Bild und werden zeitgleich von hochauflösenden Kameras mit bis zu 1.000 Frames pro Sekunde eingefangen. Für einen anderen Clip baute Giralt eine Art Aufzug, der die Zutaten eines Burgers auf eine bestimmte Höhe transportierte, ehe sie von einem Mechanismus fallen gelassen wurden, und sich die Einzelteile im Bruchteil einer Sekunde zu dem Sandwich komplettierten. Ein anderer Roboter lässt geschmolzene Schokolade zwischen zwei Kekse pressen, die dann zart an den Rändern hinabfließt.

Dem Ideenreichtum von Steve Giralt scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Das sei aber auch nötig, wie er auf seiner Webseite schreibt. Die Technik verändere sich so schnell, dass man die Dinge anders angehen müsse. Denn nur diejenigen, die bereit seien, anders zu denken, würden auch auffallen.