ZDF bebildert Sendung über Youtuberin Hazel mit Bild von Mai Thi Nguyen-Kim

Auf der Homepage des ZDF wurde die Youtuberin Hazel als Gast einer Sendung mit dem Foto Mai Thi Nguyen-Kims angekündigt. Hazel hat nun zu dem Vorfall Stellung genommen.

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Hazel (l.) gibt auf YouTube Finanztipps, Mai erklärt auf YouTube Chemie. Fotos: li. Screenshot, YouTube / Pocket Hazel / re. Henning Kaiser / dpa

Was ist passiert?

Vergangene Woche war die Youtuberin Hazel Nguyen zu Gast in der ZDF-Sendung Volle Kanne. Darin sprach die studierte Betriebswirtschaftlerin über das Youtuber*innen-Dasein und über ihre beiden Formate Pocket Hazel und Pocket Money, in dem sie ihrer jugendlichen Zielgruppe regelmäßig Finanztipps gibt. Als die Sendung vorbei war, sprach sie ein älterer Mann vor dem Volle Kanne-Studio in Düsseldorf an und erkundigte sich nach der Moderatorin der WDR-Sendung Quarks, die als Gast für die live ausgestrahlte Ausgabe von Volle Kanne angekündigt gewesen sein sollte.

Zu diesem Zeitpunkt dachte Hazel noch, der Mann hatte sie mit Mai Thi Nguyen-Kim verwechselt. Nguyen-Kim ist wie Hazel Deutsche mit vietnamesischen Wurzeln und moderiert seit 2018 Quarks. Wie sich später herausstellte, war die Verwechslung aber auf einen Fehler des ZDF zurückzuführen. Auf der Homepage des ZDF wurde Hazel als Gast in der Volle Kanne-Sendung mit einem Foto von Mai Thi Nguyen-Kim angekündigt.

Wie reagiert Hazel?

Drei Tage nach der Ausstrahlung der Sendung veröffentlichte Hazel auf ihrem YouTube-Kanal ein Video mit dem Titel Ich war im Fernsehen (und bereue es). In dem mittlerweile mehr als 400.000 Mal aufgerufenen Beitrag schildert sie ihre schlechten Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit mit TV-Interviews gemacht hat und geht insbesondere auf ihren Besuch bei Volle Kanne ein. Ihre Erfahrung dort beschreibt sie insgesamt als positiv. So hebt sie beispielsweise einen gelungenen Zusammenschnitt ihrer Arbeit, der in der Sendung gezeigt wurde, positiv hervor. Doch sie spricht auch darüber, dass ihr Porträt mit dem von Mai Thi Nguyen-Kim verwechselt wurde, und wie sehr sie das verletzt habe.

Sie schildert die Reaktionen ihrer Freund*innen auf die fehlerhafte Bebilderung und vergleicht den Vorfall mit der deutschen Novemberausgabe der Zeitschrift Elle mit dem Themenschwerpunkt „Schwarz“. Darin stellte das Heft sechs erfolgreiche Models mit dunkler Hautfarbe vor und bebilderte dabei den Steckbrief des Schwarzen Models Janaye Furman mit einem ganz anderen Model, nämlich mit Naomi Chin Wing. Es entstand der Eindruck, als hätte die Zeitschrift beliebig Schwarze Models zeigen wollen und keinen Wert auf ihre Identitäten gelegt.

Wie es zu dem Fehler des ZDF kommen konnte? Hazel vermutet, dass jemand asiatische Frau gegoogelt habe und dann einfach Mai Thi Nguyen-Kims Porträt eingefügt, als die eine, repräsentative Asiatin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Wie reagiert ihre Community?

In ihrem Video äußerte Hazel die Befürchtung, ihre Zuschauer*innen könnten ihre Kritik über das ZDF als zu übertrieben empfinden. Tatsächlich zeigte sich die Community in den mehr als 2.500 Kommentaren auf YouTube überwiegend solidarisch und verständnisvoll. „Es ist nicht übertrieben und ich kann dich total verstehen“, schreibt eine Userin. Eine andere schreibt: „Ganz schön traurig, dass das Öffentlich-Rechtliche seine eigenen Mitarbeiter nicht auseinanderhalten kann“ und spielt damit auf Hazels Zugehörigkeit zum öffentlich-rechtlichen Format Funk und Mais zum WDR an.

Wie reagiert das ZDF?

Der Volle Kanne-Redaktion war der Fehler selbst aufgefallen. Sie hat das Portät kurz nach der Veröffentlichung ausgetauscht. Eine Bitte um Entschuldigung erhielt Hazel allerdings erst, nachdem diese ihr Video veröffentlicht hatte.

Der Other-Race-Effect

Die Kolumnistin Samira El Ouassil erklärt in einem Beitrag für Übermedien (kostenpflichtig) den sogenannten Other-Race- oder Cross-Race-Effect. Dieser beschreibt, dass wir Gesichter anderer Menschen schlechter wiedererkennen, wenn sie nicht unserer Ethnie entstammen. Demnach stellten Forscher*innen in einer Studie von 1996 fest, dass wir bei der Betrachtung von Gesichtern, die nicht unserer Ethnie angehören, viel oberflächlicher sind. El Ouassil schreibt: „Anstatt zum Beispiel die Augenbrauenform oder Gesichtsform kognitiv zu verarbeiten, registrieren wir erst die Hautfarbe, Augenform, Augenfarbe.“ Eine Vielzahl von Studien habe gezeigt, dass Menschen einander unbewusst nach äußeren ethnischen Merkmalen in Gruppen einordnen.

Diese eingeschränkte Unterscheidungsfähigkeit lässt also nicht automatisch auf eine rassistische Einstellung schließen. Sie läuft unterbewusst ab. El Ouassil zufolge lässt sich der Other-Race-Effect am ehesten umgehen, wenn Redaktionen diverser besetzt sind und allen dort Arbeitenden bewusst ist, dass es diesen Effekt gibt.

Außerdem auf ze.tt: Wie Sinti*zze und Rom*nja in Deutschland gegen Rassismus kämpfen