Elf Tipps, wie du Schwarzen Menschen beistehen kannst, wenn du weiß bist

Nach dem Tod George Floyds fragen sich Menschen, die nicht Schwarz sind, wie sie Schwarze Menschen im Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt unterstützen können. Wir haben eine Liste an hilfreichen Tipps zusammengestellt. 

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Schwarze Menschen brauchen Unterstützung im Kampf gegen Polizeigewalt und Rassismus. Illustration: © Elif Küçük / ze.tt

Der Tod von George Floyd hat weltweit Proteste gegen rassistische Polizeigewalt ausgelöst. Schwarze Menschen demonstrieren derzeit rund um den Globus gegen Polizeigewalt und für die Anerkennung ihrer Rechte. Auch Menschen, die nicht Schwarz sind, gesellen sich vielerorts dazu und möchten Schwarze Personen unterstützen. Viele fragen sich derzeit aber, wie sie abseits von Demonstrationen helfen können. Hier folgt eine Liste an Tipps für nicht Schwarze Menschen, die wirklich daran interessiert sind, Schwarzen Menschen in dieser schwierigen Situation beizustehen.

1. Fragt eure Schwarzen Freund*innen, wie es ihnen geht

Diese Zeit ist für Schwarze Menschen nicht einfach. Jeden Tag werden sie mit neuen Bildern von Gewalt gegen Schwarze Körper konfrontiert. Sie werden an Erfahrungen erinnert, die sie selbst mit rassistischen Polizist*innen gemacht haben und sollen jetzt überall als Rassismusexpert*innen herhalten. Schreibt ihnen, fragt sie, ob ihr helfen könnt, oder, ob sie sich auskotzen möchten. Wenn die Antwort Nein lautet, akzeptiert das einfach.

Das bedeutet aber nicht, dass ihr jetzt eure Kontaktlisten durchforsten sollt nach der einen Schwarzen Person, die ihr vor vier Jahren mal auf ’ner Party kennengelernt habt, um sie anzuschreiben. Das ist komisch und wirkt performativ.

2. Sprecht mit und nicht über Schwarze Menschen

Wie man es nicht machen sollte, zeigt Sandra Maischberger. Im vergangenen Jahr erhielt sie von den Neuen deutschen Medienmacher*innen die goldene Kartoffel für eine unterirdische Medienberichterstattung. Jetzt setzte die Redaktion der Sendung noch einen drauf. Sie kündigte auf Twitter ein Gespräch zu den Vorfällen in den USA an und präsentierten dazu eine Gästeliste mit rein weißen Menschen. Als sie darauf aufmerksam gemacht wurde, reagierte Sandra Maischberger mit einem halbgaren Statement, gefolgt von einem Zwinker-Emoji. Erst nachdem es auf Twitter heftige Kritik gab, entschied sich die Redaktion, kurzfristig noch eine Schwarze US-Wissenschaftlerin in die Sendung einzuladen.

Auch ein Tipp für Redaktionen, die jetzt verzweifelt nach Schwarzen Stimmen zu den Vorfällen suchen: Es gibt in Deutschland viele Schwarze Journalist*innen. Sie leisten das ganze Jahr über tolle Arbeit. Es ist Zeit, sich auch außerhalb von Krisenzeiten mit ihnen zu befassen und sie einzustellen.

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3. Anti-Schwarzer-Rassismus ist nicht nur in den USA ein Problem

Auch Deutschland hat ein Problem mit Gewalt gegen Schwarze Menschen, ausgehend von der Polizei und Sicherheitskräften. Informiert euch über Oury Jalloh, Laya-Alama Condé, William Tonou-Mbobda, Rooble Warsame und Amir Ageeb. Unterstützt die Intiative Oury JallohKOP Berlin, Reach Out, Black Lives Matter Berlin und weitere Organisationen. Sie helfen Menschen, die von rassistischer Polizeigewalt betroffen sind, erinnern immer wieder an die Morde und greifen da ein, wo der Staat versagt hat. Beschäftigt euch außerdem mit Racial Profiling und damit, wie ihr Schwarzen Menschen helfen könnt, wenn ihr solch einen Fall beobachtet.

4. Hört zu und nehmt keinen Platz ein, der nicht für euch bestimmt ist

All Lives Matter und Mythen von Reverse Racism sind gewaltvolle Narrative und lenken von eigentlichen strukturellen Problemen ab. Hört Schwarzen Menschen zu, wenn sie euch erzählen, wie es ihnen in diesem Land geht. Nicht nur heute, sondern immer. Teilt ihre Artikel, empfehlt sie euren Kolleg*innen, macht sie sichtbar!

5. Informiert euch über Schwarze deutsche Geschichte

Schwarze Menschen sind kein Novum in Deutschland. Trotzdem werden sie in der deutschen Geschichtsschreibung meist übersehen. Dabei gibt es spannende Bücher, die euch mehr über die Schwarze Geschichte in diesem Land verraten können. Da wären beispielsweise Theodor Michael Wonjas Deutsch sein und Schwarz dazu: Erinnerungen eines Afro-Deutschen, Farbe bekennen von den Herausgeberinnen Katharina Oguntoye, May Ayim und Dagmar Schultz und Marion Krafts Kinder der Befreiung. Auch mit dem deutschen Kolonialismus und seinen Kontinuitäten solltet ihr euch auseinandersetzen.

