Worte nach einer Trennung: Das wollt ihr euren Ex-Partner*innen sagen

Manchmal fallen einem erst Jahre später die passenden Worte nach einer Trennung ein. Aber wann sollte man sie dem*der Ex sagen, wann für sich behalten?

beziehung-letzte-worte-photocase-poly-picture

"Danke, Ex, für die Lektion." Foto: Poly Picture / Photocase

Die Kehle ist zugeschnürt, das Herz erst recht, das Gehirn macht dicht: Wenn Trennungs- und Verlustschmerzen die Luft zum Atmen nehmen, wenn der Gefühlstornado alles zerschmettert, dann lässt sich kein klarer Gedanke mehr fassen. Und manchmal fallen einem erst nach Jahren die richtigen Worte nach einer Trennung ein.

Vielleicht konntet ihr damals nicht richtig auf Wiedersehen sagen, weil Schmerz, Trauer, Stolz, Scham oder Wut zu groß waren. Weil sich vielleicht die richtige Gelegenheit nicht geboten hat. Weil der*diejenige nicht zugehört hätte. Oder weil ganz einfach keine sinnvollen Sätze möglich waren.

„In den meisten Fällen ist man direkt nach einer Trennung einfach viel zu aufgewühlt und durcheinander, und es schwirren einem so viele Dinge durch den Kopf, dass es schwer ist, alles in Worte zu fassen“, erklärt die Trennungsexpertin Elena Sohn. „Meist spielt in diesem Moment auch die Angst vor der Reaktion des anderen eine Rolle – man taktiert eher, als dass man sagt, was man wirklich denkt.“ Stattdessen schleppt die Seele Unausgesprochenes durchs Leben wie einen Rucksack voller Sixpacks.

Darum fehlen die Worte nach einer Trennung

Mitunter dauert es wirklich verdammt lange, bis genügend Abstand gewachsen ist, um der Sache halbwegs objektiv begegnen zu können. Ohne Wutschaum vorm Mund und Toben im Herzen. Ohne lähmendes Schuldgefühl. Das liegt laut Elena Sohn an der Verarbeitung und inneren Einordnung des Geschehenen: „Man kann dann mit viel mehr emotionalem Abstand auf die Sache blicken und sieht klarer. Der Verarbeitungsprozess bringt zahlreiche Erkenntnisse mit sich.“

Beziehungen enden oder verkümmern aus den unterschiedlichsten Gründen, auch wenn es eine tiefe, große Liebe war. Und es kann dauern, bis ihr das alles wirklich begreift. Wie tief die Narben geworden sind, wie hoch inzwischen die Mauer ums Herz gewachsen ist, wie anhaltend das Bedauern und die Reue. Aber auch: wie groß die Dankbarkeit für die Beziehung sein kann, wie umfassend das Verzeihen und wie wichtig das Gelernte. Es kann helfen, die ungesagten Worte nach einer Trennung auszusprechen oder aufzuschreiben. „Das tut sehr gut und würde ich jedem empfehlen“, so Elena Sohn. „Das Schreiben zwingt uns zu viel mehr Reflexion, daher hilft es bei der Verarbeitung.“

Hier sind, als Beispiel, Trost oder Inspiration, letzte Worte nach einer Trennung, die anderen Menschen auf der Seele lagen:

„Es tut mir leid, Tim“

„Ich würde meiner ersten großen Liebe gern sagen, dass ich es bereue, wie ich zu ihm war, wie alles endete. Und ich würde mich aufrichtig entschuldigen. Ihm sagen, dass ich oft an ihn denke, dass selten ein Mann so gut zu mir war. Und ich bin sicher, dass wir heute glücklich verheiratet wären, wenn ich nicht so ein verdammt gewissenloses, herzloses Biest gewesen wäre. Es tut mir leid, Tim, und ich hoffe von Herzen, dass es dir gut geht und du ein wundervolles Leben hast. Du fehlst mir. <3“
— anonym über Tellonym

