#WWIII-Memes: So verarbeiten junge Menschen die Angst vor einem dritten Weltkrieg

Nach der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani trendete auf Twitter und TikTok der Hashtag #WWIII. Warum posten jetzt so viele junge Menschen vermeintlich lustige Memes?

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Ist es okay, über einen möglichen Krieg Witze zu machen? Screenshots: Twitter/@MariMestr/@ZovkoJoey/@PlayoffNugs. Collage: ze.tt

Seit vergangenem Wochenende posten vor allem junge Internetnutzer*innen Memes, die sich mit dem Konflikt zwischen den USA und Iran beschäftigen. Die Postings widmen sich insbesondere der Angst vor einem dritten Weltkrieg. Andere User*innen kritisieren die #WWIII-Memes: Das Thema sei zu ernst, um sich darüber lustig zu machen.

Warum gibt es die #WWIII-Memes überhaupt?

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat das US-Militär Kassem Soleimani durch einen Raketenangriff getötet. Soleimani war der Kommandeur einer iranischen Spezialeinheit, der Al-Kuds-Brigaden. Der Oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Khameini, schwor im iranischen Staatsfernsehen Vergeltung. „Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache.“ Seitdem diskutieren Menschen im Internet, ob es zu einem bewaffneten Konflikt zwischen Iran und den USA kommen könnte, der sich zu einem Weltkrieg ausweitet.

Am Freitag begann der Hashtag #WWIII, eine Abkürzung für World War III, auf Twitter und TikTok zu trenden. Unter dem Hashtag sind auch zahlreiche Memes zu finden, in denen sich User*innen über einen möglichen Krieg lustig machen. Ein TikTok-Video zeigt beispielsweise einen Ausschnitt aus der US-Fernsehserie Keeping Up With The Kardashians, in dem die Kardashian-Schwestern offenbar die Kontrolle über ihr Auto verlieren. Das Video trägt die Überschrift „Me and the girls when we steal a tank in WWIII“ – ich und meine Mädels, wenn wir während des Dritten Weltkriegs einen Panzer stehlen.

@sarahfaithxx#wwiii #ThatsWhatILike #turnitup #gymrush #BreakupWithBottled #fyp♬ original sound – sarahfaithxx

Viele junge Nutzer*innen witzeln in Memes und Videos, wie sie mit dem Eintreffen ihres Einzugsbescheids umgehen würden. Ein Twitter-Nutzer schrieb beispielsweise „Me omw to Mexico when I get my draft letter“ – ich auf dem Weg nach Mexiko, wenn ich meinen Einzugsbescheid bekomme. Der Text begleitet ein Video, das einen rasenden Hund zeigt, auf dem eine Spiderman-Puppe sitzt.

Sind #WWIII-Memes witzig oder makaber?

Mit den #WWIII-Memes diskutieren Internetnutzer*innen nicht nur darüber, ob ein Krieg bevorstehen könnte – was im Übrigen von den meisten Expert*innen als unwahrscheinlich eingeschätzt wird. Sondern sie diskutieren auch darüber, ob es okay ist, sich über einen möglichen Krieg lustig zu machen. „Während sich unter #WWIII und #Soleimani die Leute lustig machen, habe ich Angst“, twittert ein Nutzer. „Angst um deutsche Soldaten, die im #Irak stationiert sind, Angst um noch mehr Tote in der Golfregion, Angst um die iranische, irakische, israelische, palästinensische und arabische Bevölkerung.“

Das US-Magazin Insider hat Angehörige der Generation Z gefragt, warum sie auf eine so ernste Situation mit witzigen Memes reagieren. „Es gibt nichts, was ich oder die Mehrheit der Twitter-Nutzer tun können, außer zu warten, was passiert. Humor ist eine gute Art und Weise, mit Stress umzugehen“, antwortete unter anderem der 24-jährige Marshall Clark.

Er postete auf Twitter zwei Bilder des Charakters Mike aus dem Film Monster AG, das über die Reaktion auf die Nachricht von Soleimani reflektiert. Ein Bild zeigt Mike auf der Bühne des Comedy Clubs. Darüber steht: „Ich, wie ich über die #WWIII-Memes lache“. Das zweite Bild zeigt einen ernsten Mike mit Militärmütze. Darüber schrieb Marshall: „Ich, wenn ich tatsächlich eingezogen werde.“

„Niemand hat Ahnung davon, was los ist“

Der Journalist Ian Bogost sprach für The Atlantic mit seinem Sohn über die Memes. „Niemand hat Ahnung davon, was los ist“, sagt der 20-Jährige über sich und seine Freund*innen. Er wäre nicht überrascht, wenn die meisten Leute, welche die Memes posten, überhaupt nichts über die geopolitischen Umstände wüssten.

In eine ähnliche Richtung zielt der sarkastische Tweet des Journalisten Berny Belverdere, der die Videos junger TikToker*innen thematisiert. Er schreibt: „Schnallt euch an, Nerds. Nachdem ich vor 30 Minuten von der Existenz Kassem Soleimanis erfahren habe, bin ich jetzt bereit, zu erklären, warum dieser drei Millionen Mal wichtiger als Bin Laden ist und seine Tötung bedeutet, dass wir das Bundesland Louisiana einbüßen müssen.“