6. Lest mehr Bücher von Schwarzen Autor*innen

Es gibt unzählige Bücher, die sich mit den Lebenserfahrungen Schwarzer Menschen in Deutschland befassen. Darunter beispielsweise Noah Sows Deutschland Schwarz Weiß, Tupoka Ogettes Exit. Racism, Alice Hasters Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten. Schaut euch um, ob es Schwarze Medien gibt, die ihr konsumieren könnt.

Die Comedienne Athena Kugblenu erwähnt auf Twitter einen weiteren wichtigen Punkt: Stellt sicher, dass eure Leseliste vielfältige Erfahrungen widerspiegelt. Schwarze Lebensrealitäten haben nicht nur etwas mit Schmerz, Wut, Trauer und Rassismus zu tun. Wer sich lediglich auf diese Narrative konzentriert, bekommt ein unzureichendes Bild.

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7. Hinterfragt Unternehmen, die jetzt einen auf Solidarität machen

In den Tagen, die auf den Tod von George Floyd folgten, haben viele kleinere und größere Unternehmen ihre Solidarität mit den Protesten Schwarzer Menschen in den USA bekundet. Bei manchen wirkt es aber so, als wollten sie jetzt nur davon profitieren. Vor allem Unternehmen, die in der Vergangenheit mit Diskriminierungen gegen Schwarze Menschen aufgefallen sind, machen sich jetzt mit ihren Solidaritätsbekundungen lächerlich. Dazu gehört beispielsweise der Kosmetikhersteller L’Oréal. Der teilte folgende Nachricht auf Twitter:

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Das Model Munroe Bergdorf erinnerte L’Oréal daran, dass sie 2017 von der Marke aus einer Kampagne gestrichen wurde, weil sie sich in einem Facebook-Post zu strukturellem Rassismus und White Supremacy geäußert hatte.

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8. Hinterfragt euch selbst

Befasst euch mit den eigenen internalisierten Rassismen und Privilegien, mit Konzepten wie Critical Whiteness und White Fragility. Dazu eignet sich beispielsweise Masken und Subjekte: kritische Weißseinsforschung in Deutschland, herausgegeben von Susan Arndt, Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba und Peggy Piesche.

Lasst euer Leben ein bisschen Revue passieren, fragt euch: Gab es Situationen, in denen ich mich für Schwarze Menschen hätte einsetzen können, aber es nicht getan habe? Vielleicht hat sich eine*r Verwandte*r beim Abendessen mal über die Afrikaner*innen ausgelassen oder im Freund*innenkreis wurde das N-Wort geäußert oder ihr habt selbst mal einen rassistischen Spruch gebracht. Erkennt euer eigenes problematisches Verhalten an und verpflichtet euch dazu, es in der Zukunft besser zu machen.

9. Unterstützt Schwarze Organisationen

Open your purse, wie man im Englischen so schön sagt. Schwarze Organisationen in Deutschland sind oft von Finanzierungsproblemen geplagt. Viel Arbeit wird ehrenamtlich verrichtet. Das kostet Kraft und Energie. Wenn ihr die Möglichkeit habt, spendet an Organisationen wie die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Each One Teach One und ADEFRA. Sie leisten teilweise schon seit Jahrzehnten wichtige Aufklärungsarbeit und werden Schwarzen Menschen auch beistehen, wenn die Berichterstattung und das Interesse an ihren Erfahrungen in der Mehrheitsgesellschaft wieder in den Hintergrund rückt.

10. Nervt eure Schwarzen Freund*innen nicht mit Fragen

Das sollte sich eigentlich von selbst erklären. Schwarze Personen sind keine Informationsquellen, die ihr zu jeder Zeit anzapfen könnt, wie es euch passt. Über Rassismus zu sprechen, ist anstrengend. Es kann traumatisierend sein. Es gibt genug Informationsquellen im Internet, die euch einen umfassenden Überblick zu Schwarzer Geschichte in Deutschland und weltweit geben können. Überfordert eure Schwarzen Freund*innen nicht in einer Zeit, in der sie möglicherweise damit beschäftigt sind, nicht durchzudrehen, im Angesicht der Flut an gewaltvollen Bildern gegen Schwarze Körper, die gerade überall zirkulieren.

11. Bleibt am Ball

Wir haben nach Hanau gesehen, wie schlecht das kollektive Gedächtnis der Mehrheitsgesellschaft ist. Was heute die Nachrichten bestimmt, ist morgen vergessen. Schwarze Menschen weltweit können sich den Luxus des Vergessens aber nicht leisten. Schreit nicht heute Black Lives Matter, wenn ihr morgen wieder in eure Farbenblindheit verfallen wollt. Postet keine schwarzen Kacheln in Solidarität auf Instagram, wenn ihr den nächsten großen Protestmarsch für Schwarze Menschen in Deutschland ignoriert. Schwarzes Leid ist kein Trend, auf den man mal kurz mal aufspringen kann. Solidarität muss über Sensationsmeldungen und Social-Media-Posts hinausgehen. Sie muss konstant werden.