„Danke, Ex, für eine wertvolle Lektion“

„Mit Abstand betrachtet würde ich mich bedanken wollen. Für eine Lektion, die ich brauchte, um zu wachsen. Um zu lernen, auf mich zu achten und zu verstehen, dass ich es üben muss, Grenzen zu setzen ohne Angst vor Verlust. Also Verlust der Person. Denn mich selbst hatte ich fast verloren. Die Notbremse hatte ich viel zu spät gezogen. Und vielleicht wäre diese (wie auch Beziehungen davor) ganz anders gelaufen, wenn ich bei mir geblieben, für mich selbst gesorgt hätte – statt ständig die Bedürfnisse anderer zu erfüllen und nachher sooo unendlich lange zu brauchen, um endlich wieder halbwegs zu wissen, was MICH füllt. Ich habe dabei viel über mich selbst, meine Defizite und meine Stärken gelernt. Es ist noch ein langer Weg, das mit dem Bei-sich-Bleiben und Grenzensetzen, sich wertvoll genug empfinden, um nicht alles hinzunehmen und zu ertragen. Aber genau dafür bin ich dankbar. Ich habe erkannt, dass meist nicht einer der ultimativ Böse ist, sondern dass jeder mit seinem Verhalten in der Beziehung zu der Verknotung beiträgt. Und dass jeder für sich selbst die Verantwortung trägt, das zu lösen. Deshalb: Danke, Ex, für eine unglaublich wertvolle Lektion, die ich nur in der teilweise sehr schmerzhaften und destruktiven Beziehung zu dir endlich lernen konnte.“
— Lilli über jessyfromtheblog

„Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben“

„Ich weiß heute, dass wir zwei keine erfüllende, glückliche Partnerschaft gehabt hätten. Unsere Traumata sind sich einfach zu ähnlich. Und ich hätte sehr viel Energie in die Beziehung investieren müssen, die mir für andere, wichtige Dinge im Leben gefehlt hätte. Du hättest mir wahrscheinlich unabsichtlich immer wieder sehr weh getan – so, wie du ihr wehgetan hast. Damals konnte ich das nicht sehen, ich war blind vor Schmerz. Und trotzdem … Ich habe nie jemanden so geliebt wie dich. Unsere Liebe war wie im Kino. Ich hätte nicht gedacht, dass es so was wirklich gibt. Wie sich die Menge geteilt hat, wenn wir auf gegenüberliegenden Seiten der Tanzfläche standen. Wie ich immer gespürt habe, wenn es dir nicht gut geht. Wie gut wir miteinander reden und miteinander schlafen konnten. Unsere Seelen haben sich verknotet. Ich habe ganz lange nicht verstanden, dass große Liebe und erfüllte Partnerschaft nicht automatisch das Gleiche sind. Heute würde ich keine Beziehung mit dir wollen, obwohl mich die Trennung damals fast zerstört hat. Aber ich habe nie aufgehört, dich zu lieben. Und ich weiß, dass es dir genauso geht. Du bist immer für mich da, wenn ich dich brauche und wirst es immer sein, für alle Zeit. Genau wie umgekehrt. Manchmal macht es mich traurig, dass die große Liebe meines Lebens ausgerechnet du bist. Aber so ist es nun mal. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du glücklich bist und wirst. Du fehlst mir nicht, es geht mir gut. Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Ich wünsche mir nur, dass ich noch mal so eine Liebe erleben darf.“
—anonym über Tellonym

„Ein Gespräch wäre schön“

„Heute ist nichts mehr offen, das man einfach kurz so schreiben könnte. Aber heute wäre ein ehrliches, offenes Gespräch mal wieder schön. Zu sehen, was aus ihm geworden ist. Was noch da ist, von diesem Menschen, was sich verändert hat, ob man einander noch kennt.“
— Paleica über jessyfromtheblog

