Wieder im Klassenzimmer trotz Corona: Zwei Schüler erzählen von ihrer Rückkehr

Seit Ende April findet der Unterricht für die Abiturienten Jonas und Ramôn wieder im Schulgebäude statt. Wie finden sie die Rückkehr in den physischen Unterricht?

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Die Abiturienten Jonas und Ramôn lernen seit einigen Tagen wieder in der Schule. Foto: © Jonas Wolf / Ramon Zitz

Das Abitur 2020 findet statt. Darauf hatten sich im April die Kultusminister*innen der Bundesländer geeinigt. Covid-19-Pandemie hin oder her, Abiturient*innen müssen sich den Prüfungen trotz Ausnahmesituation stellen. Ende April ließen die ersten Schulen ihre Abschlussklassen wieder den Schulweg antreten.

Die mehrwöchige Schulpause endete damit auch für den 18-jährigen Jonas Wolf und den 17-jährigen Ramôn Zitz aus Nordrhein-Westfalen, an ihren Schulen ertönt erneut der Gong. Wie nehmen sie den aktuellen Schulbetrieb wahr? Wären sie lieber noch länger zu Hause geblieben? Und welche Gedanken kommen zu den bevorstehenden Abiprüfungen auf? Zwei Erfahrungsberichte.

Jonas Wolf, 18, Abiturient

Zurück in der Schule nach Corona
Foto: © privat

„Der Unterricht findet an meiner Schule auf freiwilliger Basis statt. Wer kommen möchte, meldet sich vorab zum Unterricht an, damit die Lehrer*innen die Gruppenzusammensetzung planen können. Daraus entstehen kleine Unterrichtseinheiten mit Gruppen von vier bis zehn Personen.

Beim Eintritt in das Gebäude wird darauf geachtet, dass auf direktem Wege in die jeweiligen Klassenräume gegangen wird, wo der*die Lehrer*in bereits auf die Schüler*innen wartet. Es müssen Mund- und Nasenbereich bedeckt und Desinfektionsspender benutzt werden – wer sich nicht an die Regeln hält, darf die Schule nicht betreten.

Unklar bleibt, welche Klassenkamerad*innen sich an das Kontaktverbot gehalten haben und welche nicht.

Jonas

Ich bin froh, wieder in der Schule sitzen zu dürfen, nach zwei Monaten bekomme ich das erste Mal meine Mitschüler*innen wieder zu Gesicht. Eine gewisse Angst begleitet mich trotzdem, nicht alle Infizierten leiden unter auffälligen Symptomen. Unklar bleibt, welche Klassenkamerad*innen sich an das Kontaktverbot gehalten haben und welche nicht. Ich bin nicht der beste Schüler und deshalb auf Präsenzunterricht angewiesen. Fragen direkt persönlich mit den Lehrer*innen zu klären, geht schneller und funktioniert besser, als über die Online-Lernplattformen. Streng genommen setzen wir aber unsere Gesundheit in der Schule einem Risiko aus, das nicht alle Schüler*innen eingehen wollen und können, weil sie oder ihre Familien mit Vorerkrankungen belastet sind.

Wir, die Abiturient*innen des Jahres 2020, sind auf uns alleine gestellt.

Jonas

Wenn ich an das Abi denke, muss ich an den letzten Abiturjahrgang denken. Dieser wurde zielgerichtet auf die Prüfungen des letzten Jahres vorbereitet und durch die anstrengende Vorbereitungszeit geführt. Wir, die Abiturient*innen des Jahres 2020, sind auf uns alleine gestellt.

Unsere Lehrer*innen geben sich zwar Mühe, uns zu unterstützen, aber die Vorbereitung der vergangenen Jahrgänge ist in keinster Weise mit unserer vergleichbar. Schüler*innen mit angespannten familiären Verhältnissen sind diesen beim Lernen ausgesetzt. Einige müssen die Betreuung kleiner Geschwister übernehmen, andere leben in beengten Wohnsituationen und können sich nicht in einen eigenen Raum zurückziehen und wiederum andere sind eingeschränkt, weil sie keinen eigenen PC haben.

Nach wie vor finde ich es deshalb moralisch verwerflich, Abitur schreiben zu lassen und die Verantwortung auf Schulen und Schulleitungen abzuschieben, die eigene Hygienekonzepte erstellen mussten.“

Ramôn Zitz, 17, Abiturient

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Foto: © privat

„Ein paar meiner Mitschüler*innen – gewisse von ihnen gehören zur Risikogruppe – kommen wegen der Ansteckungsgefahr gerade gar nicht zur Schule. Den ersten Schultag habe ich auch boykottiert, danach bin ich aber trotzdem wieder zur Schule gegangen. Die Chance, meine Lücken zu füllen und den Stoff zu verstehen, ist dort höher.

Ich komme viel besser damit klar, die Dinge direkt von Lehrer*innen erklärt zu bekommen.

Ramôn

Während der ‚Ferien‘ konnte ich mich immer nur schwer auf die Prüfungen vorbereiten. Ich komme viel besser damit klar, die Dinge direkt von Lehrer*innen erklärt zu bekommen, als online alleine zu lernen. Deshalb bin ich irgendwie sehr froh drum, wieder in der Schule lernen zu können. Ich verstehe den Prüfungsstoff nun eher, auch meine Sorgen hinsichtlich der mündlichen Prüfungen sind weg, weil wir mittlerweile zwei davon simuliert haben und uns im Unterricht gut vorbereiten konnten.

Der Schulbetrieb verläuft an sich ganz entspannt. An einem Tag haben wir nur ein Fach für zwei Stunden und 20 Minuten, zwar ohne Pause, aber wir dürfen im Unterricht essen und trinken. Allerhöchstens dürfen zehn Leute im gleichen Kurs sein, meistens bestehen die Gruppen aber aus drei bis sechs Schüler*innen, die an Tischen mit anderthalb Metern Abstand zueinander sitzen. Bevor die Stunde beginnt, müssen wir uns die Hände mit Seife waschen, Desinfektionsmittel gibt es bei uns keines.“

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