20 Dinge, die ich in 20 Jahren Dating gelernt habe

Gute Dates, katastrophaler Sex, schnarchige Gespräche, Peitschenhiebe – unsere Autorin hat all das beim Dating erlebt. Hier fasst sie zusammen, wie man das Dating-Game übersteht.

Unsere Autorin teilt die wichtigsten Lektionen aus 20 Jahren Dating.

Unsere Autorin teilt die wichtigsten Lektionen aus 20 Jahren Dating. Foto: Joanna Nix / Unsplash | CC0

Auf dem Mädchenklo mit dem Jungen aus der Parallelklasse, vorm Späti mit dem Kerl ohne Schuhe, bei den vögelnden Affen im Zoo mit meinem späteren Mann, im Hotel mit dem Kunstsammler im Maßanzug; seit zwanzig Jahren date ich Männer und ganz manchmal auch Frauen. Immer andere Orte waren es, an denen ich mich wiederfand und immer andere Menschen waren es, denen ich gegenübersaß. Ich hatte Katastrophen-Dates, instantane große Lieben und alles dazwischen. Früher wollte ich mich unbedingt verlieben, wenigstens aber ein klein wenig Bestätigung; heute lebe ich in einer offenen Beziehung und bin einfach neugierig auf all die Leute da draußen.

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Weil Erfahrung weitergegeben werden will und meine Kinder noch zu klein sind, um sich für Dating zu interessieren, habe ich für dich, werte*r Leser*in, aufgeschrieben, was ich in all der Zeit gelernt habe. Es wird dich nicht vor schlechten Dates bewahren, denn gegen die kann sich keine*r von uns absichern. Wohl aber vor schlechten Gefühlen, denn gegen die können wir selbst was tun. Vielleicht wird dir die eine Erkenntnis bahnbrechend vorkommen, eine andere hingegen abwegig. Zieh dir einfach raus, was für dich Gültigkeit hat und vergiss das Andere. Schließlich hat jede*r von seine*ihre eigenen Spielregeln. Aber lass dich nicht von vermeintlicher Banalität blenden. Denn die einfachsten Dinge sind oft die wichtigsten.

1. Je größer die Erwartungen, desto größer der Reinfall.

Fieberst du schon seit Tagen auf dieses Treffen hin, masturbierst du beim Gedanken an ihre*seine perfekten Formen oder malst du dir aus, wie ihr in diese gigantische Altbauwohnung zieht? Hör auf damit. Anderenfalls gibt es nur zwei Möglichkeiten: Erstens, du siehst beim Date selbst alles Mögliche, nur nicht dein Gegenüber, oder zweitens, du bist enttäuscht, weil etwas anders ist, als du es dir vorgestellt hast. Auf Erstens folgt übrigens auch Zweitens. Es gibt kein Entrinnen, Baby.

2. Die besten Dinge passieren, wenn du nicht auf sie wartest.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Die legendärsten Abende hast du dann, wenn du nur auf ein Bier bleiben willst und die spannendsten Menschen kommen in dein Leben, wenn du gar nicht mehr mit ihnen rechnest. Also mach dich locker. Denn je weniger du willst, desto mehr bekommst du.

3. Niemand ist wie er*sie scheint.

Ich musste mich schon oft wundern, als der dominante Peitschenschwinger plötzlich nach Liebe winselte, als einer, den man wohl als „spirituell“ bezeichnen würde, sich als übergriffig entpuppte oder als das stille Wasser zum besten Liebhaber on earth mutierte. Menschen zeigen sich im ersten Augenblick oft nicht als das, was sie wirklich sind oder wir erkennen sie nicht, weil wir selbst verblendet sind. Nimm dir Zeit, genau hinzuschauen.

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4. Taten sagen mehr als Worte.

Er*sie klebt an dir wie Kaugummi im Haar, obwohl er*sie angeblich auf der Suche nach was Unverbindlichem ist? Oder schimpft auf all die Leute, die sich nicht committen wollen, um dann selbst im nächstbesten Augenblick abzutauchen? Was die Leute so erzählen, wenn der Tag lang ist, zählt im Zweifel kein bisschen. Was zählt, ist, wie sie sich verhalten.

