Zoomwedding: Heiraten per Videokonferenz – geht das?

Mai ist der klassische Hochzeitsmonat. Was aber, wenn die Traumhochzeit ewig geplant ist und dann eine Pandemie alles ruiniert? Die Antwort: Heiraten per Videokonferenz. Geht das?

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Im Internet heiraten hat zumindest den Vorteil, dass man einen Haufen Geld spart. Screenshot: @claudiajeanne / Instagram Collage: © ze.tt

Hochzeitskleid, Schleier, Torte, Schampus – alles da. Einziger Unterschied zur traditionellen Zeremonie: Der*die Trauende ist ebenso wie die Gäste per Videocall zugeschaltet. In Zeiten einer globalen Pandemie mit Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen bleiben heiratswilligen Paaren im Grunde nur vier Optionen: Hochzeit absagen, auf Zeitpunkt X verschieben, im winzigen Kreis durchziehen – oder eben virtuell heiraten.

Unter dem Hashtag #zoomwedding posten Paare auf Instagram Bilder ihrer Trauungen und Hochzeitsfeiern via Video-Plattform Zoom. Und die Hochzeiten sind so unterschiedlich wie die Paare selbst: Manche sind ganz schlicht und finden mit Karohemd im Arbeitszimmer statt; andere hingegen im voll dekorierten Garten inklusive Kleid, Schleppe und Pappaufstellern der Gäste.

Ist Zoomwedding eine richtige Hochzeit?

Einer der weltweit am stärksten von Corona betroffenen Orte ist der US-Bundesstaat New York. Gouverneur Andrew Cuomo hat deshalb unlängst eine Verordnung in Kraft gesetzt, nach der Paare auch audiovisuelle Hochzeiten per Live-Video durchführen können, und zwar rechtsverbindlich.

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Voraussetzung dafür ist, dass es eine direkte Online-Interaktion zwischen dem Paar auf der einen Seite des Bildschirms und dem*der Trauenden, zum Beispiel einem*einer Geistlichen oder Standesbeamt*in, auf der anderen Seite des Gerätes gibt. Die Hochzeit muss also live und die Teilnehmenden in Echtzeit online sein.

Außerdem müssen sie während der Zeremonie gültige Papiere und Dokumente vorzeigen können und sich nachweislich im Bundesstaat New York aufhalten. Nach der Online-Trauung bekommen die Paare ihre Urkunde per E-Mail.

Saya Fukuda und James Storr Brown, das erste Paar, das nach Cuomos Verordnung geheiratet hat, hatte es eilig: „Wir hätten eigentlich schon im Januar im Rathaus heiraten sollen, aber wir hatten Angst, rauszugehen, und dann fing direkt der Lockdown in New York City an“, schreibt Saya auf Instagram. „Die Sache scheint kein Ende zu haben, also haben wir’s einfach getan!“

Das Paar heiratete im heimischen Wohnzimmer über Zoom, nur wenige Stunden nach Cuomos Ankündigung. Freund*innen und Familie aus aller Welt schalteten sich dazu. Anschließend gab’s Umtrunk und Fotos auf dem Dach – aus sicherem Abstand geknipst, versteht sich. „Ich brauche überhaupt nicht mehr! Das ist alles, was ich immer wollte“, schreibt Saya.

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Auch andere Paare haben sich für eine Zoomwedding entschieden. Ganz schlicht im Homeoffice wie Mary Kamps und Alex Mendes:

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Mit Masken, Pappaufstellern und Hausmusik von den Schwestern:

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Ganz in Weiß, mit schicker Torte und Ringen:

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Oder einfach nur ganz entspannt wie diese beiden:

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Warum Paare virtuell heiraten

Die Gründe, weshalb sich Paare für eine Zoomwedding entscheiden, sind individuell. Manche haben sich schon seit vielen Monaten auf diesen einen Tag gefreut und wollen nicht länger warten; andere haben durch die Corona-Pandemie vielleicht erkannt, dass Lebenszeit begrenzt ist; wieder andere haben konkrete rechtliche, gesundheitliche und steuerliche Gründe.

Einerseits umgehen Paare damit natürlich gesundheitliche Gefahren für sich selbst, aber auch für Familienmitglieder und Freunde, die gegebenenfalls zu einer Risikogruppe gehören. Andererseits sparen sie so – zumindest im Moment – ordentlich Geld. Denn Hochzeiten können wirklich irrwitzig kostspielig sein.

