Zu Schwarz für China? Star-Wars-Star John Boyega tritt als Werbegesicht zurück

John Boyega ist von seiner Rolle als weltweite Markengesicht für die Parfümmarke Jo Malone zurückgetreten. Zuvor hatte ihn das Unternehmen in einer Werbeanzeige für den chinesischen Markt mit einem chinesischen Schauspieler ersetzt.

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Der Schauspieler John Boyega ist als Gesicht der Parfümmarke Jo Malone zurückgetreten. Foto: © Valerie Macon / AFP / Getty Images

Auf Twitter verkündete Star-Wars-Schauspieler John Boyega, dass er in der Zukunft nicht mehr mit der Parfümmarke Jo Malone zusammenarbeiten wolle. Boyega war 2019 von Jo Malone zum internationalen Werbeträger ernannt worden und hatte dafür extra einen eigenen Werbespot konzipiert. Der Film drehte sich rund ums Leben des im Londoner Stadtteil Peckham geborenen und aufgewachsenen Boyega. Sein Viertel und auch seine nigerianischen Wurzeln standen im Mittelpunkt.

Boyega erklärt, er habe mit dem Film damals seine persönliche Geschichte feiern und seine Heimatstadt, seine Freund*innen und seine Familie zeigen wollen. Seine Idee sei nun ohne sein Wissen, vorherige Zustimmung oder Vorankündigung von Jo Malone übernommen und mit einem anderen Schauspieler für den chinesischen Markt neugedreht worden. Für Boyega eine falsche Entscheidung, weshalb er nun schnell seine Konsequenzen aus der Situation zog.

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Auf Twitter vermerkten User*innen, dass es keine Seltenheit sei, dass Schwarzen Schauspieler*innen bei der Vermarktung auf dem asiatischen Markt nur eine untergeordnete Rolle zugestanden würde. Ein Beispiel dafür liefert John Boyega selbst. Auf dem Werbeplakat für Star Wars: Das Erwachen der Macht aus dem Jahr 2015 wurde das Bild des Schauspielers in China auf den Filmplakaten verkleinert und in den Hintergrund gerückt, obwohl John Boyega eine der Hauptrollen spielte.

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Ein*e andere*r User*in machte darauf aufmerksam, dass rassistische Werbespots im chinesischen Fernsehen keine Ausnahme seien und stellte einen Zusammenhang zwischen der veränderten Werbeidee von Jo Malone und einer Werbeanzeige aus dem Jahr 2016 her. In dieser Werbung drückt eine lächelnde Frau einem Schwarzen Mann einen Beutel Waschmittel in den Mund und packt ihn anschließend in eine Waschmaschine. Nach einem Waschzyklus gedämpfter Schreie öffnet sie den Deckel, und ein grinsender asiatischer Mann klettert heraus.

Jo Malone entschuldigt sich

In einem öffentlichen Statement entschuldigte sich das Unternehmen bei John Boyega. Es erklärte, dass das Konzept für den Film auf Johns persönlichen Erfahrungen basierte und nicht hätte repliziert werden dürfen.

Die Gründerin des Unternehmens, Jo Malone, meldete sich ebenfalls zu Wort. ITV Show erklärte sie, dass sie entsetzt und angewidert sei über das, was John angetan wurde. John habe den Menschen und der Marke seine Lebensgeschichte gegeben. „Dieser Mann nutzte sein Image nicht nur, um für etwas zu werben – er brachte seine Kreativität mit ein“, erklärte die Namensgeberin und fragte, wie es jemand wagen könne, ihn so zu behandeln. Hinzu komme, dass er aus den sozialen Medien erfahren habe, dass er ersetzt worden ist. Sie hätten nie mit ihm gesprochen. Für Jo Malone sei das „absolut verabscheuungswürdig und ekelhaft“. Jo Malone, die das Unternehmen 2006 endgültig verließ, distanzierte sich von den jetzigen Besitzer*innen und versicherte John Boyega, dass so etwas unter ihrer Leitung nicht passiert wäre.

John Boyega ist kein Einzelfall

John Boyega und das Marketing rund um das Star-Wars-Franchise stellen jedoch keinen Einzelfall dar. Auch dem weltweiten Blockbusterhit Black Panther wurde 2018 eine solche Behandlung zuteil. Obwohl der Film letztendlich auch in China sehr erfolgreich war und Millionen Dollar einstrich, wurde die Vermarktung für den chinesischen Markt ebenfalls anders gehandhabt als in anderen Ländern. Anstatt das Gesicht des kürzlich verstorbenen Chadwick Boseman als Black Panther zu zeigen, wurde ihm in dieser Version des Filmplakats eine Maske aufgesetzt.

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Hierbei schwingt der Verdacht mit, dass Schwarze Künstler*innen von den Plakaten genommen werden, weil sie im Vergleich zu ihren weißen Kolleg*innen in China weniger gut zu vermarkten seien. Für John Boyega selbst hat sich die Geschichte aber schnell erledigt, wie er auf Twitter schrieb. Er versicherte seinen Follower*innen, dass diese Geschichte zügig geklärt wäre. „Ich habe keine Zeit für Unsinn. Wir drängen weiter vorwärts. Seid gesegnet Leute“, erklärte der Schauspieler abschließend.

cp