„Wo kann man hier masturbieren?“: Ein Hoch auf Deutschlands erste schwule Datingshow

Mit Prince Charming gibt es endlich eine schwule Version des Bachelors. RTL zeigt sie auf seinem kostenpflichtigen Streamingdienst, dabei gehört die Sendung ins Hauptprogramm. Eine Kritik

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Die Kandidaten geben sich größte Mühe, Prince Charming von ihren Qualitäten zu überzeugen. Foto: TVNOW

Rote Rosen gibt es keine, dafür schwarze Krawatten und 20 Männer, die um die Gunst von Prince Charming Nicolas Puschmann buhlen. Adelig ist der 28-jährige Account-Manager zwar nicht, einen royalen Auftritt legt er in Folge eins dennoch hin. Statt Stretchlimo, wie es beim Bachelor Standard ist, reist der gebürtige Hanseat in einer Pferdekutsche an, flankiert von sprühenden Feuerwerksfontänen.

Eigentlich ist es ziemlich peinlich, dass es bislang noch keine gleichgeschlechtliche Datingshow im deutschen Fernsehen gab. Neun Bachelors und sechs Bachelorettes mussten wir bereits auf der Suche nach ihrer*m heteronormativen Seelenverwandten begleiten. Ganz zu schweigen von den Bäuer*innen, Inselbesucher*innen und Schwiegertöchtern, die uns an ihrer Liebessuche teilhaben ließen. Sogar nackt sein durfte man im Reality-TV bereits, um den*die Partner*in fürs Leben zu finden. Aber schwul und als Mann auf der Suche nach Mr. Right – dafür war bisher kein Platz.

Jetzt ist ja aber zum Glück Prinz Nicolas zur Stelle und sucht beim RTL-Streamingdienst TV NOW seine bessere Hälfte. Und endlich wird Reality-TV wieder spannend: Denn auch unter den Kandidaten kommt es zu Annäherungen. Das gefällt Prince Charming natürlich weniger gut, macht die Show fürs Publikum aber umso interessanter.

Anfänglich gilt die volle Aufmerksamkeit noch dem Prinzen selbst. Einige Kandidaten sind geradezu schockverliebt. Nicolas erobert aber nicht nur die Herzen der Singlemänner: „Große Nase, großer Willi“, „Wo kann man hier masturbieren?“ – Kommentare wie diese zeigen, Mann ist nicht unbedingt schüchtern.

Große Nase, großer Willi

Dann beginnt das Fremdscham-Buhlen, das erstmal genauso unangenehm ist wie bei jeder anderen Datingshow. Dank Alkohol sind die Kandidaten sehr redselig und der Prinz gleich mal etwas überfordert bei so viel Inbrunst. Besonders zwei Teilnehmer fallen sofort unangenehm auf: Daniel und Lars sind befreundet, „trinken sich gern einen“ und kommentieren lautstark, was die anderen so von sich geben. Im hämisch Kommentieren und Herumzicken steht man hier vergleichbaren Formaten ohnehin in nichts nach: „Nennt die Fotze mich einfach Schlampe“. Und dann sind die Einzelgeschichten bei Prince Charming auch deutlich spannender.

Seine Hoheit und das Waxing in der Pofalte

So wusste Ihre königliche Hoheit selbst schon früh, dass er auf Männer steht, outete sich mit 15 und erhielt von seiner Familie vollsten Support. Andere hatten es da schwerer, kommen aus konservativen oder stark religiösen Familien, waren schon mit Frauen zusammen oder gehören zu einer „dreifachen Randgruppe: Schwarz, schwul und Ossi“. Dementsprechend verschieden sind auch die Werte der Teilnehmer: Die einen bereiten sich aktiv aufs Rumvögeln vor, während andere schon beim Gedanken daran Schnappatmung bekommen. Über die Info, dass sich der Prinz alle acht Wochen ein Anal-Waxing gönnt, sind dann tatsächlich alle Kandidaten etwas verstört.

Bedauernswert ist, dass Prince Charming bisher nicht im Free-TV läuft, man sich stattdessen bei TV NOW anmelden und zahlen muss. Denn Deutschlands erste schwule Datingshow hat absolutes Hauptprogrammpotenzial. Hoffentlich kann Nicolas auch bald den Zuschauer*innen im regulären Fernsehen zeigen, „dass ein Kuss zwischen zwei Männern absolut nichts ist, wo man wegschauen sollte.“

Jeden Mittwoch wird eine weitere Episode zum Streamen bereitgestellt.