„Wenn deine Heimat abgerissen wird“ – wie ein Architekt DDR-Kunst erhalten will

Nach der Wende wurde baubezogene DDR-Kunst abgerissen, wegsaniert oder verfiel. Eine junge Generation versucht, das kulturelle Erbe zu erhalten.

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Ein abgeblätterter Glaskrösel des Wandbildes Mensch und Bildung. Foto: Martin Maleschka

Martin Maleschka steht vor seiner ehemaligen Uni, der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. An der Stirnwand des Aulagebäudes befindet sich ein riesiges Wandbild: Mensch und Bildung von Gerhard Krüger aus dem Jahr 1973. Etwa 25 Schritte braucht man, um es abzulaufen. Unter dem Wandbild sieht sich Maleschka auf dem Boden um. Nach kurzer Zeit hat er gefunden, was er sucht, er kniet sich hin und hebt einen fingernagelgroßen Krümel auf. Es ist ein bunter Glaskrösel – ein Teil des Bildes. Ausgefranste weiße Flecken durchlöchern das orange-rot-graue Wandbild. „Durch den jahrelangen Witterungseinfluss lösen sich inzwischen etliche Flächen von der Wand“, sagt Maleschka.

Ich bin hier aufgewachsen, und ihr macht mein Zuhause kaputt

Martin Maleschka

„Ich bin inmitten von Kunst aufgewachsen“, sagt Maleschka. Der 37-Jährige ist in Eisenhüttenstadt geboren und groß geworden. Auf dem Weg zum Kindergarten kam er jeden Tag an einer gemauerten Wand mit einer Fliesenmalerei vorbei, erinnert er sich. Am Giebel seines Kindergartens waren Tiere und Kinder auf Fliesen abgebildet. In der Schule lief er täglich an zwei Gipskunstwerken vorbei. All dies habe er als Kind und Jugendlicher nur beiläufig wahrgenommen.

Mit 21 zog Maleschka nach Cottbus, um dort Architektur zu studieren. Ein Jahr später begann der Abriss des Wohnhauses, in dem er zuletzt mit seiner Familie gewohnt hatte. In einem Hof unweit der Wohnung prangerte auf einer Wand ein weißer Schwan, gefertigt aus Meißner Kacheln. Das Kunstwerk wurde zusammen mit den Gebäuden des Wohnkomplexes abgerissen. „Den Schwan habe ich mit meiner Kindheit verbunden“, sagt Maleschka. „Ich dachte mir damals: Ich bin hier aufgewachsen, und ihr macht mein Zuhause kaputt.“ Der Schwan aus Meißner Kacheln ist eines von vielen DDR-Baukunstwerken, die heute nicht mehr existieren.

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Den Schwan aus Meißner Kacheln gibt es heute nicht mehr. Fotos: Martin Maleschka

„Wenn du siehst, deine Heimat wird abgerissen und parallel studierst du Architektur und sollst dich mit dem Aufbau von Gebäuden beschäftigen – das ist total gegenläufig“, sagt Martin Maleschka. Der sterbende Schwan ist das erste baubezogene Kunstwerk, das er 2004 fotografiert. Seitdem widmet er sich der Dokumentation von baubezogener Kunst. Dafür fährt er mit Bahn und Fahrrad durch ganz Ostdeutschland. Er will die Zerstörung aufhalten, die Kunstwerke bewahren – und wenn nur auf dem Foto.

In den letzten 15 Jahren sammelte Maleschka über 100.000 Fotos von öffentlichen Kunstwerken. Damit hat er das größte zusammenhängende Archiv von Kunst am Bau in der DDR geschaffen. Eine Auswahl seiner Fotos veröffentlicht er regelmäßig auf Instagram und kürzlich auch in dem Bildband Baubezogene Kunst – DDR. Inzwischen kennt er nicht nur viele der alten DDR-Künstler*innen persönlich, er steht auch mit Denkmalschutzbehörden in Kontakt, gibt ihnen Hinweise auf Kunstwerke, die noch nicht in den Listen stehen, und arbeitet mit der Wüstenrot Stiftung zusammen, die Gelder für die Restaurierung von baubezogener Kunst zur Verfügung stellt.