„Mein blanker Hass ist die Quittung für deine Lügen“

„Bei unserem letzten Treffen sagtest du mir, dass du mich liebst und dass mit mir der schönste Abschnitt deines Lebens begonnen hat. Ich fand das kitschig und einen Tick zu pathetisch. Eventuell habe ich sogar die Augen verdreht. Und trotzdem habe ich dich abgöttisch geliebt, nur sagen konnte ich es dir nie. Du warst für das Reden zuständig, ich für das Zeigen. Du hast noch in derselben Nacht bei einer Anderen geschlafen. Ich habe es noch in derselben Nacht durch einen dummen Zufall erfahren. Gesagt habe ich nichts, weil ich wissen wollte, welche Erklärung du mir dieses Mal auftischen würdest. Dass ich auf diese Erklärung bis heute warte, weil wir uns seither nie wieder gesehen haben, ist ein Armutszeugnis für deinen Charakter. Ich sei dir nach wie vor sehr wichtig, lässt du mich über Freunde wissen. Ob man denn keinen freundschaftlichen Kontakt haben könnte, lässt du über Freunde nachfragen. Zwei Jahre sind vergangen, ob ich dir noch etwas sagen möchte? Ja. Mein blanker Hass dir gegenüber ist keine irrationale Eifersucht oder Trotz, weil du dich ’nicht für mich entschieden‘ hast. Es ist die Quittung für deine Lügen, deinen emotionalen Missbrauch und deinen krankhaften Narzissmus. Wären wir heute Freunde, wenn du dich blöderweise einfach nur in eine andere Frau verliebt und mir das offen mitgeteilt hättest? Möglicherweise. Das hättest du erfahren, hättest du je mit mir darüber gesprochen. Das hättest du erfahren, wärst du kein emotionales Wrack. Was mich tröstet? Heute weiß ich: Du hast mich nicht nicht geliebt. Du weißt gar nicht, was Liebe ist. PS: Heute kann ich auch Danke sagen. Danke, dass du mich verlassen und mir viele weitere schlaflose Nächte und Selbstzweifel erspart hast. Danke, dass du mir gezeigt hast, wie ich mich nie wieder behandeln werden lasse. Danke, dass ich deinetwegen heute eine andere Sicht auf fremde Beziehungen haben und Partner von Menschen wie dir nicht mehr von oben herab bemitleide, sondern die Muster erkenne und Wege aufzeigen kann, wie man aus dieser Abwärtsspirale wieder hinauskommt.“
— anonym über Tellonym

„Reue und Trauer“

„Damals im Spanisch-Unterricht hatten wir den allerbesten Lehrer, er war lustig, klug und umwerfend. Eines Tages, ich weiß nicht mehr, wieso, sprachen wir über das, was wir im Leben am meisten bereuen. Er erzählte uns von einem Mädchen, in das er sehr verliebt gewesen war, mit dem es aber nicht geklappt hatte. Jahre später hat er sie am Flughafen gesehen, aber er hatte zwischenzeitlich geheiratet und sie deshalb nicht angesprochen. Ich werde mich immer an den Blick in seinen Augen erinnern, er war traurig und bittersüß. Das versteht man als Teenie nicht, aber als Erwachsene erkennt man Reue und Trauer. Einige Jahre später ist er gestorben. Ich frage mich immer, ob er sie je wiedergesehen hat.“
— Nicola via Facebook

Sagen, schreiben oder schweigen?

Es kann gut tun, seinen Gefühlen Luft zu machen und die Worte nach einer Trennung zu formulieren, die damals gefehlt haben – auch noch nach langer Zeit. Die Frage ist allerdings: Soll man es dem*derjenigen wirklich sagen oder lieber für sich behalten? Das meint die Trennungsexpertin Elena Sohn: „Mitteilen immer dann, wenn es darum geht, es für einen selbst loszuwerden. Darauf verzichten sollte man besser, wenn man es nur in der Hoffnung macht, beim anderen eine bestimmte Reaktion auszulösen.“

Also erst, wenn man tatsächlich mit der Beziehung abgeschlossen hat, wenn die Sätze nicht aus akutem Schmerz oder glühender Wut entspringen, wenn es nicht darum geht, den*die andere*n zu verletzen oder zurückzugewinnen – dann sind die Worte nach einer Trennung befreiend, klärend und vor allem heilsam.