Diese Bücher wurden von den Nazis als „undeutsch“ verfemt

Zum Gedenken an die Bücherverbrennung 1933 fotografiert Annette Kelm verbotene Bücher von damals. Darunter Werke von Else Lasker-Schüler, Erich Kästner und Stefan Zweig.

„Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen“, mit diesen Worten erzählte Erich Kästner nach dem Zweiten Weltkrieg, wie er die Bücherverbrennung 1933 erlebte. Damals, am 10. Mai verbrannten Studierende auf dem Berliner Blücherplatz um die 30.000 Bücher von Schriftsteller*innen, „die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten“.

Der Grund: Den Nationalsozialist*innen waren die Werke nicht deutsch genug, stammten sie doch teils von jüdischen Autor*innen oder Verfechtern kommunistischer oder pazifistischer Ansichten. Unter ihnen: Stefan Zweig, Alfred Döblin, Kurt Tucholsky, Else-Lasker-Schüler, Erich Kästner und viele weitere.

Neben politischer und wissenschaftlicher Literatur wurden Romane, Lyrikbände und selbst Kinderbücher wie Kästners Das verhexte Telefon verbrannt und verboten. Dem grausamen Beispiel Berlins folgten 21 weitere Universitätsstädte – die genaue Zahl der vernichteten Werke lässt sich heute nicht genau rekonstruieren. Schätzungen zufolge müssen es Tausende gewesen sein.

Ihnen widmet die Künstlerin Annette Kelm nun eine Fotoserie. Das Konzept hinter Die Bücher ist simpel und doch eindrücklich: Vor neutralem Hintergrund fotografiert sie die Cover jener Werke ab, die mit der Machtergreifung der Nationalsozialist*innen aus der Öffentlichkeit verschwanden. Knapp vier Kilometer von dem Ort entfernt, an dem sie damals in Flammen aufgingen, sind die Fotografien heute im Salon Berlin des Museums Frieder Burda zu sehen.

Objektfotografie gegen Hass

Kelm inszeniert die literarischen Zeitzeug*innen ganz clean vor weißem Hintergrund, im Stile der Objektfotografie. Mit ihren Rissen und Gebrauchsspuren zeugen sie von ihrer unverwüstbaren Existenz – setzen ihren verfemten Verfasser*innen ein Denkmal. Passend dazu auch der Ort, denn die Ausstellungsräume gehören zu einer ehemaligen jüdischen Mädchenschule.

„Die Artikulation rassistischen Gedankenguts einer Minderheit ist in Deutschland unerträglich laut geworden“, sagt Patricia Kamp, die künstlerische Leiterin des Salon Berlin. „Umso mehr fühlen wir uns an diesem spezifischen Ort jüdischen Kulturerbes dazu herausgefordert, aktiv unsere Stimme zu erheben.“ Mit Kelms Ausstellung wolle man den gesellschaftlichen Dialog fördern und sich so gegen Rassismus, Antisemitismus und Hass positionieren.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 24. Oktober im Salon Berlin – Museum Frieder Burda.

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