Zucker, Koks und Kommentarspalten – darauf verzichtet ihr in der Fastenzeit

Wir haben gefragt, was für euch bis Ostern tabu ist. Während manche gar nichts in ihrem Leben ändern, haben sich andere viel vorgenommen.

Fasten Auf was verzichtest du während der Fastenzeit? "Nix, warum auch?"

Dem Wort Fastenzeit haftet etwas Altbackenes an. Es lässt an Rentner*innen denken, die am Jahresanfang Forelle statt Schnitzel essen. Dabei ist das Konzept des Fastens total in Mode. Nur der Name hat sich verändert. Anstelle vom Fasten spricht man vom Dry January oder dem Clean February. Auch den Zeitraum nimmt man nicht mehr ganz so genau. Nach christlicher Tradition wird 2018 vom 14. Februar bis zum 29. März gefastet – als Vorbereitung auf die Feier des Todes und die Auferstehung Christi. Aber das kann ja jede*r mit sich selbst ausmachen.

Wenn im Februar die Tage wieder länger werden, kommen die guten Vorsätze, die man am 1. Januar (fast) erfolgreich im Sektglas ertränkte, wieder zum Vorschein. Wollte man 2018 nicht auf das Snickers in der Mittagspause verzichten? Hatte man den vielen Alkohol nicht auf den stressigen Arbeitsalltag vor den Weihnachtsferien geschoben und Besserung gelobt? Beschwingt von einem vereinzelten Februarsonnenstrahl gehen wir die guten Vorsätze an. Wir haben euch anonym gefragt, worauf ihr in der Fastenzeit verzichtet.

Hier sind eure Antworten:

Ich verzichte auf Fleisch und Schokolade.“

„Auf Süßes. Der weiße Tod lauert einfach überall.“

„Ich lebe bis Ostern vegan! :)“

Süßigkeiten und Knabberzeug – für Fleisch bin ich leider zu undiszipliniert.“

Auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel zu verzichten, gilt als Klassiker der Fastenzeit. Sie gehören fast schon zum guten Ton. „Ach, Du auch?“ Es werden sich fast immer Kolleg*innen finden, die dich anstelle zum Döner zur Salatbar begleiten.

Andere sehen gar nicht ein, auf irgendetwas zu verzichten:

„Ich habe auch dieses Jahr kein schlechtes Gewissen, dass ich doch auf nichts verzichte. Natürlich werde ich es nächstes Jahr versuchen umzusetzen.“

Aufs Fasten.“

„Nix, warum auch?“

Gut so. Schlechtes Gewissen lässt die Haut auch nicht jünger aussehen und schont bekanntlich nicht die Leber. Die ganz konsequenten Pessimist*innen unter Euch haben aber selbst die Hoffnung aufs nächste Jahr bereits aufgegeben. Immerhin fasten sie die Inkonsequenz:

Mit eigenen Kindern verzichtet man schon genug …“

Für fortgeschrittene Fastende gibt es eine Erweiterung des klassischen Fasten-Baukastens, bestehend aus Zucker und Schokolade, Drogen und Sex: eineinhalb Monate unerfülltes Verlangen. Noch nicht einmal alleine? Nein, sagt ihr.

„Ich faste Masturbation und Industriezucker.“

„Sex“

Ich verzichte auf Koks.“

Aber was ist mit dem ältesten Laster des Menschen, der Faulheit? Der innere Schweinehund. Kann man den überhaupt fasten? Ihr findet: ja – und stellt euch der Herausforderung im Alltag:

„Ich verzichte auf Zucker im Kaffee und auf den Fahrstuhl im Büro. 5 Etagen werden jetzt zu Fuß bewältigt!“

Wer der Faulheit abschwört, sollte aber am besten auch gleich den Stecker vom Router ziehen. Denn, Stichwort Prokrastination, die*der engste Verbündete der Faulheit ist bekanntlich das Internet. Oder ihr fastet stattdessen nur Bestandteile des Internets. Wie diese*r User*in zum Beispiel, die*der sich den bekanntlich unanständigsten Bereich im World Wide Web herauspickte: die Kommentarspalte. Ein Sündenpfuhl voller wüsten Beschimpfungen und unflätiger Ausdrücke:

„Ich faste Facebook-Kommentare und generell Kommentarelesen.“

Aber auch Streamingdienste, soziale Netzwerke und Onlineshopping werden gefastet. Ach. Ein karges Dasein. Gut, dass die meisten von euch nur Teilzeitfasten. Entweder Schokolade oder Sex. Kommentarspalten oder Koks.

Bei wieder anderen hat das Fasten Tiefgang. Man merkt, hier wurde die Seele erkundet.

Ich faste Menschen, die mir nicht gut tun.“

„Ich verzichte darauf, mich über die Arbeit zu ärgern.“

Wir wünschen Euch frohes Fasten.