Kunst am Bau war in der DDR allgegenwärtig – Wandbilder, Reliefs, Plastiken, Gemälde, Grafiken, aber auch Skulpturen und Denkmäler für wichtige Persönlichkeiten und Ereignisse. Staatliche Anordnungen legten fest, welcher Prozentsatz der Baukosten eines neuen Verwaltungs- oder Wohngebäudes für künstlerische Aufträge zu verwenden sei. Nach der Wende wurde baubezogene Kunst stigmatisiert: als Parteipropaganda der Sozialistischen Einheitspartei (SED).

Warum zeigen viele DDR-Kunstwerke politische Inhalte?

Eines der ersten und bedeutendsten Kunstwerke am Bau, das in den frühen Jahren der DDR geschaffen wurde, befindet sich in Berlin. Dort schraubt sich an der vielbefahrenen Leipziger Straße das Bundesfinanzministerium in den Himmel. Ein mächtiger, monumentaler Bau aus grauem Beton, der während des NS-Regimes als Reichsluftfahrtministerium errichtet wurde. 1949 gründet sich hier die DDR. An der Ostseite befindet sich ein roher Pfeilergang mit hohen Decken. Nähert man sich dem Gebäude, sieht man bereits das Gemälde, das an der Mauer hinter den schmucklosen Steinpfeilern hervorscheint.

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Ein Ausschnitt des Wandbilds Aufbau der Republik von Max Lingner, das sich heute am Gebäude des Bundesfinanzministeriums befindet. Foto: Martin Maleschka

34 Schritte benötigt man, um das Wandgemälde in seiner Länge abzuschreiten. Darauf abgebildet sind verschiedene Szenen: Auf der rechten Seite sieht man Bäuer*innen und Stahlarbeiter*innen. In der Mitte schüttelt ein Bauarbeiter einem Parteifunktionär die Hand. Auf der linken Seite marschiert ein Demonstrationszug mit Pionier*innen, Musiker*innen, FDJ-ler*innen. Ein Banner trägt die Aufschrift „Sozialismus“, ein anderes „Es lebe die Deutsche Demokratische Republik“. Aufbau der Republik heißt das Kunstwerk aus dem Jahr 1952, das auf einen Entwurf von Max Lingner zurückgeht. Walter Ulbricht, in den 50er-Jahren führender Funktionär des Zentralkommittees der SED, soll den Entwurf höchstpersönlich mehrmals überarbeitet haben.

Kunst am Bau in der DDR war fast ausschließlich eine politische Angelegenheit.

Thomas Topfstedt

„Kunst am Bau in der DDR war fast ausschließlich eine politische Angelegenheit“, sagt der Kunsthistoriker Thomas Topfstedt am Telefon. Auftraggeber von Kunstwerken im öffentlichen Stadtraum seien überwiegend Staatsorgane, beispielsweise der Ministerrat oder die Räte der Bezirke oder Städte, gewesen. „Man glaubte, ein Medium zu haben, mit dem man breite Kreise der Bevölkerung quasi dauerhaft erreichen und agitieren konnte – rein durch die bloße Präsenz dieser Kunst im öffentlichen Raum.“ Ziel der Kunst sei es gewesen, zu erziehen – und zwar im Sinne des Sozialismus.

Zwischen ideologischen Vorgaben und künstlerischer Freiheit

Welche Konsequenzen die engen Vorgaben der Parteiführung für die künstlerische Praxis gehabt hätten, sehe man exemplarisch in Max Lingners Wandbild, findet Thomas Topfstedt. Der Maler war Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Nach dem Krieg erhielt er den Auftrag für das Wandbild am ehemaligen Reichsluftfahrtministerium. Das Kunstwerk sollte das Gebäude ideell umfunktionieren – vom faschistischen Nazi-Hort zum Sitz des Sozialismus. „Lingner ging mit Begeisterung ans Werk und schuf für die erste Entwurfsfassung zahlreiche Skizzen, in denen er die Lebensfreude der Menschen mit einer für ihn typischen Leichtigkeit gestaltete. Damit sah er sich aber sofort dem Vorwurf des Formalismus ausgesetzt“, so Topfstedt.