5. Eine zweite Chance lohnt sich.

Das erste Date war nicht der Brüller, aber okay? Kein Grund, den*die andere*n sofort und für immer abzuschießen. Meine schönsten Affären und glücklichsten Beziehungen begannen nicht mit einem lauten Knall, sondern leise und unvermutet.

6. Krasse Gefühle sagen gar nichts.

Du bist aufs Heftigste verliebt, denkst an nichts anderes mehr und weißt genau, das und niemand anderes ist der Mensch, mit dem du dein Leben verbringen willst? Sorry, ich muss dich enttäuschen. Deine Gefühle für diese Person sagen einfach gar nichts darüber aus, wie gut ihr tatsächlich zusammenpasst oder wie es mit euch weitergehen wird.

7. Das Urteil deiner Freunde sagt auch nichts.

Genau so wenig zählt, was deine Freund*innen zu deiner Wahl zu sagen haben. Nichts gegen deine BFFs und deine Homies, sind alles dufte Typen, da bin ich mir sicher. Sie wollen nur das Beste für sich, aber auch sie sind eben voll von Erwartungen und Bewertungen, die mehr mit ihnen selbst zu tun haben, als mit allem anderen.

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8. Dein Entspanntheitsgrad sagt jedoch eine Menge.

Du musst nicht überlegen, ob du dich jetzt schon wieder melden kannst oder ob er*sie deine Rechtschreibschwächen möglicherweise als „bildungsfern“ auslegen könnte? Sehr gut. Je entspannter du dich mit deinen Bedürfnissen und Schwächen bei deinem Gegenüber fühlst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das mit euch was Gutes wird.

9. Trink lieber nicht zu viel.

Ich gebe zu, die Versuchung ist groß die eigene Aufgeregtheit in Bier, Wein oder Mexikanern zu ersäufen. Schließlich gehört es zu jedem sozialen Anlass dazu, halbwegs einen sitzen zu haben. Dann wird man auch so schön lustig und redselig und bekommt diese rosigen Wangen … Finger weg! Oder maximal ein Glas. Denn Alkohol verzerrt deine Wahrnehmung und lässt dich Dinge sagen oder machen, die du nicht so meinst.

10. Vorsicht vor Menschen, die schlecht über ihre*n Ex reden.

Es kann wirklich vieles bei einem Date passieren. Es gibt nur ein einziges Tabu in diesem Spiel: Schlecht über den*die Ex reden und ihm*ihr die Schuld an allem geben. Denn du kannst tödlich sicher sein, Menschen, die das tun, werden am Ende, wenn alles zwischen euch aus und vorbei ist, genau das Gleiche mit dir machen.

11. Und vor solchen, die von sich selbst nicht genug bekommen.

Er*sie kennt jede*n in der Stadt, war schon überall und hat den krassesten Job? Menschen, die viel zu erzählen haben, können auf den ersten Blick spannend sein. Auf den Zweiten sind sie nur noch eins, anstrengend. Er*sie redet nur von sich, ohne auch nur eine einzige Gegenfrage zu stellen? Lass dich nicht einlullen und such lieber das Weite.

12. Es ist egal, wann ihr Sex habt.

Auch im 21. Jahrhundert gibt es noch Menschen, die meinen, Sex beim ersten Date würde irgendwen von beiden, seien wir ehrlich, die Frau, als billig dastehen lassen oder eine spätere Beziehung ausschließen oder beides. Tatsächlich aber sagt es nur eins über euch aus, wenn ihr sofort übereinander herfallt, ihr habt Lust auf einander. Und das kann doch nur gut sein!

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13. Es ist egal, wie du dabei aussiehst.

