„Ich hatte keine Lust auf Sex“: Fünf Menschen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Pille

Die Pille zählt zu den beliebtesten und sichersten Verhütungsmitteln – und zu den umstrittensten. Fünf Protokolle

Fünf Menschen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Pille

Eine sichere Sache. Aber was ist mit den Nebenwirkungen? Foto: Thought Catalog / Unsplash | CC0

Mehrfach machte die Pille in diesem Jahr bereits Schlagzeilen. Zum Beispiel damit, dass die Packungsbeilagen zukünftig einen Hinweis zum Risiko einer möglichen Suizidalität enthalten sollen. Oder die Nachricht, dass Frauen die Pille bedenkenlos ohne 7-Tage-Pause einnehmen können. Das Model Hanna Bohnekamp sprach vor Kurzem in einer Fernsehendung über ihre Akne, die sie nach dem Absetzen der Pille bekam. All das ist wichtig zu wissen, um sich eine Meinung über eines der beliebtesten Verhütungsmittel zu bilden.

Das Web-Projekt Pille Palle zeigt in elf Kurzfilmen verschiedene Standpunkte von Nutzerinnen der Pille, Frauen, die sich dagegen entschieden haben und Personen, die beruflich mit dem Hormon-Präparat zu tun haben. Die folgenden fünf kurzen Protokolle sind ein Ausschnitt dieser unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen.

Corinna M. (21), Krankenpflegerin-Azubi

Ich bin das erste Mal beim Frauenarzt gewesen, weil ich einfach eine regelmäßige Menstruation haben wollte. Meine Mutter hat mir vorher schon gesagt, dass ich wegen des Thromboserisikos bei der Pille nachfragen soll – das habe ich auch gemacht. Mir wurde gesagt: ‚Da passiert schon nichts‘. Das wäre nur bei den alten Pillen so und die neuen würden das nicht machen. Die einzigen bekannten Nebenwirkungen wären bessere Haut und schönere Haare. Das war bei mir nicht so. Ich bekam eine Thrombose vom linken Knöchel bis in die Leiste.

Dass die Pille für selbstverständlich gehalten wird, finde ich fürchterlich.

Enya W. (21), Psychologie-Studentin

Ich nehme die Pille, damit meine Periode regelmäßig kommt, nicht so stark ist und ich weniger Rückenschmerzen dabei habe. Ich denke, dass man die Pille nicht einfach aus Prinzip verteufeln sollte. Doch ich finde das ganze Drumherum nicht gut: Die Aufklärung funktioniert nicht wirklich und es wird nicht nach Alternativen zur Pille gesucht – zumindest habe ich nicht das Gefühl. Jede Alternative ist doch wieder hormonell. Mir fehlt ein bisschen, dass auch mal in andere Richtungen in Sachen Verhütung gedacht wird. Dass die Pille für selbstverständlich gehalten wird, finde ich fürchterlich.

Fatma M. (48), Frauenärztin

Vieles, was wir in der Praxis machen, wird überhaupt nicht honoriert. Für eine halbe Stunde sprechen gibt es null Cent. Früher gab es so eine Art Aufklärungspauschale, doch die wurde abgeschafft. Grundsätzlich ist es so, dass ich keine schriftlichen Informationen mitgebe, die von Pharmaherstellern sind, sowas ist nicht unabhängig. Doch selbst ins Wartezimmer haben es die Pharma-Broschüren erstaunlicherweise geschafft, obwohl ich so sehr darauf achte, dass die nirgendwo herumliegen. Die paar, die dort rumliegen, werden aber nicht lange überleben.

Ich hatte einfach keine Lust auf Sex.

Olaf E. (53), Apotheker

Hormone sind einfach extrem stark wirksam, weil sie viele andere Reaktionen im Körper anstoßen und mitsteuern: Bei den Sexualhormonen oder in diese Richtung wirkenden Stoffen natürlich auch mit Wirkung auf die Befindlichkeit, auf die Seele, auf den Geist. Wenn man Sexualhormone einnimmt, kann man im Prinzip eine Art Schwangerschaftsdepression verursachen. Es ist dann leider eine normale Nebenwirkung, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat, dass sie eintritt. Das kann man nicht vorhersehen.

Ricarda F. (28), Fotografie-Studentin

Ich hatte einfach keine Lust auf Sex und natürlich haben sich meine Partner nicht sehr darüber gefreut. Die haben das als Abneigung interpretiert, was in zwei Beziehungen zu einer Trennung geführt hat. Nachdem ich die Pille abgesetzt habe, war ich nochmal beim Frauenarzt und das Erste, was dieser wollte, war wieder die Pille zu verschreiben. Es wird nicht auf die Patientin und ihre Vorstellungen und Wünsche eingegangen.