Für Familie und Freund*innen ist es mitunter trotzdem traurig und schmerzhaft, sich an so einem emotionalen und wichtigen Tag nicht umarmen zu können. Kein Schwoof mit den Schwiegereltern, keine Polonaise mit Papa und den Patentanten. Einige Paare heiraten deshalb erst online und wollen dann irgendwann später, wenn die Covid-19-Gefahr gebannt ist, noch mal im größeren Kreis, echt und in Farbe, feiern.

Geht Zoomwedding auch bei uns?

In Deutschland wäre eine Zoomwedding nicht rechtsverbindlich – wie Uwe Strunk, der Leiter des Standesamts Berlin-Mitte, auf Nachfrage sagt: „Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt eindeutig, dass die Eheschließung bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Verlobter vor dem Standesamt stattzufinden hat.“

Klar kann man die Party so feiern, aber sich eben nicht wie in New York per Videocall trauen lassen. Wer in Deutschland offiziell heiraten will, muss aufs Amt.

Wer in Deutschland offiziell heiraten will, muss aufs Amt.

In Berlin werden bereits vereinbarte Hochzeitstermine derzeit noch eingehalten, allerdings mit Einschränkungen: „Gemäß Pandemieplan findet die Eheschließung ausschließlich mit dem Brautpaar im Standesamt statt“, sagt Uwe Strunk. Also im allerkleinsten Kreis.

Und Lukas Steinbrink vom Bezirksamt Hamburg-Harburg erklärt: „Trauzeugen oder Angehörige sind nicht zugelassen – es besteht keine Pflicht für Trauzeugen. Durch Maßnahmen wie der Beschränkung auf maximal drei Personen im Trauzimmer, Spuckschutz, getrennte Kugelschreiber sowie die Desinfektion der Utensilien im Anschluss, wird die Dienstleistung weiterhin gewährleistet.“

Eigene Kugelschreiber mitbringen, es gibt Romantischeres.

Wie üblich in Deutschland handhaben das die Bundesländer und Standesämter jedoch durchaus etwas unterschiedlich; einige Ämter erlauben mehr als zwei Personen. „Wir führen seit Beginn der Einschränkungen Eheschließungen im kleinen Rahmen durch. All unsere Paare wurden hierzu im Vorfeld telefonisch oder per E-Mail kontaktiert, dass Sie lediglich in Begleitung von zwei Trauzeugen erscheinen möchten“, sagt Bezirksstadtrat Arne Herz über das Procedere des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf. „Sicher ist hier und da ein Dolmetscher von Nöten, der selbstverständlich ebenfalls eingelassen wird. Auch bestellten Fotografen geben wir Zugang.“

Doch selbst bei einer erneuten Verschärfung der Situation aufgrund von Corona wird es in Deutschland voraussichtlich keine rechtlich bindenden Zoomweddings geben, jedenfalls nicht so schnell. Denn dazu müsste das Personenstandsgesetz geändert werden. „Inwieweit in einer mit New York vergleichbaren Notsituation ein erleichtertes Verfahren – ohne langwierige Gesetzgebungsprozesse – umsetzbar wäre, kann nur das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat beantworten“, sagt Bezirksstadtrat Arne Herz.

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Corona verändert alles – auch Hochzeiten

Wie vieles im Leben werden die langfristigen Auswirkungen von Corona auch unsere Art zu heiraten beeinflussen. Inwieweit die klassische große Traumhochzeit mit 100 oder mehr Gästen nach Abklingen der Pandemie überhaupt noch weiter unbeschwert durchgeführt werden kann, steht in den Sternen.

Wenn man optimistisch denkt, ist eine Zoomwedding zu feiern in diesen Zeiten ein wichtiges Zeichen von Liebe und Hoffnung. Nicht warten, bis irgendwann alles vielleicht besser und wieder normal wird – was immer das heißen mag –, sondern im Hier und Jetzt leben und sich einfach trauen. Auch wenn Glitzer und Glamour, Familie und Freund*innen fehlen. Denn eigentlich gibt es bei einer Hochzeit ohnehin nur zwei Menschen, auf die es wirklich ankommt.

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