Ihr wollt so, so gerne vögeln gehen, aber da fällt dir ein: „Geht ja gar nicht so spontan!“, weil Beine oder andere Körperstellen nicht rasiert sind, du die hässlichste Unterwäsche, seit Oma tot ist, am Leib trägst oder die letzte Dusche länger her ist, als eine halbe Stunde. Vergiss das. Wer dich stoppelig nicht mag oder nur in Reizwäsche und geruchlos, der*die kann sein*ihr anstrengendes Leben bitte allein weiterleben.

14. Es ist egal, wie es war.

Die Nacht deines Lebens? Schön für dich. Nervöse Zitternummer, Schnellschuss oder akutes Penisversagen? Nicht so schlimm. Auch wenn die erste gemeinsame Nacht nicht der Brüller war, sagt das zum Glück so ziemlich gar nichts darüber aus, was sexuell noch alles drin sein könnte. Vorausgesetzt natürlich, der Rest stimmt.

15. Ja heißt Ja.

Es heißt ja immer so schön: „Fragen tötet den Flow.“ Dabei sollten wir uns eigentlich freuen, wenn sich Menschen rückversichern, ob wir uns auch richtig verstanden haben. Ich find’s gut, wenn man mir nicht einfach so zwischen die Beine greift, sondern nachfragt, ob verbal oder nonverbal. Und ich halte das im Übrigen genau so.

16. Ja, es gibt Geschlechtskrankheiten. Wirklich.

Ich bin regelmäßig erstaunt darüber, wie viele Menschen nicht verhüten wollen. Es ist nicht so, dass sie sich direkt weigern würden, aber so wirklich von sich aus tun sie es nicht. Bei diesen Menschen muss du ganz besonders vorsichtig sein, denn was sie sich nicht von dir wegholen, haben sie sich möglicherweise schon woanders weggeholt. Oder, um es mit den Worten eines dieser Dates zu sagen: „Stimmt, eigentlich hatte ich mir seit meinem letzten Tripper vorgenommen, vorsichtiger zu sein.“

17. Es wartet nichts Besseres auf dich.

Früher, als alle in ihrem Dorf festsaßen, konnte man noch froh sein, wenn man jemanden abbekommen hatte, der zwei Ohren hatte oder mit dem man nicht verwandt ist. Heute steht uns theoretisch die ganze Welt offen und damit ein unüberschauberer Wust an Menschen und weil wir das wissen, fällt es uns oft schwer, uns festzulegen. Vielleicht kommt ja noch wer Besseres und das schon bald? Die Wahrheit ist, es wird niemand Besseres kommen und je mehr Menschen du konsumierst, desto weniger bist du in der Lage, dich auf sie einzulassen.

18. Man muss nicht bis zum Ende durchhalten.

Manchmal weißt du ziemlich schnell, dass das hier nichts werden wird. Ich persönlich wollte ein Mal gleich auf dem Absatz kehrt machen, als ich den Typ von Weitem sah. Erklärt habe ich es ihm natürlich trotzdem. Es gilt: Niemand muss ein Date durchhalten, das er*sie schrecklich findet. Inszeniere aber keine Notfallanrufe, sondern sag es so, wie es ist. Wir alle haben die Wahrheit verdient.

19. Lieber gleich Schluss machen.

Du willst ihn*sie nicht mehr wiedersehen? Sag einfach, was Sache ist, statt Ausflüchte zu erfinden oder dich einfach nicht mehr zurückzumelden. Es gibt nichts Erniedrigendes, als auf Antworten zu warten, die nie kommen.

20. Macht eure eigenen Spielregeln.

Punkt um Punkt habe ich dir jetzt meine Sicht der Dinge vorgenudelt. Sie stimmen bestimmt nicht für jede*n. Bis auf diesen letzten. Er ist garantiert allgemeingültig. Denn letztendlich ist es ziemlich egal, was ich oder irgendwelche anderen Leute in dieses Internet schreiben. Was zählt, ist, was ihr zwei wollt, tut oder lasst. Das, was sich für euch richtig anfühlt. Mit anderen Worten, eure ganz eigenen Spielregeln für dieses beste aller Spiele.