Als formalistisch wurde in der DDR abstrakte oder moderne Kunst bezeichnet, die mit der westlich-dekadenten Gesellschaft gleichgesetzt und abgelehnt wurde. Insbesondere in den 50er-Jahren orientierte sich die DDR-Führung am Stil des sozialistischen Realismus sowjetischer Prägung. Bedeutet: Der Inhalt eines Kunstwerks sollte sozialistisch, die Darstellung realistisch sein.

„Begleitet von einer kleinlichen Kritik musste der Künstler insgesamt sechs Entwürfe vorlegen, bevor das Werk ausgeführt wurde“, erzählt Topfstedt. „Es ist, wie nicht anders zu erwarten, ein verkrampftes, von einem penetranten Optimismus erfülltes Agitationsbild geworden.“ Lingners ursprüngliche künstlerische Handschrift sei nur noch vage zu erahnen – stattdessen spiegele das Werk die Erwartungen des Auftraggebers, in diesem Falle des Ministerrats der DDR, wider.

Die meisten Kunstschaffenden wollten sich nicht von der Doktrin des sozialistischen Realismus vereinnahmen lassen.

Thomas Topfstedt

Doch trotz der strengen ideologischen Vorgaben, an die Künstler*innen in der DDR gebunden waren, sei es Topfstedt zufolge falsch, alles Geschaffene als „Ausfluss der Parteiideologie und Beleg für die Diktatur“ zu geißeln. Die harte Zeit sei die des Stalinismus bis Mitte der 50er-Jahre gewesen. Danach hätte man mit Ausnahme der zentralen Aufträge den Künstler*innen zunehmend Spielräume zugebilligt. „Die meisten Kunstschaffenden wollten sich nicht von der Doktrin des sozialistischen Realismus vereinnahmen lassen. Man öffnete sich zunehmend für internationale Tendenzen, man wollte ja auch nicht provinziell abgehängt sein“, erzählt Topfstedt.

So weigerten sich beispielsweise DDR-Bildhauer*innen rund um den Künstler Fritz Cremer, Skulpturen für politische Denkmäler nach sowjetischem Vorbild zu schaffen: als riesige Monumentalpropaganda. Wichtige Werke in diesem Stil wurden von sowjetischen Künstlern ausgeführt, beispielsweise der Karl-Marx-Kopf in Chemnitz, den Lew Kerbel entwarf. In den 70er-Jahren malte der spanische Künstler Josep Renau in Halle eindrucksvolle Wandbilder im mexikanischen Stil. Statt Menschen und deren Arbeit auf realistische Weise darzustellen, bediente er sich geometrischer Formen und Symbolen.

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Josep Renaus Wandbild in Halle aus dem Jahr 1971 wurde von Parteifunktionären und Künstlerkollegen stark kritisiert. Foto: Martin Maleschka

Nach der Wende setzte die große Gleichgültigkeit ein. „Ab Herbst 1991 hatten die Leute ganz andere Sorgen, als sich über den Verfall von baubezogener Kunst aufzuregen“, sagt Thomas Topfstedt. „Man ließ es einfach laufen. Es gab viele Gebäude, die verrotteten, bis ein Investor kam. Der konnte dann meistens relativ frei damit verfahren, ohne, dass ihm der Denkmalschutz in die Quere kam. Aber insgesamt ist weniger entfernt worden, als vielmehr zerbröselte.“ Später waren es der Rückbau der ostdeutschen Städte, Sanierungen, Renovierungen und Dämmungen, dem viele Kunstwerke zum Opfer fielen.

Ab Herbst 1991 hatten die Leute ganz andere Sorgen, als sich über baubezogene Kunst aufzuregen.

