YouTube, Pornhub, Netflix: So klimaschädlich sind die Dienste, über die du online Videos siehst

Laut eines Berichts führt weltweites Video-Streaming jedes Jahr zu Treibhausgasemissionen, die denen von ganz Spanien entsprechen. Statt das Streaming zu reduzieren, schlagen Forscher*innen eine andere Lösung vor. 

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Erstmal was streamen. Foto: Nicole Honeywill / Unsplash | CC0

Nach einem anstrengenden Tag den ersten Knopf der Jeans öffnen, sich auf die Couch lümmeln, die Lieblingsserie anmachen und das Gehirn ausschalten. Für viele Menschen gehört das Streamen von Videos im Netz zum Alltag. Allein im ersten Quartal 2019 verbrachten die Deutschen rund 1,2 Milliarden Stunden damit, Filme und Serien im Internet zu glotzen.

Eine Gruppe von Forscher*innen von The Shift Project fand heraus, dass das Streamen weltweit pro Jahr mehr als 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid produziert. Das entspricht in etwa den Treibhausgasemissionen von Spanien oder etwas weniger als einem Prozent der gesamten jährlichen globalen Emissionen des Jahres 2017.

Denn die Serien, Filme und Videos, die wir uns reinziehen, brauchen viel Strom. Die Daten liegen auf Servern, die gekühlt und betrieben werden. Große Rechenzentren sind regelrechte Energiefresser und brauchen viel Strom. 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs sind auf Videos oder Dienste zurückzuführen, die auch Bewegtbilder nutzen, wie etwa Skype.

Unser Binge-Watching ist für so viel Treibhausgase verantwortlich wie ganz Griechenland

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Screenshot von The Shift Project

Der weltweite Flugverkehr war im Jahr 2014 im Vergleich für zwei Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. Die meisten Kohlendioxidemissionen stammen nach wie vor aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Auch Industrieprozesse, wie die Herstellung von Baustoffen sowie die Landwirtschaft, haben einen großen Anteil an der Freisetzung klimaschädlicher Gase.

Digitale Technologien sind für für vier Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen zuständig. Ein Teil davon geht auf Videos zurück. Der Bericht des Shift Projects schlüsselt den Konsum und die Auswirkungen von Onlinevideos für das Jahr 2018 im Detail auf und zeigt ihre Tragweite. 34 Prozent der Videos machen demnach Angebote von sogenannten Videos on Demand aus. In diese Kategorie fallen Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Hulu. Unser Binge-Watching auf diesen Portalen erzeugte damit rund 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid – das entspricht etwa dem, was Griechenland im Jahr 2017 emittierte.

Auf Platz zwei der umweltschädlichsten Videoplattformen landen mit 27-prozentigem Anteil an den Emissionen Online-Pornos. Die 82 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen in etwa dem, was Österreich im Jahr 2017 in die Luft blies.

Kritik nicht nur an Konsument*in sondern an Unternehmen

Die Forscher*innen fordern jedoch kein Ende des Streamens, sondern einen aufmerksameren Umgang sowie Änderungen des Designs auf den Seiten. Zum Beispiel fördern Autoplay-Funktionen den Videokonsum und erhöhen so die Treibhausgasemissionen. Als weitere Option schlagen sie vor, Videos nicht unbedingt in der allerhöchsten Auflösung wie etwa 8K abspielen zu lassen – manchmal würden auch 480p reichen. 

Dies zeigt einmal mehr, dass die Designer digitaler Dienste sorgfältig über die Gesamtwirkung der von ihnen angebotenen Dienste nachdenken müssen.

Chris Preist

Auch Chris Preist von der University of Bristol in Großbritannien, der sich mit der Nachhaltigkeit von Technologie befasst, stimmt dem Bericht zu. Zum Magazin New Scientist sagte er: „Dies zeigt einmal mehr, dass die Designer digitaler Dienste sorgfältig über die Gesamtwirkung der von ihnen angebotenen Dienste nachdenken müssen.“ Auch die Konsument*innen könnten ihre Nutzung nachhaltiger gestalten. „Für Einzelpersonen sind weniger Upgrades unserer Geräte, der Besitz weniger Geräte und der Verzicht auf eine qualitativ hochwertige mobile Internetverbindung wahrscheinlich die wichtigsten Maßnahmen, die wir ergreifen können“, sagt Preist.