Thomas Topfstedt

Welche Probleme gibt es beim Erhalt?

Zuletzt gab Martin Maleschka der Denkmalschutzbehörde Sachsen-Anhalt den Tipp, dass sich in der Mensa Merseburg vier wertvolle Wandarbeiten befänden. Ulrike Wendland ist dort die zuständige Landeskonservatorin. Bei der Unterschutzstellung wird zunächst geprüft, ob ein Kunstwerk einen Wert als Zeitzeugnis und künstlerische Qualität hat, ob es einigermaßen intakt und authentisch ist – unabhängig davon, ob die Erhaltung wirtschaftlich zumutbar oder politisch erwünscht ist. „Aber auf der zweiten Stufe muss die Machbarkeit einer Erhaltung geprüft werden“, erklärt Wendland. „Und das ist dann die Phase, in der es Denkmälern an den Kragen gehen kann. Wenn die Erhaltung zu teuer ist oder andere öffentliche Ziele, zum Beispiel Straßenbau oder Naturschutz, ihr entgegen stehen.“

Im Falle der vier Arbeiten in Merseburg klappte die Unterschutzstellung. In anderen nicht. Wie in Halle. Dort erinnerte bis 2003 ein großes Denkmal an die Errungenschaften der revolutionären Arbeiter*innenbewegung. Vier geballte Fäuste ragten in der Mitte des Riebeckplatzes in den Himmel – ein ideologisch aufgeladenes Kunstwerk. Die CDU-Fraktion im Stadtrat stellte einen Antrag auf Abriss des Werkes. SPD und FDP stimmten ebenfalls dafür. Das sei politisch motiviert gewesen, meint Wendland, auch, wenn andere Gründe vorgeschoben wurden.

Das monumentale Fäuste-Denkmal in Halle wurde 2003 abgerissen. Foto: dpa

Die Denkmalbehörden hätte damals für die Erhaltung des Kunstwerks gekämpft. „Es gab Beschimpfungen vom Oberbürgermeister von Halle in Richtung des Landeskonservators“, sagt Wendland. „Die DDR-Kunst hatte damals im gesamtgesellschaftlichen Kontext wenig Freunde.“ Heute sei die öffentliche Meinung zur Unterschutzstellung von DDR-Kultur dagegen positiver. Insbesondere für viele der jüngeren Generationen sei es selbstverständlich, dass DDR-Kultur einen Wert darstelle, sagt Wendland.

Für viele der jüngeren Generationen ist es selbstverständlich, dass DDR-Kultur einen Wert darstellt.

Ulrike Wendland

Vergessen und zerbröselt

Wie schwierig der Erhalt baubezogener Nachkriegskunst sein kann, zeigt sich an dem langsam abbröckelnden Kunstwerk Mensch und Bildung an der Universität Cottbus-Senftenberg. Dieses steht seit 2004 unter Denkmalschutz. Angefertigt wurde es in den 70er-Jahren mit einer in Deutschland einzigartigen Glaskröseltechnik, bei der die Farbe mit einer Art Airbrushpistole auf die mit Haftkleber bestrichenen Betonplatten geschossen wurde. Zuletzt wurde das Wandbild 2003 restauriert. Für die Erhaltung ist der Eigentümer zuständig: In diesem Fall die Universität und damit das Land Brandenburg.

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Das Wandbild Mensch und Bildung von Gerhard Krüger an der Universität Cottbus verfällt allmählich. Foto: Martin Maleschka

Anruf beim Kultusministerium des Landes Brandenburg Ende Oktober: Man kenne den aktuellen Zustand nicht, dafür sei die Universität zuständig, erklärt ein Sprecher. Bislang sei vonseiten der Universität kein Restaurierungsbedarf angezeigt worden. Wenn es einen Restaurierungsbedarf gäbe, müsste die Universität beim Land einen entsprechenden Antrag stellen. Natürlich finanziere man eine entsprechende Restaurierung – aber nur nach Aufforderung.

Anruf bei der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg: Der Professor, der sich freiwillig den baubezogenen Kunstwerken auf dem Campus angenommen hat, sinniert darüber, dass man mit dem Geld, das die aufwendige Restaurierung kosten würde, eine Menge neuer Kunst schaffen könnte. Dass das Kunstwerk unter Denkmalschutz stehe, hätte ihm niemand gesagt. Auch die Pressestelle der Universität kann nicht bestätigen, dass der Denkmalschutz für das Wandbild den zuständigen Bereichen bekannt ist. Man gehe es jetzt aber an, den Bauantrag zur Sanierung an das Land Brandenburg zu stellen, sagt die Pressesprecherin.

Anruf bei der unteren Denkmalschutzbehörde: Man hätte der Universität am 15. Dezember 2004 ein Gutachten mit einer Liste von Objekten, die unter Denkmalschutz stehen, übergeben. Für das Kunstwerk sei man nur insofern zuständig, als dass man den Eigentümer dazu auffordern könne, das Denkmal zu erhalten. Das sei bereits passiert. Schätzungen darüber, wie viel eine Restaurierung kosten würde, lägen nicht vor – man sei sich aber sicher, dass es restaurierbar sei.

Rückruf beim Kultusministerium des Landes Brandenburg Ende Dezember: Tatsächlich sei inzwischen ein Antrag eingegangen, der für den neuen Haushalt 2021 berücksichtigt wird. Bis dahin soll ein Restaurator das Werk begutachten.

Die junge Generation und die Ostmoderne

Martin Maleschka spielt mit dem Gedanken, die seltene Glaskröseltechnik, die bei dem Wandbild Mensch und Bildung angewandt wurde, in seiner Promotion zu erforschen. Der Verfall des Kunstwerks an seiner ehemaligen Universität bewegt ihn – wie damals der Abriss des Schwans aus Meißner Kacheln in Eisenhüttenstadt.

Maleschka kann leidenschaftlich über baubezogene Kunstwerke reden, ohne dabei in Ost-Nostalgie zu verfallen. Die ideologische Komponente der baubezogenen DDR-Kunst, über die nach der Wende viel gestritten wurde, ist ihm dabei fast egal. „Als die Mauer fiel, war ich sieben Jahre alt. Ich hab von der Ideologie gar nix mitgekriegt“, sagt er. Er sieht sich als Teil der jungen Generation, die eben durch ihre Distanz zum autoritären Staatssozialismus in der Lage ist, die damals geschaffenen Kunstwerke neu zu entdecken. Er ist Mitglied des Vereins Institut für Ostmoderne, das Freund*innen von ihm gegründet haben. Sie wollen einen öffentlichen Diskurs über Kunst, Kultur und Architektur in der DDR anstoßen.

Baubezogene Kunstwerke sind Teil der DDR-Geschichte und damit der deutschen Geschichte.

Martin Maleschka
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Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift von Erich Enge aus dem Jahr 1978. Von sozialistischem Realismus – keine Spur. Foto: Martin Maleschka

An den baubezogenen DDR-Kunstwerken fasziniert Maleschka das Handwerkliche: zum Beispiel das Wandbild von Erich Enge an der Bibliothek in Erfurt-Rieth. „Wie die einzelnen Szenen ineinander überfließen – monumental, riesengroß. Wenn ich das sehe, denke ich daran, wie ich früher Graffiti gesprüht und dabei versucht habe, dass die Buchstaben möglichst harmonisch miteinander verbunden sind.“

Aber es geht Maleschka um mehr als nur die Technik. Es geht ihm um ein kulturelles Erbe, das für nachkommende Generationen als Zeitzeugnis bewahrt werden sollte. „Die baubezogenen Kunstwerke, die in der DDR geschaffen wurden, haben eine kulturelle Bedeutung“, sagt er. „Sie sind Teil der DDR-Geschichte und damit der deutschen Geschichte. Und die sollte nicht wegsaniert werden.“


ze.tt erzählt Geschichten über Ostdeutschland – abseits von Stasi und Neonazis. Mehr dazu findest du auf unserer Themenseite.

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